Cashtest – YieldShares High Income ETF

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Einstieg und Überblick

Kürzlich schrieb mir ein Leser folgende Zeilen: „Es wäre sehr interessant, mehr über die Produkte mit folgendem Tickersymbol zu erfahren: AMZA, BDCL bzw. BDCS, YYY, PBP und GOEX. Ich würde mich freuen, könnten die oben genannten Wertpapiere in deinem Cashtest Berücksichtigung finden könnten – danke!“ Der Bitte komme ich gerne nach. Ich habe mich hierbei für den YieldShares High Income ETF und damit das Wertpapier aus der Liste mit dem auffälligsten Börsenkürzel (YYY) entschieden. Warum ausgerechnet dieses Papier? Einerseits, weil der Yield Shares High Income ETF sehr breit investiert. Wie der zuletzt vorgestellte Arrow Dow Jones Global Yield ETF eignet er sich daher gut zum Ansparen beziehungsweise als „Einsteigerpapier“. Andererseits verfolgt er eine interessante Strategie, die ich bereits in Kapitel 16 von „Bargeld statt Buchgewinn“ vorgestellt habe.

Einmal mehr handelt es sich bei dem hier vorgestellten Wertpapier um einen Exchange Traded Fund (ETF). Dementsprechend ist der YieldShares High Income ETF ein börsennotierter Fonds, der passiv, also automatisiert, nach einem festen Regelwerk verwaltet wird. Dieses Regelwerk stelle ich weiter unten im Detail vor. Eine sehr breite Streuung erzielt dieser ETF dadurch, dass er selbst wiederum in Closed-end Funds (CEF) anlegt. CEFs sind in der Regel aktiv gemanagte Investmentfonds, die an einer US-amerikanischen Börse notiert sind. Sie bilden in den USA das Pendant zu den nicht börsennotierten Investmentfonds, den sogenannten Mutual Funds. Letztlich handelt es sich beim YieldShares High Income ETF also um einen Dachfonds („Fund Of Funds“, FOF). Schauen wir uns den Titel im Detail an.

Historie und Kennzahlen

Wie gewohnt zunächst einige Takte zum Fondsanbieter: YieldShares ist eine Marke des ETF-Anbieters Amplify Investments mit Sitz in Wheaton, Illinois, im Speckgürten von Chicago. Gründer und Geschäftsführer von Amplify ist Christian Magoon, ein in den USA bekannter Redner, Autor und Finanzfachmann. Über 60 Investmentfonds hat der erfahrene Finanzhaudegen bereits aufgelegt und Amplify als Anbieter von speziellen Strategie-ETFs positioniert. Mit YieldShares verfolgt Amplify gezielt ausschüttungsorientierte Strategien. Das schlägt sich auch im Motto der Marke nieder: „When Income Matters“.

Der YieldShares High Income ETF existiert in dieser Form seit dem 21. Juni 2013. Hervorgegangen ist er aus dem ein Jahr zuvor aufgelegten Sustainable North American Oil Sands ETF, der die Erwartungen des Emittenten sowie der Investoren nicht erfüllen konnte und daher neu ausgerichtet wurde. Christian Magoon hat es sich seinerzeit übrigens nicht nehmen lassen, den ETF auf dem YouTube-Kanal des Börseninformationsdienstes TheStreet persönlich vorzustellen:

TheStreet: New YieldShares ETF (Video)


Bei insgesamt 10.300.000 umlaufenden Anteilen und einem aktuellen Kurs von etwa 18,75 US-Dollar je Anteil beträgt die Marktkapitalisierung des YieldShares High Income ETF zurzeit knapp 200 Millionen US-Dollar. Gehandelt wird das Papier an der New York Stock Exchange Arca (NYSE Arca). Die vollelektronische Börse ist einer der weltweit führenden Handelsplätze für ETFs und anders als es der Name vermuten lässt in Chicago und damit unweit der Zentrale von Amplify Investments beheimatet. Zuletzt betrug die auf das Jahr hochgerechnete Ausschüttungsrendite recht ansehnliche 8,3 Prozent. Erzielt wurde diese ausschließlich mit Eigenkapital, der ETF verzichtet also auf den Einsatz von Krediten und den damit einhergehenden Hebeleffekt nach unten wie nach oben.

Wie eingangs erwähnt investiert der YieldShares High Income ETF ausschließlich in CEFs. Stand Ende 2016 gab es davon 530 in den USA. Zusammen verwalteten sie zum damaligen Zeitpunkt Vermögenswerte in Höhe von 262 Milliarden US-Dollar („Net Asset Value“, NAV). Diese teilten sich wie folgt auf:

  • 10 Prozent internationale Aktien
  • 29 Prozent US-Aktien
  • 8 Prozent internationale Anleihen
  • 33 Prozent Kommunalanleihen
  • 20 Prozent US-Anleihen

In Summe machte der Aktienanteil also knapp 40, der Anleihenanteil gut 60 Prozent aus. US-amerikanische Wertpapiere dominierten mit etwas über 80 Prozent gegenüber Wertpapieren aus dem Rest der Welt.

Interessant sind auch die zusammengefassten Ausschüttungs- und Verschuldungsquoten. Bezogen auf das verwaltete Vermögen betrug die durchschnittliche Dividendenrendite über alle CEFs 6,18 Prozent. Hieran wird deutlich, dass diese vor allem Einkommensinvestoren im Visier haben. Und tatsächlich werden sie gerne und häufig von US-amerikanischen Pensionären zwecks Erzielung einer Privatrente („retirement income“) erworben. Um die Rendite zu erhöhen, setzten 64 Prozent der CEFs im Jahr 2016 Fremdkapital ein. Allerdings ist der Verschuldungsgrad durch den Investment Company Act of 1940 streng begrenzt: Für jeden US-Dollar Kredit muss ein CEF drei Dollar Vermögenswerte halten. Wer an weiteren Daten, Zahlen und Fakten zu US-Fonds interessiert ist, dem sei der aktuelle, 57. Gratisreport des Investment Company Institute (ICI) empfohlen, dem ich obiges Material entnommen habe:

> Factbook 2017 (PDF) <

Nach welchem regelbasierten Automatismus wählt nun der YieldShares High Income ETF unter den vielen hundert CEFs seine Investitionen aus? Hierzu bedient sich der ETF eines speziellen Barometers, dem ISE High Income Index. Dieser setzt sich aus genau dreißig CEFs zusammen. Von den insgesamt 530 Papieren kommen vorab nur solche in Frage, deren Marktkapitalisierung mehr als 500 Millionen US-Dollar beträgt. Diese werden dann nach drei gleich gewichteten Kriterien sortiert: Höhe der Dividendenrendite, Differenz zwischen Kurswert und NAV sowie durchschnittliches Umsatzvolumen der letzten sechs Monate.

Die dreißig in Summe höchstplatzierten CEFs fließen in den Index ein, wobei die Gewichtung der Platzierung folgt. Das heißt, der erstplatzierte CEF wird prozentual höher gewichtet als der zweitplatzierte, dieser wiederum höher als der drittplatzierte und so weiter. Der Anteil eines CEFs ist dabei jedoch auf 4,25 Prozent gedeckelt. Der Index und damit auch der ETF werden einmal jährlich rebalanciert.

Was ist nun das Besondere am YieldShares High Income ETF? Wie in Kapitel 16 von „Bargeld statt Buchgewinn“ beschrieben, weicht bei CEFs des Öfteren der Kurswert vom NAV ab. Sofern der Kurswert niedriger ist als der NAV, kann der CEF mit Abschlag (Disagio) erworben werden. In diesem Fall ist die Summe der Vermögenswerte, die der CEF verwaltet höher als der Preis, den alle Anteile zusammen an der Börse wert sind. So eine Konstellation ist gar nicht mal so selten. Phasenweise werden CEFs mit einem Abschlag von zehn, zwanzig und mehr Prozent gehandelt.

Für Einkommensinvestoren hat dies einen ganz entscheidenden Vorteil, denn in so einer Konstellation lässt sich die Dividendenrendite ganz risikolos hebeln. Ein Beispiel: Die durchschnittliche Ausschüttungsrendite eines Aktienkorbs beträgt fünf Prozent pro Jahr. Kann dieser Korb allerdings mit einem Abschlag von 15 Prozent zum Marktpreis erworben werden, steigt die Ausschüttungsrendite automatisch auf 5,88 Prozent. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass besagter Effekt oft genug mit umgekehrten Vorzeichen auftritt. In diesem Fall notierten CEFs also mit einem entsprechenden Aufschlag (Agio) auf den NAV.

Wie kommt es zu solchen Bewertungsunterschieden? ETFs beauftragen in der Regel sogenannte Marktpfleger („Market Maker“), meist Banken oder Broker, um einen liquiden Handel beziehungsweise enge Kauf- und Verkaufskurse zu gewährleisten und Abweichungen zwischen Kurswert und NAV glattzustellen. Mit genau solchen Arbitragegeschäften verdienen die Marktpfleger Geld. Für CEFs sind üblicherweise keine Marktpfleger tätig. So führt dann auch der hohe Anteil privater Investoren respektive Rentner bisweilen zu ineffizienten Bewertungen, da Käufe wie Verkäufe oft dem Einkommens- und nicht einem Arbitrage- oder Spekulationsmotiv folgen.

Konditionen und Besteuerung

Hier gilt wie zuletzt so häufig: Bei Wahl des geeigneten Brokers können die Ordergebühren für den Handel an der NYSE Arca vernachlässigt, Aufträge sollten nichts desto trotz jedoch immer limitiert werden. Allerdings dürft der YieldShares High Income ETF mangels Zielmarktdefinition gemäß MiFID-II-Richtlinie kaum bei einem inländischen Institut zu erwerben sein. Daran wird sich vermutlich auch künftig nichts ändern, da der ETF den US-amerikanischen Markt bedient und nicht auf deutsche Anleger angewiesen ist.

Zur Information: Die sogenannte Zielmarktdefinition muss hierzulande einem (unter anderem) von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) vorgegebenen Mindeststandard genügen. Dieser umfasst Angaben zu den fünf Rubriken geeignete Kundenkategorie, notwendige Kenntnisse und Erfahrungen, Verlusttragfähigkeit des Anlegers, Rendite-Risiko-Profil der Investition sowie Bedürfnisse und Ziele des Kunden. Das alles natürlich in deutscher Sprache. Ohne eine solche Zielmarktdefinition erfolgt keine Produktfreigabe mehr für Sammelanlagen wie Fonds oder ETFs.

Logo von Amplify Investments
Logo von Amplify Investments, Bildquelle: Seite des Unternehmens

Die jährlichen Kosten des ETFs belaufen sich auf 0,5 Prozent des verwalteten Vermögens. Das ist für so ein spezielles Papier durchaus in Ordnung. Weniger schön aber nicht zu vermeiden ist die Tatsache, dass der Anleger selbstverständlich auch mit den jeweiligen Kosten der im ETF enthaltenen CEFs belastet wird. Inklusive letzterer steigt die Gesamtkostenquote dann auf sportliche 1,72 Prozent pro Jahr – die müssen erst einmal verdient werden. Als hilfreich erweist sich hierbei das Disagio auf das CEF-Portfolio. Die Einzelpositionen notieren aktuell mit durchschnittlich 8,1 Prozent Abschlag zum NAV.

Einfach zu handhaben ist die steuerrechtliche Behandlung der Dividenden. Ebenso wie beim Alerian MLP ETF, Arrow Dow Jones Global Yield ETF und Global X SuperDividend ETF zahlen hierzulande veranlagte Investoren gemäß dem Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen den USA und Deutschland 15 Prozent US-amerikanische Quellensteuer. Diese kann in voller Höhe auf die heimische Abgeltungssteuer angerechnet werden. Die ebenfalls zum neuen Jahr in Kraft getretene neue Fondsbesteuerung greift beim YieldShares High Income ETF hingegen nicht. Die ausführliche Begründung kann in einem früheren Blogbeitrag nachgelesen werden.

Chancen und Risiken

Der YieldShares High Income ETF notiert heute knapp unter seinem Ausgabepreis. In den Jahren seines Bestehens hat er jeweils einen zyklischen Auf- und Abschwung mitgenommen. Insbesondere der Preisverfall bei höherverzinslichen Anleihen zwischen Mitte 2014 und Anfang 2016 hat den Kurs zwischenzeitig um ein Drittel einbrechen lassen. Anleger sollten daher auch in Zukunft mit entsprechenden Schwankungen rechnen.

Aktuell beläuft sich der Anleihenanteil über das Gesamtportfolio betrachtet auf etwa 80, der Aktienanteil auf etwa 20 Prozent. Diese Relation ist im Zeitablauf jedoch nicht stabil und kann sich entsprechend der Indexzusammensetzung sowie der Werteentwicklung ändern. Sollten beispielsweise viele große, aktienlastige CEFs mit hohem Disagio zum NAV notieren, würde sich auch der Aktienanteil bei der jährlichen Rebalancierung erhöhen.

Deutlich stabiler als der Kursverlauf verlief bisher die Dividendenhistorie. Zwar wurden die Ausschüttungen im Zuge des erwähnten Kursverfalls ebenfalls gesenkt, allerdings in wesentlich bescheidenerem Umfang. Erfreulicherweise schüttet der ETF monatlich aus und pflegt zudem eine sogenannte „managed distribution policy“. Das heißt er strebt über das jeweilige Geschäftsjahr gleichbleibende Ausschüttungen an. Aktuell sind das 0,13 US-Dollar pro Anteil und Monat. Das Ausschüttungsintervall sowie die „managed distribution policy“ weisen nochmals klar auf die Zielgruppe hin, die das Fondsmanagement im Blick hat.

Die Ausrichtung an den Bedürfnissen US-amerikanischer Einkommensinvestoren beziehungsweise Rentner wird zudem am hohen Dollaranteil ersichtlich. Für Investoren aus der Eurozone birgt dieser die ebenfalls schon mehrfach besprochenen Chancen und Risiken, die sich aus den Schwankungen des Wechselkurses ergeben. Hinzu gesellt sich ein Zinsänderungsrisiko. Denn gerade die Kurse von Anleihen reagieren sensibel auf eine Veränderung des Zinsniveaus: Steigen die Zinsen, fallen die Kurse und umgekehrt.

Zusammenfassung und Stammdaten

Wer möglichst breit die Anlageklasse der CEFs abdecken möchte, ist mit dem YieldShares High Income ETF gut bedient. Einzelwert- und Branchenrisiken werden durch die Streuung über dreißig CEFs, die selbst wiederum stark diversifiziert sind, weitgehend eliminiert. Für Einkommensinvestoren besonders interessant ist der strategische Ansatz, automatisiert die ausschüttungsstärksten Titel mit einem möglichst hohen Disagio zu kaufen und regelmäßig auszutauschen.

Eventuell mag der eine oder andere Einkommensinvestor den aktuellen Anleihenanteil von etwa 80 Prozent als zu hoch empfinden. In diesem Fall empfehle ich, den YieldShares High Income ETF mit einem aktienlastigen Hochdividendenwert zu kombinieren. Hier bietet sich beispielsweise der weltweit investierende und ebenfalls monatlich ausschüttende Global X SuperDividend ETF an. Mit den zwei ETFs im Depot lassen sich die beiden Anlageklassen Aktien und Anleihen gut und günstig gemäß den persönlichen Präferenzen steuern.

Sparpläne auf den YieldShares High Income ETF gibt es leider nicht. Anleger, die das Wertpapier besparen möchten, müssen dies von Hand tun. Äußerst preiswert geht das bei CapTrader (*) oder LYNX Broker (*). Handelbar ist der ETF an der NYSE Arca über das markante Börsenkürzel YYY.

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9 Antworten auf „Cashtest – YieldShares High Income ETF“

  1. Hallo Luis,

    ich finde es toll, dass Du die Fragen Deiner Leser aktiv aufgreifst und die Themen so ausführlich aufbereitest.

    _____________________________________
    Beste Grüße
    Alexander | GELDz.de

  2. Für Kurzentschlossene DiBa Kunden gibt es noch diesen Monat die Möglichkeit, das Konkurrenzprodukt, den Powershares Cef Income(PCEF) kostenfrei zu erwerben. PCEF ist mit 700 Mil. erheblich grösser und ab 2010 auf dem Markt. Ist mit 141 CEF’s sehr breit aufgestellt, kostet allerdings mit 2,07% auch mehr, als YYY und rentiert etwas weniger mit ca. 7,2%. Dafür ist er auch mit 36% Investmentgrade Bonds konservativer aufgestellt, als YYY . Die DiBa scheint kein Problem in MIFID II zu sehen. Bleibt zu hoffen, dass dies auch noch nach Auslaufen ihrer Nulltarif Aktion so bleibt.

      1. Würde ich begrüssen. Im übrigen finde ich Deine Vorgehensweise in den Cashtests erfreulich klar strukturiert. Einerseits die ausführliche, sachliche Analyse und zum Schluss die subjektiv geprägte Zusammenfassung, die noch Interpretationsspielraum lässt. Find ich gut und bitte mehr dieser Cashtests!

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