Nachtrag – Yield On Cost

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Mit Indizes zu zweistelligen Dividendenrenditen?

Anfang dieses Jahres habe ich an dieser Stelle die Kennzahl Yield On Cost (YOC) erläutert und anhand einer persönlichen Erfahrung veranschaulicht. Zur Erinnerung: Die YOC spiegelt die Ausschüttungsrendite bezogen auf den Einstandskurs eines Wertpapiers wider. Selbst Standardaktien mit niedrigen Dividendenrenditen verwandeln sich so über die Zeit zu Hochertragsanlagen, sofern die jeweiligen Unternehmen die Gewinne und Ausschüttungen steigern können.

Beispiel Bayer AG: Im August 1994 erwarb ich die Aktie des Chemiekonzerns zu etwa 18,60 Euro. Es war meine allererste Börsenorder überhaupt. Die Ausschüttung in jenem Jahr betrug 0,56 Euro, die Dividendenrendite 3,0 Prozent. Ende 2017 stand der Kurs bei 107,50 Euro, als Dividenden wurden im letzten Jahr 2,70 Euro ausgeschüttet, womit die Dividendenrendite bei recht stabilen 2,5 Prozent stand. Die YOC jedoch hätte 13,4 Prozent betragen (2,70 Euro Dividende geteilt durch den Einstandskurs von 18,60 Euro), wenn, ja wenn ich nicht irgendwann Ende der 1990er Jahre wieder verkauft hätte – Kursgewinn vergeht, Dividende besteht.

Aber: Der Kauf der Bayer AG war dem puren Zufall geschuldet. Für den positiven Bezug zum Wertpapier sorgte eine geliebte Cousine meiner Mutter, die seinerzeit in der Leverkusener Unternehmenszentrale arbeitete. Ihr verdanke ich übrigens auch meine ungebrochene Treue zu „Werkself“ und eine damit verbundene, äußerst wechselhafte emotionale Rendite. Wäre sie bei der Deutschen Bank oder Karstadt angestellt gewesen, hätte ich Stand heute ein dickes Minus beziehungsweise einen Totalverlust erlitten. Vor diesem Hintergrund stellt sich die berechtigte Frage, ob mit einem Aktienindex klappt, was mit der Bayer AG funktioniert hätte?

Der YOC-Effekt beim DAX

Betrachten wir hierzu zunächst das wichtigste deutsche Börsenbarometer, den DAX. Dieser reflektiert die Werteentwicklung der 30 größten deutschen Aktiengesellschaften. Der DAX ist ein Performanceindex, der sämtliche Dividendenzahlungen berücksichtigt und rechnerisch reinvestiert. Sowohl Bayer als auch die Deutsche Bank und Karstadt waren übrigens 1994 im DAX enthalten. Zum Zeitpunkt meines ersten Aktienkaufs stand der Leitindex bei 2.212 Punkten, Mitte Dezember notierte er bei 13.184 Punkten. Wie hoch war die auf den Index bezogene Ausschüttungsrendite im Jahr 2017?

Um diese zu berechnen greife ich auf einen Exchange Traded Fund (ETF) von db x-trackers zurück, ein Unternehmen der Deutschen Bank und zweitgrößter ETF-Anbieter in Europa. Der db x-trackers DAX UCITS ETF (DR) Income bildet den DAX physisch und vollständig nach, hält also ständig die Originaltitel in der jeweils aktuellen Zusammensetzung. Alle Dividendenzahlungen werden regelmäßig an die Anleger ausgeschüttet. Im Jahr 2017 waren dies 2,46 Euro, der Kurs des ETF notierte Mitte Dezember bei 115,40 Euro. Das entsprach einer Dividendenrendite von 2,13 Prozent. Zwischen August 1994 und Dezember 2017 stieg der DAX um knapp 496 Prozent.

Rechnen wir diesen Anstieg bezogen auf obigen Kurs des ETF zurück, so hätte dieser im August 1994 bei 19,36 Euro gestanden, sofern die Ausschüttungen immer sofort wiederangelegt worden wären. Demnach würde die YOC im Jahr 2017 also satte 12,7 Prozent betragen! Diese errechnet sich aus der Dividende in Höhe von 2,46 Euro bezogen auf den Einstandskurs von 19,36 Euro. Geschmälert worden wäre der Wert durch die Kosten des ETF und der Transaktionen allerdings um einige Zehntelprozentpunkte. Bezogen auf die entsprechenden Kosten der letzten fünf Jahre, so lange gibt es den ETF, läge die YOC aber immer noch oberhalb von 12 Prozent. Ursächlich hierfür ist die Gewinnentwicklung, aus der allein Dividendenzahlungen geleistet werden können. Sie stieg im betrachteten Zeitraum etwa um den Faktor zehn:

Der YOC-Effekt bei einem Weltindex

Nun ist der DAX ein landesspezifischer Index, der den Anforderungen eines auf breite Streuung bedachten Investors nicht genügt. Aus dem Grund habe ich dieselbe Analyse auch anhand eines internationalen Börsenbarometers durchgeführt. Hierfür habe ich den MSCI World herangezogen, der die Entwicklung von über 1.600 Aktien aus 23 Industrieländern widerspiegelt. Hinweis: Der Index wird sowohl als Perfomance- als auch als Kursindex berechnet und veröffentlicht. Bei einem Kursindex werden sämtliche Ausschüttungen nicht weiter berücksichtigt. Rechnerisch verbleiben diese also beim Anleger und werden nicht reinvestiert, was einen Kursindex über die Zeit deutlich „billiger“ macht und die Bedeutung von Dividenden für das Anlageergebnis hervorhebt.

Zwischen Juni 1994 (für August habe ich leider keinen Indexstand gefunden) und Dezember 2017 stieg der MSCI World Performanceindex um 372 Prozent. Abgebildet wird der Index analog zu obigem Beispiel unter anderem vom iShares MSCI World UCITS ETF. Wie alle Produkte der iShares-Familie wird er von der weltgrößten unabhängigen Vermögensverwaltung BlackRock aufgelegt und betrieben. Mitte Dezember 2017 betrug der Kurs des ETF 44,42 US-Dollar. Die Ausschüttungen der letzten zwölf Monate summieren sich auf 0,70 US-Dollar und ergeben eine Dividendenrendite von 1,58 Prozent.

Der vergleichsweise bescheidene Wert dürfte vor allem dem relativ hohen Anteil von Technologiewerten geschuldet sein, die traditionell sehr niedrige oder keine Ausschüttungen vornehmen. Auf Anfang Juni 1994 zurückgerechnet hätte der Kurs demnach 9,41 US-Dollar betragen. Die YOC beliefe sich somit auf immer noch respektable 7,4 Prozent beziehungsweise knapp unter 7,0 Prozent nach hypothetischen Kosten. Hypothetisch sind diese wie schon im ersten Beispiel deshalb, da im Jahr 1994 kostengünstige ETFs de facto unbekannt beziehungsweise nicht zu handeln waren.

Der YOC-Effekt bei einem Dividendenindex

Eventuell mag der eine oder andere Anleger vom MSCI Word im Vergleich zum DAX enttäuscht sein. Daher möchte ich zu guter Letzt untersuchen, wie die Zahlen aussehen würden, wenn in einen weltweit anlegenden Dividendenindex investiert worden wäre. Das ist allerdings nicht ganz so einfach wie bisher, da gängige Dividendenindizes erst in jüngerer Zeit aufgelegt wurden. Mit dem MSCI ACWI High Dividend Yield Index existiert zwar ein solcher Index, der bis Mitte 1994 zurückreicht. Dieser umfasst 436 ausschüttungsstarke Aktien (ohne „spezielle“ Wertpapiere wie beispielsweise REITs) aus 23 Industrie- und 24 Schwellenländern. Neben der Dividendenrendite spielen auch qualitative Kriterien wie etwa die Konstanz der Ausschüttungen eine Rolle, um Sondereffekte auszuschließen. Der ACWI High Dividend Yield Index ist ein Subindex des MSCI All Country World Index, ein sprichwörtlicher Weltindex, der sich aus knapp 2.500 Titel zusammensetzt. Allerdings scheint es aktuell keinen ETF oder Fonds zu geben, der diesen Index abbildet.

Es gibt allerdings einen FTSE All-World High Dividend Yield UCITS ETF des Anbieters Vanguard, dem zweitgrößten unabhängigen Vermögensverwalter der Welt. Der hier zugrunde liegende FTSE All-World High Dividend Yield Index ist dem von MSCI sehr ähnlich, dafür reicht seine Historie allerdings nur wenige Jahre zurück. Aus dem Grund werde ich für die Berechnung die Entwicklung des MSCI-Index mit der des FTSE-ETFs koppeln.

Schauen wir uns zunächst den (Performance-)Index von MSCI an. Dieser stieg in den gut 23 Jahren von Mitte 1994 bis Ende 2017 um 822 Prozent. Der FTSE-ETF steht Mitte Dezember 2017 bei 49,10 Euro und hat über das Jahr 1,52 Euro ausgeschüttet. Die Dividendenrendite beträgt demnach 3,1 Prozent. Rechnen wir die Kursentwicklung auf die Mitte des Jahres 1994 anhand der Entwicklung des MSCI High Dividend Yield Index zurück, errechnet sich ein Kurs von 5,33 Euro und für 2017 eine YOC von 28,5 Prozent. Selbst nach Berücksichtigung der Kosten und etwaigen methodisch bedingten Ungenauigkeiten sollte die YOC immer noch deutlich oberhalb von 20,0 Prozent notieren! Das wiederum dürfte vor allem dem Anteil an Aktien aus Schwellenländern geschuldet sein. Diese weisen ein deutlich höheres Risiko als Papiere aus Industrieländern auf, welches jedoch mit entsprechenden Renditen kompensiert wurde:

Ein Fazit und eine Korrektur

Ob DAX, Welt- oder Dividendenindex, der YOC-Effekt lässt sich zumindest in den drei hier untersuchten Fällen nachweisen. Er hat Indizes mit mehr oder weniger bescheidenen Ausschüttungen über die Zeit in Hochdividendenportfolios transformiert – ganz ohne Einzelwertrisiko. Diese Aussage ist natürlich weder statistisch signifikant noch in die Zukunft projizierbar. Über die nächsten 23 Jahre kann sich der Effekt stärker oder schwächer auswirken. Gleichwohl gibt es gute Gründe, dass der im 17. Jahrhundert begonnene säkulare Bullenmarkt mindestens noch ein weiteres Vierteljahrhundert anhält. Wer also genügend Zeit hat, kann sich auch über den YOC-Effekt eine aufgeschobene Hochdividendenrente schaffen.

Mit der Kapitalertragssteuer bleibt aber noch ein unberücksichtigter Faktor, der erheblich auf die Rendite drückt. Mit mindestens 25 Prozent auf die Erträge sowie der Mindestbeteuerung auf einbehaltene Gewinne sind Anleger seit Januar 2018 in der Regel dabei. Die Steuerabzüge erweisen sich zweifellos als massiver Bremsklotz am Renditewagen der YOC. Glücklicherweise existiert heute mit speziellen Versicherungsmänteln eine flexible und preiswerte Lösung, die sich bei langfristig orientierten Anlegern durchweg lohnen dürfte.

Diese Mäntel funktionieren im Prinzip so wie derjenige, den das Fintech fairr.de über seine Riesterrente auf Basis von ETFs gelegt hat. Ich werde entsprechende Angebote sondieren und gegebenenfalls selbst ausprobieren – ein zweites Mal kann ich es mir in diesem Leben noch leisten auf Zeit zu spielen.

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6 Antworten auf „Nachtrag – Yield On Cost“

  1. Hallo Luis,
    erstmal vielen Dank für den interessanten Artikel!
    Söllte der Beitrag zurückzuführen sein auf mein Kommentar im Artikel zu „Faktencheck – Wie sicher ist mein Depot?“ ?
    -„Wenn wir schon dabei sind: Welche Themen würden Dich (und andere) denn besonders interessieren?“
    -„YieldCos !“
    So bitte ich um Verzeihung, da es sich hier dann um ein Missverständnis gehandelt haben könnte. Mit „YieldCos !“ meinte ich: Zitat Wikipedia „In den USA sind YieldCos insbesondere in der Branche der erneuerbaren Energien bekannt, aber nicht darauf beschränkt. Die Firmen, an denen sich Anleger in Form von Aktien beteiligen können, betreiben zum Beispiel Solarparks…. Windparks….“
    Nichtsdestotrotz ein interessanter Beitrag und vielen Dank dafür!

    beste Grüße Hans-Jürgen

    1. Hallo Hans-Jürgen,
      keine Sorge, da gab es kein Mißveständnis. Es war purer Zufall, dass auf den Wunsch, das Thema „YieldCos“ zu besprechen ein Beitrag zum Thema „Yield On Cost“ gefolgt ist. Den hatte ich tatsächlich schon länger geplant. Die „YieldCos“ habe ich in den Redaktionsplan aufgenommen und werde zu gegebener Zeit ein interessantes Papier besprechen, das ich selbst schon lange halte!

      Schönes Wochenende
      Luis

  2. Zu diesem Blogbeitrag habe ich eine Zuschrift via Kommentarfeld erhalten. Leider war die Nachricht anonym, so dass ich gerne an dieser Stelle antworten möchte.

    Zunächst zum Inhalt der Mitteilung: „Die Berechnungen zum Vergleich zwischen Dax ETF und Bayer sind für mich nicht nachvollziehbar. Bei Bayer wird keine Re-Investition der Dividende berücksichtigt, beim Dax ETF wird diese allerdings voll berücksichtigt. Wie kann dies seriös erklärt werden?“

    Meine Antwort: Es stimmt, die Berechnungsmethodik weicht ab. Allerdings habe ich diese jeweils detailliert erklärt, so dass sie für jedermann nachvollziehbar sein sollte. Ich möchte zudem betonen, dass ich keinen direkten Vergleich zwischen Bayer und dem DAX-ETF angestellt habe. Mir ging es lediglich darum, den YOC-Effekt darzustellen, zunächst anhand von Bayer, dann unter anderem anhand des DAX-ETFs.

    In beiden Fällen musste ich eine Vielzahl von zum Teil künstlichen Annahmen treffen. So war es den typischen Privatanleger wie mir in den 1990er Jahren gar nicht möglich, die Dividende zu reinvestieren. Bei Fonds und später ETFs wiederum war es die Regel. Viele andere Aspekte blieben auch unberücksichtigt, so etwa das Thema Steuern. In den betrachteten Zeitraum fielen allein drei größere Änderungen der Besteuerung von Kapitaleinkünften. Auch wurden Gebühren nicht hinreichend betrachtet, insbesondere angesichts der Tatsache, dass kostengünstige ETFs erst seit wenigen Jahren existieren.

    Ich hoffe, die Erkärung ist „seriös“ genug. Wie gesagt, es ging in den beiden Artikeln nicht um eine feingranulare forensische Kapitalmarktanalyse, sondern eine praxisorientierte Darlegung des Faktors Zeit als Renditehebel.

    Beste Grüße
    Luis Pazos

  3. Hallo Luis,

    Vielen Dank für den interessanten Artikel.

    Ein „langweiliges“ und klassisches ETF-Weltportfolio kann sich also zu einer Hochdividendenanlage entwickeln. Sofern mit einer größeren Einmalanlage investiert wurde.

    Kannst du zu den angesprochen Versicherungsmänteln mehr berichten, gibt es dazu eventuell bereits einen Beitrag?

    Gruß

    1. Hallo,
      einen Beitrag dazu gibt es noch nicht. Der ist zwar in Vorbereitung, allerdings wird es noch ein wenig dauern (der Redaktionsplan ist recht voll). Im Grunde genommen ist es hierbei das Ziel, einen Anbieter zu finden, der eine günstige Versicherungslösung im Nettotarif mit einem oder mehreren Hochdividenden-ETFs anbietet. Der Nettotarif und die ETFs sind hierbei aus Kostengründen klar zu bevorzugen. Nach einer ersten Analyse der Produktpaletter diverser Anbieter könnte die myLife ein entsprechendes Angebot in petto haben – bei denen könnte ich sogar persönlich vorbeischauen (die sitzen gewissermaßen bei mir um die Ecke).

      Beste Grüße
      Luis

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