Geldanlage – Wie starte ich mit Hochdividendenwerten?

Strategien zum Portfolioaufbau

Das dritte Thema, welches neben Steuern und Depotbanken von den Lesern dieses Blogs immer wieder an mich herangetragen wurde, ist die konkrete Umsetzung einer Hochdividendenstrategie. Diesem praktischen Aspekt der Geldanlage habe ich in „Bargeld statt Buchgewinn“ – zusammen mit den beiden anderen Favoriten – aus Platzgründen lediglich ein Kapitel widmen können. Dabei umfasst das Thema Hochdividendenstrategien eine Fülle unterschiedlicher Aspekte, die sich gleichwohl kaum für jeden Anleger pauschal beantworten lassen. Aus diesem Grund eignet es sich hervorragend, um im Rahmen von Blogbeiträgen besprochen und diskutiert zu werden!

Zu Beginn erscheint es zweckmäßig, den Themenkomplex in die beiden grundlegend denkbaren Fälle zu unterscheiden, aus denen sich zwangsläufig unterschiedliche Handlungsstrategien ableiten:

  1. Portfolioaufbau
  2. Portfolioverwaltung

Einkommen und Vermögen

Starten möchte ich hier und heute mit dem Portfolioaufbau. Das heißt ich gehe im Folgenden von einem Anleger aus, der weder in Hochdividendenwerte investiert ist noch über nennenswertes Vermögen zum Umschichten in selbige verfügt. Sein Ziel ist es, eine „Gans, die goldene Eier legt“ zu züchten. Voraussetzung hierfür sind regelmäßige „Futtermittel“, also eine positive Differenz aus Haushaltseinnahmen und Haushaltsausgaben. Dieser Überschuss muss zudem systematisch erwirtschaftet und gespart werden (können).

Von dieser Sparsumme sollten zunächst eine Liquiditäts- und eine Notfallreserve gebildet sowie etwaige Konsumschulden getilgt werden. Außerdem empfiehlt es sich, die Liquiditätsreserve regelmäßig um die Abschreibungen auf die langlebigen Konsumgüter (Auto, Küche, Möbel, Waschmaschine etc.) im Haushalt aufzustocken. Hierfür empfiehlt es sich, die Sparrate auf zwei unterschiedliche Konten, ein Reserve- sowie ein Investitionskonto, aufzuteilen.

Bereits diese wenigen Grundlagen dürften dem einen oder anderen Anleger einige Umstellungen abverlangen. Letztendlich gilt es, den eigenen Haushalt buchhalterisch wie ein schlankes Unternehmen zu führen. Vor diesem Hintergrund sind meiner Ansicht nach auch eine persönliche Vermögensbilanz und haushaltsbezogene Einnahmeüberschussrechnung unabdingbar. Ein hervorragender und praxisorientierter Ratgeber zu diesem Thema (nicht jedoch zum investieren selbst) ist das an anderer Stelle bereits empfohlene Buch „Der Weg zur finanziellen Freiheit“ (*) von Bodo Schäfer, welches gebraucht aktuell für unter einem Euro (!) zu haben ist.

Risikotoleranz und Planungshorizont

Auf diesem haushalterischen Fundament kann dann der Portfolioaufbau erfolgen. Dazu muss jeder Anleger im ersten Schritt seine ganz persönliche Risikotragfähigkeit definieren. Im Wesentlichen gilt es dabei festzulegen, welcher Anteil des zu bildenden Vermögens risikoarme (zum Beispiel bonitätsstarke Staats- und Unteranleihen in heimischer Währung) beziehungsweise risikoreiche Anlageklassen (zum Beispiel Aktien) ausmachen sollen. Das Problem hierbei ist, dass beim Vermögensaufbau die Risikotragfähigkeit mangels Erfahrung naturgemäß eine abstrakte Größe ist, die zumindest bis zu den ersten deutlichen Verlusten meist überschätzt wird, zumal der letzte große Markteinbruch nun auch knapp zehn Jahre her ist. Leider kann diese Erfahrung durch kein noch so gründliches Literaturstudium ersetzt werden. Klar sollte zudem  sein, dass Hochdividendenwerte selbstverständlich zu den risikoreichen Anlageklassen zählen.

Zu guter Letzt müssen angehende Hochdividendeninvestoren festlegen, ob ihnen unmittelbare Ausschüttungen wichtig sind oder aber ob diese erst ab einem bestimmten Zieldatum, beispielsweise in zehn Jahren oder ab dem Ruhestand, regelmäßig zufließen sollen. Dies ist insofern von Bedeutung, als dass im zweiten Fall das Spektrum möglicher Wertpapieranlagen viel größer ist, da im Ansparprozess nicht zwingend in Hochdividendenwerte investiert werden muss. Für diesen Fall bietet fast jeder (Online-)Broker eine Vielzahl kostengünstiger Sparpläne an, über die automatisiert in Aktienfonds beziehungsweise entsprechende Exchange Traded Funds (ETFs) investiert werden kann.

Diese lassen sich bei hinreichend langem Planungshorizont zudem so gestalten, dass in der Ansparphase keinerlei Steuern anfallen. Preislich attraktive Angebote finden sich bei spezialisierten und transparent operierenden Fintechs, nicht bei klassischen Banken und Versicherungen. Je nach Vertrag können Sparleistung und Zinseszinseffekt durch diverse Zulagen erhöht werden. Bei Interesse werde ich das Thema gerne in einem gesonderten Blogbeitrag vertiefen.

Streuung und Wertpapiere

Auf der anderen Seite entfalten selbst kleine laufende Erträge eine nicht zu unterschätzende Wirkung auf Einkommensinvestoren: Einerseits disziplinieren sie den Anleger und reduzieren den Anreiz, die „Gans“ zu schlachten. Andererseits liefern die Ausschüttungen eine ständige Rückmeldung zur Summe des tatsächlichen passiven Einkommens. Zumindest bis zur Höhe des Sparer-Pauschbetrags werden die Ausschüttungen mit Ausnahme eines etwaigen Quellensteuerabzuges auch nicht weiter mit Abgaben belastet.

Wer für diese zweite Option votiert muss dann allerdings ein wenig mehr Aufwand betreiben als Anhänger der ersten Option. Egal ob Portfolioaufbau oder -verwaltung: Gerade für Einkommensinvestoren empfiehlt es sich, ihre Ertragsquellen möglichst breit zu streuen. Warum das so ist und welche Kategorien an Hochdividenden weltweit dafür zur Verfügung stehen habe ich ausführlich in „Bargeld statt Buchgewinn“ dargelegt.

Mittlerweile ist es über börsennotierte Fonds respektive ETFs auch möglich, einen Großteil dieses Spektrums über ein einziges Wertpapier abzubilden – Beispiele folgen weiter unten. Gerade diese Wertpapiere bieten sich für Neuinvestoren zum Start an. Sie stellen eine breite Streuung zu relativ niedrige Kosten sicher, gewähren eine hohe Ausschüttungsrendite und übernehmen die Aufteilung und Verwaltung der Investorengelder.

Broker und Sparpläne

Wem unmittelbare Ausschüttungen wichtig sind, sieht sich zudem mit zwei weiteren Herausforderungen konfrontiert. Zum einen benötigen Einkommensinvestoren ein Depot bei einem für den Handel mit Hochdividendenwerte geeigneten Broker. Diese Frage habe ich ausführlich in dem Blogbeitrag „Depotbanken für Einkommensinvestoren“ nebst einem ergänzenden Nachtrag beantwortet. Gerade für Einsteiger, die häufiger relativ kleine Order erteilen (müssen), bieten sich LYNX Broker (*) sowie aufgrund des guten Service vor allem CapTrader (*) an, die beide auf dieselbe Handels- und Verwaltungsplattform von Interactive Brokers zurückgreifen:

LYNX

CapTrader

Zum anderen ist mir kein Broker bekannt, der zum Portfolioaufbau geeignete, also möglichst breit in viele Hochdividendenkategorien investierende Sammelanlagen als Sparplan anbietet. Sollte einem Leser Gegenteiliges bekannt sein, würde ich mich über eine Rückmeldung freuen. Bis dato können geeignete Wertpapiere nur als Einmalanlage erworben werden. Dies ist mit typischen Sparraten aufgrund der anfallenden Mindestspesen und -gebühren absolut unwirtschaftlich und daher keinesfalls zu empfehlen.

Bei den meisten mir bekannten Brokern lohnt sich eine solche Investition erst ab etwa 3.000 Euro, bei LYNX Broker und CapTrader erfreulicherweise ab etwa 500 Euro. Ganz allgemein sollte bezüglich der Kostenquote darauf geachtet werden, dass diese maximal ein Prozent des Handelsvolumens beträgt; eine Order über 1.000 Euro sollte also in Summe mit nicht mehr als 10 Euro zu Buche schlagen.

Sparvarianten und Investitionen

Egal wie hoch die wirtschaftlich vertretbare Mindestorder nun ist, angehenden Einkommensinvestoren bleibt nichts anderes übrig, als diesen Betrag anzusparen, bevor er investiert werden kann. Auch hierfür stehen mindestens zwei Optionen zur Verfügung. Die Sparraten können einerseits ganz klassisch auf ein separates Spar- beziehungsweise Depotkonto überwiesen werden. Sobald der Kontostand den erforderlichen Schwellenwert überschreitet, wird eine Kauforder erteilt. Hierbei steigern etwaige Dividendenzahlungen ab der ersten Investition die Liquidität. Der große Nachteil dieser Variante ist, dass das angesparte Geld gegebenenfalls über einen längeren Zeitraum unverzinst brach liegt.

Wem das klassische Ansparen zu ertragsschwach ist, kann daher andererseits für die riskantere Option via P2P-Kredite votieren. Hierbei wird die Sparrate sowie gegebenenfalls zufließende Dividenden auf das zuvor bei einer P2P-Plattform eröffnete Investorenkonto überwiesen und idealerweise per Autopilot in Privatkredite mit kurzer Laufzeit investiert. Auch hier gilt: Ist eine ausreichend hohe Summe vorhanden, wird in Wertpapiere umgeschichtet. Der Vorteil: Investitionen in P2P-Kredite sind gebührenfrei in der Regel bereits ab zehn Euro möglich und rentieren in etwa auf dem Niveau von Hochdividendenwerten. Zum Thema P2P-Kredite existieren bereits einige einführende Blogbeiträge. Aus meiner Sicht geeignete Anbieter habe ich im Empfehlungsbereich gelistet. Wenn ich mich für eine Plattform zum Ansparen entscheiden müsste, würde ich Mintos (*) den Vorzug geben:

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Und welche Wertpapiere bieten sich nun zum Portfolioaufbau an? An dieser Stelle möchte ich zwei kostengünstige ETF vorstellen, die sich hierfür aus meiner Sicht besonders eignen. Weitere Vorschläge sind natürlich immer willkommen!

  • Arrow Dow Jones Global Yield ETF: Der ETF verwaltet ein Portfolio aus 150 Wertpapieren, die zu je gleichen Anteilen auf die fünf Kategorien globale Aktien, Real Estate Investment Trusts (REITs), alternative Investments wie beispielsweise Business Development Companies (BDCs) und Master Limited Partnerships (MLPs), Unternehmensanleihen und Staatsanleihen verteilt sind. Er ist unter dem Kürzel GYLD an der NYSE Arca handelbar.
  • Global X SuperDividend ETF: Der ETF investiert in ein weltweit diversifiziertes Portfolio aus 100 Dividendenaktien. Darunter befinden sich zahlreiche Hochdividendenwerte (aktuell vor allem REITs). Das Wertpapier ist ebenfalls an der NYSE Arca notiert und unter dem Kürzel SDIV handelbar.

Die Dividendenrendite der beiden monatlich ausschüttenden ETFs lag zuletzt bei etwa sieben beziehungsweise acht Prozent pro Jahr. Der in meinem Buch „Bargeld statt Buchgewinn“ ebenfalls zum Einstieg empfohlene Guggenheim Multi-Asset Income Fund eignet sich inhaltlich zwar ebenfalls nach wie vor, allerdings ist die jährliche Dividendenrendite zwischenzeitig auf unter fünf Prozent gefallen. Sie wurde zuletzt nicht mehr an den gestiegenen Kurs angepasst.

Fazit und Ausblick

Bereits diese kurze Einführung zum Portfolioaufbau im Rahmen der Umsetzung einer Hochdividendenstrategie belegt den möglichen Umfang des Themas. Sofern gewünscht bin ich gerne bereit, in Zukunft weitere Aspekte hierzu aufzugreifen und zu besprechen. Schreiben Sie mir hierzu einfach Ihre Vorschläge – mit oder ohne E-Mail-Kontakt!

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9 Antworten auf „Geldanlage – Wie starte ich mit Hochdividendenwerten?“

    1. Hallo Lars,
      P2P-Kredite bieten sich meiner Meinung nach als interessanter Puffer für zwei Situationen an:
      1. Zum Ansparen (wie im Beitrag beschrieben)
      2. Zum „Parken“
      Letzteres kommt dann in Betracht, wenn die Börsen – wie aktuell – Höchststände markieren. Einkommensinvestoren, denen eine Wiederanlage der Dividenden zu „heiß“ erscheint, aber dennoch nicht auf eine hohe Verzinsung verzichten möchten, können auf P2P-Kredite ausweichen. Diese Mittel lassen sich dann in einem Crashszenario wieder in Hochdividendenwerte reinvestieren. In Summe bleibt das natürlich eine risikobehaftete Strategie.

      Beste Grüße
      Luis

  1. Hallo Luis,

    vielen Dank für Deine zahlreichen hilfreichen Veröffentlichungen zum Thema Hochdividendenwerte. Seit wenigen Jahren suche ich ausschüttungsstarke Papiere, v.a. ETFs. Einen Aspekt dieser Anlage schätze ich besonders, nämlich den motivierenden Aspekt regelmäßiger, besonders monatlicher Ausschüttungen.
    Gerne möchte ich auch einen kritischen Aspekt diskutieren, nämlich den Kursverlauf der zugrunde liegenden Papiere. Der Anleger sollte nicht erwarten, eine 7 %-ige Ausschüttung zu erhalten und zusätzlich eine dauerhafte Wertsteigerung der Papiere. Das gibt der Markt nicht her.
    Im Gegenteil beobachte ich teils erhebliche Wertschwankungen bzw. -verluste der Werte. Werte, die sich mit dem Energiesektor beschäftigen, v.a. BDCs und MLPs haben seit 2015 mit fallenden Ölpreisen teils erheblich an Wert verloren, US-Papiere verlieren seit Anfang 2017 weiter an Wert durch den steigenden Euro. Zuvor gekaufte Papiere schütten also für den Euro-Anleger weniger aus.
    Wesentlich „ruhiger“, weniger volatil verhalten sich klassische Dividen-ETFs, die natürlich auch weniger ausschütten (2-3 % Ausschüttungsrendite).
    Ich versuche mich also zu bremsen und nicht zu viele risikoreiche Werte in mein Depot einzukaufen.
    Abschließend habe ich noch eine Frage zur zukünftigen Bewertung: Nehmen wir an, der Ölpreis hat jetzt einen Boden gefunden oder steigt sogar, der Euro legt nicht noch weiter exorbitant zu – Wäre dann nicht der Einstiegszeitpunkt in US-Hochdividendenwerte jetzt sinnvoll? Viele der o.g. energielastigen BDCs/MLPs sind derzeit vergleichsweise „günstig“. Bsp. Arrow Dow Jones Global Yield: 2014 in der Spitze bei ca. 21 € notierend, jetzt bei 15,50 €. Jetzt einsammeln? Was meint Ihr?

    1. Hallo DocDirk,
      zunächst einmal vielen Dank für die Blumen. Und ja, Du hast natürlich recht. Das Kurspotenzial von Hochdividendenwerten ist beschränkt. Bestenfalls bei Instrumenten, die von der Körperschaftssteuer befreit sind, können Anleger einen Schnaps mehr Rendite erhoffen.
      Allerdings gilt hier wie bei allen anderen Aktien auch, dass die Bewertung vom jeweiligen Geschäftsmodell abhängt. Ölwerte gehen nun mal (überproportional) in die Knie, wenn der entsprechende Rohstoffpreis fällt. Ein anderes Negativbeispiel sind Schifffahrtsaktien, die in den letzten Jahren regelrecht abgestüzt sind. Ferner eröffnen Währungseffekte Chance wie Risiken.
      Diese kurzen Beispiele zeigen, wie wichtig es ist, in ein breit gestreutes Weltportfoio aus Hochdividendenwerten zu investieren. Denn natürlich gibt es auch den umgekehrten Fall (moderat) steigender Kurse bei gleichzeitig hohen Dividendenrenditen. Und wer aktuell die Risiken scheut, kann ja auf P2P- Kredite ausweichen (siehe oben).

      Beste Grüße
      Luis

  2. Hallo Luis,

    Vielen Dank für das Buch und die wertvollen Informationen.
    Ich würde gerne anfangen und mir ein kleines passives Einkommen mit Dividenden aufbauen.
    Tatsächlich fällt es mir schwer, den richtigen Einstieg zu finden.
    Mit Mifid 2 hat dieser Artikel etwas am Relevanz verloren, da die ETFs in Deutschland nicht mehr handelbar sind.
    Wäre ein Artikel „Starten mit Hochdividendenwerten nach MIFID2“ nicht eine tolle Erweiterung dieses Artikels?
    Wenn ich heute X Euro habe, in Deutschland lebe und „einfach mal anfangen“ möchte., wie wäre der einfachste Einstieg?

    1. Hallo Martin,
      vielen Dank für Deinen Hinweis. Du hast natürlich Recht, der Beitrag gilt für die Zeit vor MiFID II, die gelisteten ETFs dürften mittlerweile nur noch bestimmten Investoren zugänglich sein. Ich werde mich des Themas annehmen und in den nächsten Wochen eine Alternative als Antwort auf Deine Frage vorstellen!

      Beste Grüße
      Luis

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