Cashtest – Crius Energy Trust

Einstieg und Überblick

Eine zwischen 2006 und 2010 quantitativ deutlich geschrumpfte Wertpapiergattung ist der kanadische Income Trust. Hierbei handelt es sich um börsennotierte Unternehmen mit einer spezieller Rechtsform. Diese ähnelt in ihren Grundzügen derjenigen der Real Estate Investment Trusts (REITs): Erträge werden auf Ebene des Unternehmens nicht besteuert, im Gegenzug muss ein Großteil des Cashflows an die Anteilseigner ausgeschüttet werden. Dies geschieht bei Income Trust übrigens meist monatlich. Bis Oktober 2006 existierten keinerlei gesetzliche Einschränkungen bezüglich des Geschäftsmodells eines Income Trusts. Die überraschende Ankündigung neuer Besteuerungsregeln zogen das „Halloweenmassaker“ nach sich und bescherte den Income Trusts herbe Kursverluste von zum Teil weit über 20 Prozent. Weitere regulatorische wie historische Details zu dieser Wertpapiergattung finden sich in Kapitel 6 von „Bargeld statt Buchgewinn“.

Bis Ende 2010 wandelten sich die meisten Income Trusts in gewöhnliche Aktiengesellschaften um. Mehrere Dutzend wurden jedoch von der neuen Steuergesetzgebung ausgenommen – so vor allem kanadische Immobiliengesellschaften – beziehungsweise nicht erfasst und haben bis heute Bestand. Hierzu gehört auch der Crius Energy Trust, ein Income Trust aus dem Bereich der Energieversorgung. Er ist wie alle Income Trusts direkt über die größte kanadische Wertpapierbörse, die Toronto Stock Exchange (TSX), handelbar. Dass er nach wie vor als Income Trust firmiert ist übrigens der Tatsache zu verdanken, dass das Unternehmen seine Gewinne außerhalb Kanadas erzielt. Diese sind nämlich nach wie vor von der zum Januar 2011 eingeführten Besteuerung freigestellt.

Historie und Kennzahlen

Crius Energy ist ein relativ junges Unternehmen. Die Emission des Trusts erfolgte am 07. September 2012, ein im Nachhinein ungünstiger Zeitpunkt für Investoren. Nur ein gutes Jahr später kam es zu einer Baisse im Energiesektor, der mit dem Preisverfall der Energierohstoffe einherging und erst Anfang 2016 ihren Boden fand. So sank der Ölpreis (Brent) in dieser Zeit von über 110 auf unter 30 US-Dollar je Barrel (circa 159 Liter). Zahlreiche Unternehmen mussten Konkurs anmelden und so mancher auf reichlich sprudelnde Öleinnahmen setzender Staatshaushalt geriet in Schieflage.

Logo des Crius Energy Trust
Logo des Crius Energy Trust, Bildquelle: Seite des Unternehmens

Von dieser (Kurs-)Entwicklung konnte sich auch Crius Energy nicht abkoppeln, der Trust verlor bis zu seinem Tiefpunkt zwei Drittel des Börsenwerts. Allerdings wurde das Unternehmen dabei in Sippenhaft genommen, da es ausschließlich mit Strom und Gas handelt und gar nicht in der kapitalintensiven Produktion engagiert ist. Hier griff also derselbe (Namens-)Effekt, den ältere Anleger noch aus der Dotcom-Blase kennen dürften – nur eben umgekehrt.

Von dieser Entwicklung war das operative Geschäft von Crius Energy folglich nur wenig betroffen. Das belegt nicht zuletzt die Ausschüttungshistorie. Zwar wurde die Dividende einmal, zum 01. Januar 2014, um ein Drittel gesenkt, seither jedoch durchweg entweder stabil gehalten oder erhöht. Wer Trustanteile auf dem Höhepunkt der Schwächephase gekauft hätte, könnte sich heute neben den kräftigen Kursgewinnen über eine auf den Kaufkurs bezogene Dividendenrendite von über 20 Prozent freuen.

Aktuell notiert der Trust etwas oberhalb des Emissionskurses, die Marktkapitalisierung beträgt knapp 420 Millionen US-Dollar. Die Bilanzsumme belief sich zum 31. März 2017 auf fast 280 Millionen US-Dollar und setzt sich aus 110 Millionen US-Dollar Eigen- und 170 Millionen US-Dollar Fremdkapital zusammen. Allerdings besteht das Fremdkapital überwiegend aus kurzfristigen Verbindlichkeiten, so vor allem Lieferantenrechnungen, und einer Kreditlinie. Langfristige Schulden bestehen kaum, hierbei handelt es sich zudem vor allem um Liefervereinbarungen beziehungsweise Terminkontrakte (Hedgegeschäfte) mit Strom- und Gasproduzenten.

Eine solche Kapitalstruktur ist durchaus typisch für Dienstleistungsunternehmen, der Firmenwert des Trusts beruht letztendlich auf der Marken- und Vertriebsstärke. Im ersten Quartal 2017 hat er damit einen Umsatz von knapp 180 Millionen US-Dollar und einen operativen Gewinn von 14,5 Millionen US-Dollar erzielen können. Dies entsprach in etwa den Zahlen des entsprechenden Quartals im Vorjahr. Über 90 Prozent des Umsatzes entfallen auf den Handel beziehungsweise den Verkauf von Strom, der Rest auf den von Gas sowie Solaranlagen. Aktuell ist Crius Energy in 16 US-amerikanischen Bundesstaaten aktiv, zum Kundenkreis zählen sowohl Haushalte als auch Unternehmen.

Konditionen und Besteuerung

Die Tatsache, dass der Trust sämtliche Umsätze außerhalb Kanadas erzielt ist auch der Grund dafür, dass diese nach wie vor nicht auf Unternehmensebene besteuert werden müssen und damit steuerfrei vereinnahmt und ausgeschüttet werden können. Die Zahlungen erfolgen nach guter Tradition der Income Trusts monatlich und betragen aktuell 0,0657 Cent pro Anteil. Das entspricht auf das Jahr hochgerechnet einer Dividendenrendite von 7,7 Prozent ohne Berücksichtigung einer möglichen Wiederanlage.

Unerfreulich ist hingegen die Behandlung der Ausschüttungen für in Deutschland steuerpflichtige Anleger durch den heimischen Fiskus. Das gilt zumindest dann, wenn sie Crius Energy (oder einen beliebigen anderen kanadischen Income Trust) durch eine inländische Bank oder Broker verwalten lassen. Es existiert nämlich eine Stellungnahme des Bundesministeriums der Finanzen (BMF), in welcher die Anrechnung der kanadischen Quellensteuer auf die durch die inländische Bank abzuführende Abgeltungssteuer ausgeschlossen wird!

Demnach zahlt der Anleger also (zunächst) doppelt: Erst werden von der Barausschüttung je nach Titel und Depotbank 15 bis 25 Prozent kanadische Quellensteuer abgezogen, danach – auf den ursprünglichen Ausschüttungsbetrag bezogen – 25 Prozent Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Insgesamt bekommt der Anleger so erst einmal lediglich knapp 50 bis 60 Prozent der Barausschüttung ausbezahlt. Im Zuge der Veranlagung zur Einkommensteuer kann sich der Anleger dann den zu viel gezahlten Betrag zurückerstatten lassen, wobei er sich die kanadische Quellensteuer gemäß Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Kanada und Deutschland voll anrechnen lassen kann. Insgesamt liefert das Thema Besteuerung von Income Trusts Stoff für einen eigenen Beitrag.

Wie lässt sich diese unschöne temporäre Doppelbesteuerung umgehen? Hierzu stehen prinzipiell zwei Wege offen. Zum einen können Anleger auf einen Broker mit Sitz im Ausland ausweichen. Hier wird lediglich die Quellen-, nicht jedoch die Abgeltungssteuer abgeführt. Letztere wird dann im Zuge der Einkommenssteuererklärung deklariert beziehungsweise geltend gemacht. Eine zweite Möglichkeit ist es, den Titel statt über den Heimatmarkt über den US-amerikanischen Börsenplatz OTCMKTS zu handeln (siehe unten). In diesem Fall wird der Trust steuerrechtlich wie ein US-amerikanisches Wertpapier, zum Beispiel der Spark Energy Series A Preferred Stock, behandelt.

Chancen und Risiken

Crius Energy firmiert zwar als kanadisches Unternehmen, das gesamte operative Geschäft wird jedoch in US-Dollar abgewickelt. Hieraus erwachsen die entsprechenden Risiken wie auch Chancen. Da ich das Federal Reserve System (Fed) institutionell nach wie vor für besser aufgestellt halte als das Eurosystem schätze ich trotz der jüngsten Schwäche des US-Dollars die Chancen höher als die Risiken ein.

Operativ ist Crius Energy verhältnismäßig breit in einem eher wenig schwankungsanfälligen Markt aufgestellt. Als Dienstleistungsunternehmen ist der Trust zudem allein von seiner Handelsmarge abhängig und nicht von der kapitalintensiven Erschließung und Produktion entsprechender Energierohstoffe. Andererseits belegt die Kurshistorie, dass das Unternehmenswert durchaus mit der Entwicklung am entsprechenden Rohstoffmarkt korreliert – auch wenn das nur bedingt nachzuvollziehen ist. Zudem ist das Unternehmen mit fünf Jahren noch verhältnismäßig jung.

Für Einkommensinvestoren interessanter ist dann auch vielmehr die Dividendenhistorie. Und die kann sich durchaus sehen lassen (siehe oben). Kontinuierlich reinvestiert hätten Anleger von der Kursschwäche sogar massiv profitieren können. Auch die solide Bilanz der Gesellschaft sowie die fast zu vernachlässigende langfristige Verschuldung verleihen dem Trust eine gewisse Robustheit für künftige turbulente Zeiten. Diese, das hat nicht zuletzt die Entwicklung der letzten Jahre in Deutschland gezeigt, können im volkswirtschaftlich bedeutenden Segment der Energieversorgung durchaus auch mal politisch ausgelöst werden. Vor diesem Hintergrund sollte ein Titel wie Crius Energy auch nur einen kleinen Anteil am Gesamtdepot ausmachen.

Zusammenfassung und Stammdaten

Crius Energy bietet als einer der wenigen verbliebenen kanadischen Income Trusts außerhalb des Immobiliensektors eine attraktive Dividendenrendite bei relativ soliden betriebswirtschaftlichen Kennzahlen. Aufgrund des Branchen- und Einzelwertrisikos sollten Einkommensinvestoren den Titel dennoch lediglich als Beimischung in Erwägung ziehen. Handelbar ist der Crius Energy Trust über das Tickersymbol KWH.UN an der TSX, die entsprechende ISIN lautet CA22676R1156. Alternativ kann das Wertpapier auch unter dem Kürzel CRIUF am Börsenplatz OTCMKTS der OTC Markets Group gehandelt werden. Der Kurs betrug zuletzt 10,22 kanadische Dollar beziehungsweise 7,91 US-Dollar.

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