Cashtest – UBS ETRACS Leverage Strategy ETNs

Einstieg und Überblick

Knapp 20 Prozent Dividendenrendite pro Jahr, monatliche Ausschüttungen und jederzeitige Handelbarkeit? Das ist tatsächlich möglich, sofern (Einkommens-)Investoren bereit sind, eine gehörige Portion Risiko einzugehen. Im konkreten Fall bedeutet dies die Hebelung der eigenen Investition mit der gleichen Menge an zinsgünstigem Fremdkapital und der Anlage des Gesamtbetrages in Hochdividendenwerten. Das hört sich komplizierter an als es ist, denn die Schweizer Großbank UBS beziehungsweise ihr US-amerikanischer Ableger hat dieses Konzept in eine ganze Serie von Exchange Traded Notes (ETNs) überführt. Ein Teil der Serie arbeitet mit einer „Leverage Strategy“, konkret einem zweifachen Hebel, der dann sehr hohe Ausschüttungsrenditen erlaubt. Sämtliche ETNs werden an der Aktien- und Optionsbörse NYSE Arca, eine Tochter der New York Stock Exchange (NYSE), gehandelt.

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Logo der systemisch bedeutsamen UBS, Bildquelle: Seite des Unternehmens

Historie und Angebot

ETNs sind eine sehr junge Wertpapiergattung, die – wie so oft – der Steuergesetzgebung ihre Existenz zu verdanken haben. Die erste ETN wurden im Jahr 2006 in den USA emittiert, drei Jahre später folgte die erste Notiz eines entsprechenden Papiers in Europa. Was zeichnet die Wertpapiergattung nun aus? ETNs sind börsennotierte (Bank-)Schuldverschreibungen, die am ehesten mit Zertifikaten verglichen werden können. Der Kurs einer ETN entwickelt sich dabei (annähernd) identisch wie der Preis des jeweils zugrundeliegenden Basiswerts. Als Basiswert können ein Index, ein Korb unterschiedlichster Wertpapiere, Währungen oder auch Rohstoffe sein. Handelt es sich beim Basiswert um einen oder mehrere Rohstoffe wird die Schuldverschreibung als Exchange Traded Commodity (ETC) bezeichnet.

Die Ausgabe von ETNs kann gedeckt oder ungedeckt erfolgen. Ferner haben die Papiere in aller Regel eine (Höchst-)Laufzeit, die je nach Emission schwanken kann. Ungedeckte ETNs werden direkt, also „aus der Bilanz“ begeben. Das bedeutet, dass die Emittentin den Basiswert, zum Beispiel einen Korb verschiedener Aktien, selbst nicht besitzt, gleichwohl die Werteentwicklung garantiert. Im Gegensatz dazu wird bei gedeckten ETNs der Basiswerts oder andere Sicherheiten hinterlegt. Allerdings – und das ist der ganz wesentliche Unterschied zu Investmentfonds und Exchange Traded Funds (ETFs) – handelt es sich hierbei nicht um so genanntes Sondervermögen. Sondervermögen ist rechtlich immer von der Emittentin getrennte und anteilsmäßig im Eigentum des Anlegers, fällt daher auch niemals im Fall ihrer Pleite in die Insolvenzmasse. Die für ETNs hinterlegten Sicherheiten, deren Art und Höhe die Emittentin bestimmt, verbleiben hingegen stets in ihrem Eigentum.

Letztlich erwirbt der Käufer einer ETN immer eine Forderung gegenüber der emittierenden Bank, analog zu einer Festgeld- oder Sparanlage. Der Unterschied besteht lediglich in der Rückzahlung bei Fälligkeit: Im Fall des Festgeldes oder der Sparanlage erhält der Bankkunde die Einlage zuzüglich Zinsen ausgezahlt, im Fall der ETN den entsprechenden Preis des vereinbarten Basiswerts. Zwischen Emission und Fälligkeit sind ETNs frei handelbar, wobei grundsätzlich die emittierenden Bank sowie weitere Partner die notwendige Liquidität jederzeit sicherstellen.

Die US-amerikanisch UBS-Tochter betreibt unter dem Markennamen ETRACS seit vielen Jahren das Geschäft mit ETNs. Aktuell sind insgesamt 38 Papiere des nach wie vor weltgrößten Vermögensverwalters für Privatkunden notiert. Als Basiswerte werden die Assetklassen Aktien und Rohstoffe angeboten, hierunter beispielsweise der S&P 500 und der Rohölpreis. Fast die Hälfte der ETNs sind gehebelt, der Rest sogenannte Delta-1-Produkte, die ohne Fremdkapital ausgestattet werden. Mit den meisten Papiere können Anleger auf steigende, mit einigen wenigen jedoch auch auf fallende Kurse setzen (hierbei wird der Index invers abgebildet).

Interessanterweise beziehen sich eine Vielzahl von ETNs auf Hochdividendenwerte wie etwa Business Development Companies (BDCs), Master Limited Partnerships (MLPs) und Real Estate Investment Trusts (REITs), die in „Bargeld statt Buchgewinn“ ausführlich beschrieben werden. Im hiesigen Zusammenhand interessant ist die Verknüpfung von Hochdividendenwerten und Fremdkapitalhebel.

Funktionsweise und Besteuerung

Wie funktioniert diese Verknüpfung? Das möchte ich anhand der ETRACS Monthly Pay 2xLeveraged Mortgage REIT ETN demonstrieren, die aktuell eine Dividendenrendite von 19,49 Prozent pro Jahr ausweist. Es handelt sich um eine unbesicherte ETN, die den MVIS Global Mortgage REITs Price Return Index mit einem Hebel von zwei abbildet.

Der Index setzt sich aktuell aus 25 REITs mit einer Marktkapitalisierung von über 200 Millionen US-Dollar zusammen, deren Einkünfte zu mindestens 50 Prozent aus Hypothekendarlehen stammen. Zum den Unterschieden zwischen REITs und Mortgage REITs verweise ich an dieser Stelle auf Kapitel 7 von „Bargeld statt Buchgewinn“.

Die Emission erfolgte zu 25,00 US-Dollar je Anteil im Oktober 2012, die Laufzeit der ETN beträgt 30 Jahre. Um den Hebel zu erzielen wurden zusätzlich zu den 25,00 US-Dollar Eigenkapital weitere 25,00 US-Dollar Fremdkapital in die Berechnung einbezogen. Diese in Summe 50,00 US-Dollar wurden dann in den Basiswert, also obigen Index investiert. Diese rechnerische Kreditaufnahme bewirkt zweierlei: Steigt der Wert des Index, steigt der Preis der ETN um den Faktor zwei und umgekehrt. Zum zweiten erhält der Anleger durch den Hebel auf seine Investition auch doppelt so hohe Ausschüttungen. Dabei werden die Dividenden der im Index enthaltenen Mortgage REITs monatlich abzüglich der kalkulatorischen Zinskosten ausgeschüttet.

Da eine ETN eine Bankschuldverschreibung ist handelt es sich bei den Ausschüttungen um Zinseinkünfte. Diese stellen ebenso wie etwaige Kursgewinne Einkünfte aus Kapitalvermögen dar. Sofern der individuelle Freistellungsauftrag ausgeschöpft wurde greift bei in Deutschland veranlagten Investoren die Abgeltungssteuer. Gegebenenfalls eingebehaltene Quellensteuern sind gemäß dem Doppelbesteuerungseinkommen (DBA) zwischen den USA und Deutschland bis 15 Prozent anrechenbar.

Chancen und Risiken

Zugegeben, die Ausschüttungsrendite ist (nicht nur) für Einkommensinvestoren sehr verführerisch. Das gilt nicht nur für die im letzten Abschnitt vorgestellte ETN sondern einige andere gehebelte UBS-Papiere mit Jahresrenditen jenseits der 15 Prozent. Nach fünf bis sechs Jahren könnten Anleger ihre Investition vor Steuern also theoretisch wieder raus haben.

Da der Emittent die Werteentwicklung selbst garantiert fallen zudem keine weiteren Kosten an wie beispielsweise Ordergebühren an, das heißt nach Emission haben ETNs fast keinen Tracking Error, also eine Abweichung zwischen der Werteentwicklung des Index und dem Preis der jeweiligen ETN. Lediglich die minimale Verwaltungsgebühr schlägt hier zu Buche. Sie beträgt bei den hier vorgestellten Papieren zwischen 0,40 und 0,85 Prozent des auf täglicher Basis gemittelten Anteilspreises pro Jahr.

Diese regelmäßigen Top-Ausschüttungen sind natürlich nicht ohne mannigfaltige Risiko zu haben, welche die UBS sehr transparent gleich vorweg kommuniziert: „You may lose some or all of your investment.“ In erster Linie ist hier das Emittentenrisiko aufzuführen. Geht die UBS Pleite, sollte der ETN-Anleger damit rechnen, leer auszugehen. Im Jahr 2008 wäre das übrigens der Fall gewesen, hätten die Schweizer Bundesregierung und die Nationalbank das strauchelnde Institut nicht mit 60 Milliarden Franken gestützt. Heute gilt die Bank als „systemisch bedeutsames Finanzinstitut“, könnte also eventuell erneut auf Rettungsgelder hoffen.

Darüber hinaus ist jede ETN den Chancen und Risiken des zugrunde liegenden Basiswerts ausgesetzt: Konjunktur- und Stimmungslage, Preistrenderwartungen, Liquidität, Wechselkurs, Inflation und Zinsen – um nur einige Einflussfaktoren zu nennen. Börsennotierte Hochdividendenwerte weisen dabei in der Regel aktienähnliche Schwankungsbreiten auf, wobei zahlreiche Instrumente – hierunter auch REITs – sehr zinssensibel reagieren. Durch den eingepreisten Hebel wirken Preisänderungen des Basiswerts auf die ETN nach unten wie oben um den Faktor zwei. In einem Bullenmarkt ist das kommod, im Bärenmarkt reicht ein fünfzigprozentiger Rückgang des Index um den Preis der ETN zu pulverisieren.

So weit wird es allerdings nicht kommen, da die Emissionsbedingungen ein automatisches Sonderkündigungsrecht der UBS vorsehen, sobald der Preis der ETN unter 5,00 US-Dollar sinkt oder 60 Prozent in einem Monat verliert (der Verlust bezieht sich auf die ETN, nicht den Index). Diese Notbremse sorgt dafür, dass der Verlust des Anlegers auf eine Investition beschränkt bleibt. Neben diesem automatischen hat die UBS auch ein außerordentliches zu festgelegten Stichtagen. Bei Teilkündigungen werden die einzuziehenden Anteile übrigens ausgelost.

Zusammenfassung und Stammdaten

Gehebelte ETNs sind ein Hochrisikoinvestment, welches Einkommensinvestoren im Gegenzug eine kaum zu überbietende Ausschüttungsrendite bescheren, sofern als Basiswert Hochdividendenpapiere herangezogen werden.

Wer mit den heftigen Kurskapriolen einschließlich eines möglichen Totalverlustes sowie dem Wechselkursrisiko gut leben kann und zumindest nicht mit fallenden Kursen rechnet, für den eignen sich die hier vorgestellten ETNs durchaus als ausschüttungsstarke Beimischung. Gegebenenfalls ließe sich ein hochriskantes Papier wie die ETRACS Monthly Pay 2xLeveraged Mortgage REIT ETN mit einer eher risikoarmen Anlageklasse wie dem kürzlich an dieser Stelle porträtierten Russell Australian Government Bond ETF kombinieren.

Handelbar ist besagte ETN über jeden gängigen Broker an der NYSE Arca unter dem Tickersymbol MORL. Eine Liste aller von der UBS handelbaren ETNs findet sich auf einer Übersichtsseite der Emittentin.

Ihre Wünsche

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9 Antworten auf „Cashtest – UBS ETRACS Leverage Strategy ETNs“

  1. Hallo,
    ich bin schon länger „Dividendensammler“ und als solcher schon vor einem Jahr durch eigene Recherchen auf eben diese Wertpapiere gestoßen. Den kürzlichen Kursverfall Anfang Mai wollte ich zum Nachkauf der ETNs MORL und BDCL nutzen. Leider wurde mir dies ohne Angaben von Gründen durch meinen Broker Lynx (IB-Reseller) verwehrt. Durch ein Telefonat erfuhr ich dann, dass die US-Steuerregel IRC 871(m) dazu führt, dass diese ETNs bei Interactive Brokers nicht mehr zu kaufen sind. Leider konnte ich bis dato nicht herausfinden, welche steuerlichen Auswirkungen diese Regel hat.
    Bisher hat Lynx/IB mir von den Dividendenerträgen 15% US-Quellensteuer abgezogen. Die Differenz zu den 25% Kapitalertragssteuer in Deutschland mindert m.E. nicht die Attraktivität dieser ETNs. In einer deutschen Beschreibung der US-Steuerregel IRC 871(m) fand sich der Ausdruck „dividendenähnliche“ Erträge. Wie werden diese in Zukunft besteuert werden? Sollte auf eine Regelung wie bei den MLPs (40% US-Quellensteuer und zusätzlich 25% deutsche Kapitalertragssteuer) hinauslaufen, lohnt sich eine Anlage in diese ETNs natürlich nicht mehr.

    Viele Grüße
    Kai Ramming

    1. Guten Morgen,
      vielen Dank für den ausführlichen Kommentar. Ich habe den Hinweis aufgegriffen und selbst die Handelbarkeit besagter Wertpapiere getestet. Zumindest bei der Swissquote können die ETNs derzeit ohne Einschränkungen geordert werden. Warum dies bei Lynx nicht möglich ist vermag ich nicht zu sagen. Allerdings werden „exotische“ Wertpapiere bisweilen durch die Broker unterschiedlich gehandhabt, so meine Erfahrung.
      Kurz zum Steuerrecht: Aus deutscher Sicht ist die Sache recht eindeutig. ETNs sind Schuldverschreibungen, die Erträge technisch gesehen Zinsen. Doch egal ob Zinsen oder Dividenden – gemäß Doppelbesteuerungsabkommen zwischen den USA und Deutschland werden jeweils 15 Prozent Quellensteuer abgezogen, die in beiden Fällen voll auf die Abgeltungssteuer angerechnet werden können. Deutsche Anleger stellen sich damit im Vergleich zu Ausschüttungen heimischer Schuldner also nicht schlechter.
      Ebenfalls richtig: Bei zahlreichen (aber nicht allen!) MLPs werden Quellensteuern von 30 und mehr Prozent erhoben, die nicht voll mit der Abgeltungssteuer verrechnet werden können. Diese Titel lohnen dann in der Regel kaum für hierzulande veranlagte Investoren. Allerdings gibt es für hierfür interessante Alternativen, auf die ich in „Bargeld statt Buchgewinn“ ausführlich eingehe.

      Beste Grüße
      Luis Pazos

  2. Hallo,

    bei welcher Bank kann man ETRACS in Deutschland handeln. Ich habe es bei DKB, Consors und DEGIRO probiert. Dort ist es nicht möglich. Wäre um einen Hinweis dankbar.

    1. Hallo Mario,
      das ist seit Einführung der MiFID-II-Richtlinie schwer zu sagen. Theoretisch dürften die ETNs von ETRACS über deutsche Broker nur dann handelbar sein, wenn die UBS richtliniengerechte Unterlagen aufbereitet hat (was ich zu bezweifeln wage).

      Eine Alternative wäre ein Broker wie CapTrader oder Lynx. Hierbei handelt es sich zwar um ausländische Institute, allerdings ist die Plattform und der Service deutschsprachig, also kaum von einer Comdirect oder Flatex zu unterscheiden. Und bei den beiden genannten sind die Papiere in jedem Fall handelbar.

      Beste Grüße
      Luis Pazos

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