Cashtest – Spark Energy Series A Preferred Stock

Einstieg und Überblick

Im Windschatten von Snap und gut eine Woche nach dem Börsengang des Instant-Messaging-Dienstleisters erfolgte am 13. März 2017 die Erstnotiz des Spark Energy Series A Preferred Stock. Leser meines Hochdividenden-Reports dürften bereits anhand des Kurznamens erkannt haben, dass es sich bei dem Wertpapier um eine nordamerikanische Vorzugsaktie handelt. Die vollständige Bezeichnung gemäß Emissionsprospekt lautet Spark Energie 8.75% Series A Fixed-to-Floating Rate Cumulative Redeemable Perpetual Preferred Stock. Die einzelnen Namensbestandteile werden nachfolgend erörtert.

Für diejenigen Besucher, die den Hochdividenden-Report beziehungsweise „Bargeld statt Buchgewinn“ noch nicht gelesen haben: US-amerikanische und kanadische Preferred Stocks unterscheiden sich erheblich von heimischen Vorzugsaktien (wörtliche Übersetzung) und sind am ehesten mit Genussscheinen deutschen Rechts vergleichbar. Als sogenanntes hybrides Wertpapier weisen sie Merkmale sowohl von Aktien als Anleihen auf.

Das ist auch in diesem Fall unmittelbar ersichtlich: Der Spark Energy Series A Preferred Stock ist mit einer zinsähnlichen Fixdividende von 8,75 Prozent pro Jahr bezogen auf den Emissionspreis von 25,00 US-Dollar ausgestattet. Dennoch handelt es sich um keinen Geldwert sondern eine Beteiligung am emittierenden Unternehmen und damit um einen für Einkommensinvestoren potenziell interessanten Hochdividendenwert. Die Ausschüttung erfolgt wie bei den meisten Preferred Stocks oder Preferred Shares quartalsweise und ist durch den Emittenten, in diesem Fall die US-amerikanische Aktiengesellschaft Spark Energy, bevorzugt, das heißt vor allen anderen Auszahlungen an Anteilseigner, zu erfüllen (sogenanntes Dividendenprivileg).

Historie und Kennzahlen

Um die Qualität des Wertpapiers jenseits der Fixdividende beurteilen zu können ist ein Blick auf Spark Energy erforderlich. Hierbei handelt es sich um einen US-amerikanischen Energiedienstleister mit Hauptsitz in Houston, Texas.

Logo der Spark Energy
US-Energielieferant Spark Energy, Bildquelle: Seite des Unternehmens

Spark Energy ist an der größten elektronischen Börse der USA, der NASDAQ, unter dem Kürzel SPKE notiert. Das Unternehmen verfügt über eine Marktkapitalisierung von über 500 Millionen US-Dollar und zahlt eine ansehnliche Dividende von etwa fünf Prozent pro Jahr. Nominal betrachtet schüttet Spark Energy seit Anfang 2015 konstant 0,3625 Cent pro Quartal aus.

Welches Geschäftsmodell verfolgt das Unternehmen? Gegründet wurde Spark Energy erst im Jahr 1999. Als Energiedienstleister versorgt es Unternehmen und Privathaushalte in insgesamt 18 Bundesstaaten der USA mit Strom und Gas. Ferner werden verschiedene Services wie etwa Energiesparberatung angeboten. Spark Energy ist selbst kein Strom- oder Gasproduzent, verdient also allein an der Marge zwischen Ein- und Verkauf und ist somit nicht dem operativen Risiko schwankender Erzeuger- beziehungsweise Rohstoffpreise ausgesetzt. Ein Großteil der Kundschaft scheint lateinamerikanische Wurzeln zu haben, da die Gesellschaft eine Kundenhotline speziell für spanischsprechende Anrufer anbietet. Auch wird gerade eine entsprechende Übersetzung der Internetseite vorgenommen.

Auf Basis der letzten verfügbaren Zahlen vom dritten Quartal 2016 verfügt das Unternehmen über Vermögenswerte von knapp 338 Millionen US-Dollar. Diese sind ziemlich genau zu einem Drittel aus Eigen- und zwei Dritteln aus Fremdkapital (Schulden) finanziert. Bei letzteren handelt es sich allerdings fast durchgehend um kurzfristige Verbindlichkeiten wie zum Beispiel Forderungen von Lieferanten, die zudem vollständig durch die kurzfristige Liquidität gedeckt sind. Positiv zu werten ist, dass das Unternehmen weder bei Banken noch am Kapitalmarkt langfristig verschuldet ist. Im Vergleich zu 2015 konnten sowohl Umsatz als auch Gewinn deutlich gesteigert werden. Letzterer reicht aktuell aus, um neben der Fixdividende ebenfalls eine Ausschüttung an die Eigentümer der Common Shares vorzunehmen.

Konditionen und Besteuerung

Bei dem emittierten Wertpapier handelt es sich laut Emissionshinweis um ein „Fixed-to-Floating Rate Cumulative Redeemable Perpetual Preferred Stock“. Was heißt das genau? „Fixed-to-Floating Rate“ bedeutet, dass ab einem bestimmten Datum die fixe in eine variable Dividende übergeht. Im konkreten Fall endet die Festverzinsung von 8,75 Prozent gemäß Emissionsbedingungen am 15. April 2022. Ab dann setzt sie sich aus dem Dreimonats-Libor zuzüglich 6,578 Prozentpunkten zusammen, was je nach Entwicklung der ersten Komponente eine höhere oder niedrigere Rate ergeben kann.

Bei Preferred Stocks kann die Hauptversammlung auf Vorschlag des Vorstands der emittierenden Gesellschaft die Herab- oder gar Aussetzung der Fixdividende beschließen, sofern das Unternehmen Verluste erwirtschaftet. Zudem schreibt das Dividendenprivileg vor, dass in diesem Fall auch die Stammaktionäre leer ausgehen. Der Zusatz „Cumulative Redeemable“ besagt dabei, dass die nicht oder nicht vollständig gezahlten Dividenden vermerkt und bei später positivem Geschäftsverlauf komplett nachgezahlt werden müssen – vorausgesetzt das Unternehmen überlebt die Schwächephase.

Zu guter Letzt hat ein „Perpetual Preferred Stock“ (im Gegensatz zu einem „Retractable Preferred Stock“) kein Fälligkeitsdatum, läuft also zumindest theoretisch ewig. Praktisch hat der Emittent, in diesem Fall die Spark Energy, allerdings ein einseitiges Kündigungsrecht. Er kann in diesem Fall den Preferred Stock zum Emissionskurs zurückkaufen, was freilich auch preisstabilisierend auf die Börsennotiz wirkt (weshalb Preferred Stocks grundsätzlich weniger schwanken als Common Shares). Diese Option wird er selbstverständlich ausüben, sobald sich ihre Finanzierungsbedingungen wesentlich verbessern und er den Preferred Stock beispielsweise durch die Emission einer Anleihe ablösen kann.

Preferred Stocks können also jederzeit ohne Zusatzkosten getilgt werden, ein klarer Vorteil für das emittierende Unternehmen. Bis dahin zählen sie bilanziell als Eigen- und nicht als Fremdkapital, zumal die Fixdividende anders als Zinsen in Verlustjahren ausgesetzt werden kann. Dem Anleger entstehen beim Erwerb der Spark Energy Series A Preferred Stock außer den Ordergebühren keine weiteren Kosten. Auf Ausschüttungen an Investoren außerhalb der USA werden in der Regel mit 15 Prozent Quellensteuern erhoben, welche auf die deutsche Abgeltungssteuer anrechenbar sind.

Chancen und Risiken

Chancen und Risiken dieses Preferred Stocks entsprechen in erste Linie denen der Spark Energy, sind also im Positiven (Wachstum) wie Negativen (Insolvenz) überwiegend unternehmerischer Natur. Daneben ist der Anleger dem oben beschriebenen Kündigungsrisiko durch das Unternehmen als auch einem Wechselkursrisiko beziehungsweise einer Wechselkurschance ausgesetzt, da der Preferred Stock in US-Dollar notiert ist.

Logo des Federal Reserve System
US-Geldlieferant FED, Bildquelle: U. S. Government via Wikimedia Commons (gemeinfrei)

Ebenfalls zu beachten ist das bei einer niedrigen Marktkapitalisierung grundsätzlich bestehende Liquiditätsrisiko. Das bedeutet, dass aufgrund des relativ niedrigen Handelsvolumens zum gewünschten Kauf- oder Verkaufszeitpunkt kein entsprechender Handelspartner vorhanden sein kann. Ferner dürfte der Preis des Spark Energy Series A Preferred Stock deutlich abhängiger vom US-amerikanischen Zinsniveau sein als die entsprechenden Common Shares. Seit der letzten Verschärfung der Geldpolitik durch das Federal Reserve System (FED) ist der Verdacht eines Trends steigender Zinsen zumindest nicht ganz von der Hand zu weisen. In so einem Umfeld können sich ausschüttungsstarke Aktien und vor allem hybride Wertpapiere, die traditionell in enger Konkurrenz zu Anleihen stehen, vergleichsweise schwach entwickeln – müssen dies aber nicht zwingend (siehe die Barwerte vom Februar 2017 und hier das verlinkte Dokument im Beitrag „Dividendenaktien bei steigenen Zinsen“).

Zusammenfassung und Stammdaten

Insgesamt wurden 1.400.000 Spark Energy Series A Preferred Stocks emittiert. Das ergibt in Summe eine relativ bescheidene Marktkapitalisierung von 35 Millionen US-Dollar (die Snap-Emission war um den Faktor 651 voluminöser). Nach der ersten Börsenwoche notiert das Papier nahezu unverändert zum Emissionskurs bei 24,95 US-Dollar.

Im Gegenzug ist die Fixdividende üppig bemessen und für fünf Jahre zugesagt. Der Spark Energy Series A Preferred Stock ist ebenfalls an der NASDAQ notiert und kann unter dem Kürzel SPKEP gehandelt werden. Aufgrund der vergleichsweise soliden Kennzahlen könnte eine Investition für risikofreudige Investoren als Beimischung durchaus in Frage kommen.

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