Cashtest – Keppel Infrastructure Trust

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Einstieg und Überblick

Nachdem bereits das Börsenjahr 2019 für alle breit aufgestellten Einkommensinvestoren in hohem Maße erfreulich verlaufen sein dürfte ist auch 2020 fulminant gestartet. Ein unschöner Nebeneffekt davon sind die nach konventionellen Maßstäben wie etwa dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), dem Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) oder der Marktkapitalisierung relativ zum Bruttoinlandsprodukt (Buffett-Indikator) mittlerweile recht ambitionierten Bewertungen vieler Titel. Das gilt insbesondere für das Mutterland der ausschüttungsorientierten Geldanlage, die Vereinigten Staaten von Amerika.

Frische Liquidität anzulegen kann mittlerweile zur Herausforderung werden, nicht zuletzt, da Dividenden historisch betrachtet stets weniger stark schwankten als die Notierungen und die Ausschüttungsrenditen im Zuge des aktuellen Kursfeuerwerks relativ betrachtet deutlich nachgaben. So verdient beispielsweise die unter Einkommensinvestoren einstmals beliebte Brookfield Renewable Partners nach einer annähernden Kursverdopplung in den letzten zwölf Monaten kaum noch den Status eines Hochdividendenwerts – obgleich das Management das neunte Jahr in Folge eine Dividendenerhöhung angekündigt hat.

Auch aufgrund dieses Anlagenotstandes haben sich jüngst die Stimmen der Leser und Hörer gemehrt, welche die Blickrichtung von Westen nach Osten schweifen lassen und nach Anlagealternativen im asiatischen Raum fragen. Mit der Henderson Far East Income Limited habe ich im Herbst vergangen Jahres eine solche vorgestellt, die in Großbritannien gemanagt wird. Ein originär singapurisches Eigengewächs ist hingegen der in mehrerer Hinsicht bemerkenswerte Keppel Infrastructure Trust, der gezielt für Einkommensinvestoren konzipiert wurde.

Historie und Kennzahlen

Aufgelegt und an die Singapore Exchange (SGX) gebracht wurde der Keppel Infrastructure Trust im Jahr 2007 von der Keppel Corporation Limited, die über ihre Töchter Keppel Infrastructure Fund Management Limited den Treuhänder respektive Manager stellt sowie über die Keppel Infrastructure Holdings Limited selbst 18,2 Prozent der Anteile am Trust hält.

Organigramm Keppel Corporation Limited
Business Trusts sind eine verschachtelte Angelegenheit, Bildquelle: Seite des Unternehmens

Die Keppel Corporation ist ebenfalls börsennotiert (SGX: BN4). Als Werft im Jahr 1968 gegründet, beschäftigt der Mischkonzern, der nach wie vor im Schiffsbau, aber auch im Energie- und Immobiliensektor sowie der Telekommunikationsbranche aktiv ist, etwa 34.000 Mitarbeiter. Mit 20 Prozent größter Aktionär und ursprünglicher Gründer der Keppel Corporation Limited ist übrigens die legendäre Temasek Holdings. Als der kleinere von zwei singapurischen Staatsfonds verwaltet das 1974 gegründete und mit Dreifach-A bewertete Unternehmen circa 313 Milliarden US-Dollar (Stand: 2019). Die Beteiligungen sind derzeit zu drei Vierteln in Singapur konzentriert, die Diversifizierung jedoch im vollen Gange. Unter anderem ist Temasek an der Drogeriemarktkette Rossmann beteiligt. Etwa 440 Milliarden US-Dollar an Vermögenswerten betreut übrigens der zweite Staatsfonds, die Government of Singapore Investment Corporation, kurz GIC. Beide Staatsfonds gehören weltweit zu den zehn größten ihrer Art und werden maßgeblich von den Nachkommen des Staatsgründers Lee Kuan Yew kontrolliert. Sein Sohn Lee Hsien Loong ist zudem der aktuelle Premierminister Singapurs.

Als ehemalige Kronkolonie steht Singapur stark in der britischen Rechtstradition. Dies macht sich nicht nur namentlich beim Keppel Infrastructure Trust bemerkbar. Registriert ist das Unternehmen nämlich gemäß dem Business Trusts Act, einem singapurischen Gesetz, welches sich an der Regulierung der Real Estate Investment Trusts (REITs) des Inselstaats orientiert. Ein solcher Business Trust kombiniert dabei die vermögensverwaltende Funktion eines Fonds mit dem operativen Geschäft eines Unternehmens und erweitert damit das Spektrum handelbarer Instrumente an Singapurs Börsen.

Genau diese Kombination hat sich der Keppel Infrastructure Trust bei seiner strategischen Ausrichtung zunutze gemacht. Anders als ein reiner Gewerbebetrieb hat er seine Mittel über drei Kernbranchen und eine Vielzahl von Beteiligungen gestreut, anders als ein Investmentfonds hat er fast ausschließlich Mehrheitsbeteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen erworben, auf die das Management zudem aktiv Einfluss nimmt. Was letzten Punkt angeht, ähnelt der singapurische Business Trust ein Stück weit den US-amerikanischen Business Development Companies (BDCs). Bei den drei Kernbranchen handelt es sich um

  • Energie- und Industrieinfrastruktur (Distribution & Network)
  • Energieproduktion (Energy)
  • Abfallentsorgung und Wasserversorgung (Waste & Water)

Der Bereich Energie- und Industrieinfrastruktur steht für 68 Prozent der Vermögenswerte sowie 43 Prozent des für Ausschüttungen zur Verfügung stehenden Zahlungsstroms und setzt sich aus drei 100-Prozent-Beteiligungen zusammen:

  • City Gas: Das Unternehmen produziert Gas und versorgt über ein eigenes Pipelinesystem über 840.000 private und gewerbliche Kunden in Singapur mit dem Energieträger. Die Produktionskapazitäten liegen bei 1,6 Millionen Kubikmeter pro Tag.
  • Basslink: Die Firma ist Eigentümer und Betreiber der einzigen Hochspannungsleitung sowie eines Glasfaserkabels zwischen Australien und Tasmanien und sichert damit die Strom- und Telekommunikationsversorgung von über einer halben Millionen Insulanern. Einziger Kunde von Basslink ist der Bundesstaat Tasmanien, der Vertrag läuft bis 2031 und beinhaltet eine Verlängerungsoption um 15 Jahre.
  • Ixom: Der Spezialchemiehersteller mit gut 1.000 Mitarbeitern beliefert über 8.000 Industriekunden auf dem australischen Kontinent und verfügt dazu über eine umfangreiche Infrastruktur, die neben Fabriken beispielsweise auch Tanklager und Transportsysteme umfasst.

Die Energieproduktion steht als zweiter Bereich für 20 Prozent der Vermögenswerte sowie 22 Prozent des freien Zahlungsstroms und umfasst eine Beteiligung, an welcher der Trust 51 Prozent hält, die restliche 49 Prozent kontrolliert mit Keppel Energy Private Limited eine weitere Tochter des Mischkonzerns. Bei der Beteiligung handelt es sich um das Gaskraftwerk Keppel Merlimau Cogen. Mit einer Leistung von 1.300 Megawatt (MW) produziert es Strom für Singapur, welcher über Keppel Electric, ebenfalls ein Unternehmen des Keppel-Universums, abgenommen und vertrieben wird. Mit Keppel Electric besteht ein Abnahme- und Liefervertrag bis 2030, welcher optional bis 2040 verlängert werden kann.

Der dritte und letzte Bereich, die Abfallentsorgung und Wasserversorgung, steht für 12 Prozent der Vermögenswerte sowie 35 Prozent des auskehrbaren Zahlungsstroms. Hier ist der Trust an vier Anlagen beteiligt. Von den ersten dreien ist er Alleineigentümer, an der vierten hält er eine Mehrheitsbeteiligung von 75 Prozent:

  • Senoko Waste-to-Energy: Die Müllverbrennungsanlage ist die einzige im Norden der Insel und hat eine Kapazität von 2.310 Tonnen pro Tag, einziger Kunde ist das Umweltamt Singapurs, der aktuelle Vertrag läuft noch bis 2024. Operativer Betreiber und Pächter der Anlage ist die Keppel-Tochter Keppel Seghers.
  • Keppel Seghers Tuas Waste-to-Energy: Auch diese Anlage mit einer Kapazität von 800 Tonnen pro Tag wird von Keppel Seghers im Auftrag des singapurischen Umweltamts betrieben, der über 25 Jahre geschlossene Vertrag läuft erst 2035 aus. Insgesamt werden übrigens vier Müllverbrennugsanlagen im Inselstaat betrieben.
  • Keppel Seghers Ulu Pandan NEWater: Das Wasserwerk hat eine Kapazität von 148.000 Kubikmetern pro Tag und wird ebenfalls von Keppel Seghers betrieben. Einziger Kunde ist Singapurs Wasserbehörde, der aktuelle Vertrag endet 2027. Das Wasserwerk ist das zweitgrößte von insgesamt vier, welche die Insel mit Frischwasser versorgen.
  • SingSpring Desalination Plant: Der Vertragspartner der Meerwasserentsalzungsanlage mit einer Kapazität von 136.380 Kubikmetern pro Tag ist ebenfalls die Wasserbehörde Singapurs, der laufende Vertrag endet 2025. Verpachtet ist die Anlage bis 2033 an den Betreiber JTC Corporation. Die Kapazität entspricht in etwa zehn Prozent von Singapurs aktuellem Wasserbedarf. Bei der Inbetriebnahme im Jahr 2005 war es weltweit die größte Anlage ihrer Art.

Ein Trust, drei Sektoren, neun Beteiligungen – was ist dieses Konglomerat nun in Heller und Pfennig wert? In der noch nicht auditierten Bilanz für das Jahr 2019 werden die Vermögenswerte auf ziemlich genau 5,0 Milliarden Singapur-Dollar taxiert. Bei einem aktuellen Wechselkurs von 1,51 Singapur-Dollar je Euro entspricht dies etwa 3,3 Milliarden in der kontinentaleuropäischen Einheitswährung. In wie weit die Zahl trägt, kann natürlich mit einem Fragezeichen versehen werden.

Nach internationalen Rechnungslegungsstandards ist das Anlagevermögen mit dem „fairen Wert“ einzupreisen. Bei börsennotierten Beteiligungen ist dieser unmittelbar an der Kurstafel abzulesen. Bei öffentlichen Infrastrukturanlagen ohne Marktpreis ist dies ungleich schwerer. Am ehesten kann hierzu noch der vertraglich vereinbarte Zahlungsstrom herangezogen werden. Allerdings sind die Laufzeiten begrenzt und über Folgevereinbarungen kann angesichts der monopolisierten Nachfrage nur spekuliert werden. Darauf wird noch zurückzukommen sein.

Nicht spekuliert werden braucht hingegen über den stetigen und soliden Cashflow, den die Anlagen in Kombination mit den langlaufenden Abnahme- und Lieferverträgen mit der öffentlichen und privaten Hand generieren. Knapp 350 Millionen Singapur-Dollar konnte der Trust für 2019 verzeichnen – ein kontinuierlicher Anstieg über mindestens fünf Jahre. Hiervon floss etwa die Hälfte an die Anleger. Bei einer jährlichen Dividende von zuletzt 3,72 Singapur-Cent und einem Kurs von 0,54 Singapur-Dollar entspricht das einer ordentlichen Ausschüttungsrendite von circa 6,9 Prozent. Gleichzeitig verblieben dem Trust genügend Mittel für Erweiterungsinvestitionen. Knapp 750 Millionen Singapur-Dollar gab das Management im letzten Jahr dafür aus.

Ausschüttungen werden ebenfalls in guter angelsächsischer Tradition quartalsweise vorgenommen, die Zahlungstermine liegen im Februar, Mai, August und November. Zwischen 2011 und 2015 konnte die Quartalsdividende von 0,82 auf 0,93 Singapur-Cent gesteigert werden, zuvor wurde sie jedoch in zwei Schritten mehr als halbiert, was vor allem auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Weltfinanzkrise zurückzuführen ist, die gerade das Südostasiatische Finanzzentrum Singapur besonders hart getroffen hat.

Das spiegelt sich, wenn auch zeitlich etwas verzerrt auch im Kurs des Trusts wider. Zugegeben, einen schlechteren Zeitpunkt für die Emission hätte es aus Anlegersicht kaum geben können. Der Spitzenkurs kurz nach der Erstnotiz lag bei 1,16 Singapur-Dollar, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jahr 2009 bei 0,54 Singapur-Dollar und damit auf exakt demselben Niveau wie heute etwa 11 Jahre später. Dazwischen oszillierte der Preis je Anteil zwischen 0,32 und 0,60 Singapur-Dollar; das Allzeittief fiel übrigens ins Jahr 2011, als die Weltbörsen schon längst wieder auf Erholungsmodus geschaltet hatten. Auf diese auf den ersten Blick erstaunliche Kursentwicklung werde ich ebenfalls später eingehen.

Anleger aus der Eurozone konnten sich über den Gesamtzeitraum betrachtet zumindest über einen satten Währungsgewinn freuen. Der Singapur-Dollar stieg recht kontinuierlich gegenüber dem Euro von 2,10 Singapur-Dollar je Euro auf den derzeitigen Stand.

Konditionen und Besteuerung

Die SGX gehört unter den etablierten Börsen zweifellos zu den eher exotischen Handelsplätzen. Will heißen: Nicht jeder Broker hat die Südostasiaten im Programm und wenn, dann fallen die Gebühren recht happig aus. So können selbst über den deutschen Platzhirschen unter den Discoutbrokern, die Comdirect Bank, keine Wertpapiere aus Singapur an ihrer Heimatbörse gehandelt werden.

Einmal mehr dürften hierzulande die Konditionen der Wiederverkäufer von Interactive Brokers wie CapTrader (*) und LYNX Broker (*) kaum zu schlagen sein. Für eine Order an der SGX werden 0,15 Prozent des Ordervolumens, mindestens jedoch fünf Singapur-Dollar fällig. Bezogen auf meine Kostenschmerzgrenze von höchstens einem Prozent der Handelssumme ließe sich also bereits ein Auftrag über 500 Singapur-Dollar wirtschaftlich platzieren. Neben der Erstnotiz an der SGX verfügt der Keppel Infrastructure Trust über eine Zweitnotiz an der US-amerikanischen NASDAQ. Die Handelsvolumina sind dort allerdings deutlich geringer als am heimatlichen Börsenplatz, weshalb ich letzteren auch klar bevorzugen würde.

Neben den Handelskosten fallen natürlich auch die wiederkehrenden Kosten des Trusts, im Wesentlichen also die Managementgebühren, ins Gewicht. Diese schlugen im Jahr 2019 ausweislich der Gewinn- und Verlustrechnung mit 26 Millionen Singapur-Dollar zu Buche, was etwa 1,6 Prozent des auf 1,57 Milliarden Singapur-Dollar bezifferten Umsatzes entspricht. Hinzu kommen Kosten des Geschäftsbetriebs in Höhe von circa 134 Millionen Singapur-Dollar. Hierbei gilt es zu beachten, dass der Trust nicht rein vermögensverwaltend, sondern eben auch operativ in hochregulierten und beratungsintensiven Branchen tätig ist.

Gemäß der Klassifizierung durch den WM Datenservice gilt der Keppel Infrastructure Trust als Aktie beziehungsweise aktienähnliches Wertpapier. Als solches unterliegt er weder Handelseinschränkungen, insbesondere der MiFID-II-Richtlinie, noch der Fondsbesteuerung. Dennoch halte ich es für durchaus denkbar, dass das eine oder andere deutsche Institut den Erwerb des Titels durch Privatanleger vorsichtshalber ausgeschlossen hat, an entsprechenden Beispielen falscher Klassifizierungen herrscht ja nun leider kein Mangel.

Erfreulicherweise orientiert sich Singapur auch in puncto Quellensteuer an der ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien. Ebenso wie die Angelsachsen verzichten die Asiaten als eines von nur wenigen Länder weltweit auf diesen Vorwegabzug bei Zahlungen an Steuerausländer. Diese können also Dividenden brutto für netto vereinnahmen. Das bedeutet im Umkehrschluss freilich, dass sie die Erträge komplett in ihrem Heimatland versteuern müssen. Deutsche Anleger zahlen demnach auf den kompletten Betrag die Abgeltungssteuer zuzüglich Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Neben britischen eignen sich daher auch singapurische Dividendentitel besonders für jene Investoren, die keine oder sehr geringe Steuern auf die Kapitaleinkünfte zahlen.

Chancen und Risiken

Der Keppel Infrastructure Trust betreibt ein konzentriertes und kostenintensives Geschäftsmodell, bedient eine äußerst einseitige und eigenwillige Kundschaft und operiert im Wesentlichen auf einer im wahrsten Sinne des Wortes sehr eingeengten Region – mit 725 Quadratkilometern ist Singapur gerade einmal so groß wie die Kanareninsel La Palma, beherbergt jedoch über 5,7 Millionen Einwohner.

Damit sind auch die wichtigsten Risiken charakterisiert, denen der Trust unterliegt. Anleger investieren mit dem Trust zum Großteil in singapurische Infrastrukturanlagen und den Singapur-Dollar. Das ist angesichts der Größe des Landes und der Bedeutung der Währung ein klares Klumpenrisiko, welches kaum durch das Engagement auf dem australischen Kontinent kompensiert werden kann. Zumindest noch nicht.

Zudem ist das Unternehmen in einem hochgradig politisierten Umfeld unterwegs. Zumindest die langfristige Geschäftsentwicklung der Beteiligungen in Singapur ist in hohem Maße vom Wohlwollen faktisch eines einzigen Kunden, nämlich der Verwaltung des Inselstaats, abhängig. Wie wankelmütig sich dieser bisweilen gerieren kann, wissen nicht nur Aktionäre von E.ON und RWE im Zuge des Fukushima-Schocks von 2011 zu berichten. Dies gilt umso mehr, wenn die exekutive auch noch die legislative und judikative Gewalt hinter sich weiß. Hinzu gesellst sich, dass Singapur als sogenannte „unvollständige Demokratie“ gilt, in der zahlreiche Fäden bei der Gründerfamilie Lee zusammenlaufen, nicht nur die der beiden Staatsfonds (siehe oben).

Darüber hinaus ist Singapur selbst zwar dem Status als Schwellenland weit entwachsen, das Bruttoinlandsprodukt liegt mit nominal gut 64.000 US-Dollar pro Kopf über dem der Vereinigten Staaten, Australiens und Deutschlands, allerdings ist das Land weitflächig von Tiger- und Pantherstaaten umgeben. Regionale Crashs dürften auch vor der Insel nicht Halt machen, und sei es, dass sie in Sippenhaft genommen wird. So fiel beispielsweise der Aktienleitindex Singapurs, der Straits Times Index, der die 30 größten Unternehmen des Landes umfasst, im Zuge der Asienkrise um satte zwei Drittel. Auf die spezifischen Chancen und Risiken des asiatisch-pazifischen Raums bin ich ausführlich bei der Besprechung der Henderson Far East Limited eingegangen.

Die bis hierhin skizzierten Risiken lassen sich natürlich auch eins zu eins als Chancen interpretieren und sind ein Paradebeispiel für die Janusköpfigkeit von Wertpapier- und Marktanalysen beziehungsweise Prognosen schlechthin.

Wappen Singapurs
„Vorwärts, Singapur“, Bildquelle: Xavi Garcia via Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

So kann Singapur auf ein über ein halbes Jahrhundert währendes „Wirtschaftswunder“ zurückblicken, welches aus einem rohstofflosen Sumpfgebiet eines der modernsten und wohlhabendsten Länder der Welt erwachsen ließ und hervorragend in die Weltwirtschaft integriert ist. Auch sollte der vielzitierte Titel als „Schweiz Asiens“ nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Ökonomie Singapurs breit diversifiziert ist – ähnliches gilt übrigens auch für Lichtenstein. Der Inselstaat ist nicht nur einer der bedeutendsten Finanz- sondern auch Handelsplätze der Welt, als offene Volkswirtschaft pflegt Singapur Import- wie Exportbeziehungen in fast jeden Winkel der Welt und erweist sich seit Jahren als Magnet im „Krieg um Talente“.

Eine unabdingbare Voraussetzung, diese Position zu halten und auszubauen ist selbstverständlich die Infrastruktur. Und was diesen Punkt angeht, ist der Keppel Infrastructure Trust hervorragend aufgestellt. Schließlich stellen seine Beteiligungen für jede moderne Volkswirtschaft unverzichtbare Leistungen bereit, die kurz- bis mittelfristig nicht substituierbar sind. Zudem hat sich der Trust innerhalb des Infrastrukturspektrums breit über die Bereiche Strom, Gas, Wasser und Abfall aufgestellt und deckt damit wesentliche Bestandteile der gesamten öffentlichen Daseinsvorsorge Singapurs ab.

Der Hauptkunde, letztlich also die Regierung Singapurs, ist zudem einer von vier verbliebenen Staaten, der über ein AAA-Rating der drei größten westlichen Ratingagenturen sowie dem wichtigsten chinesischen Pendant Dagong verfügt, die anderen drei sind Luxemburg, Norwegen und die Schweiz. Für finanzielle Stabilität sorgen freilich die beiden prall gefüllten Staatsfonds, die pro Einwohner Singapurs gerechnet über 132.000 US-Dollar verwalten. Dementsprechend dürfte die Einnahmeseite des Trusts gesichert sein und das weitgehend automatisiert. Die durchschnittlichen Restlaufzeiten der bestehenden Verträge sind zwar nicht übermäßig lang, bewegen sich jedoch im branchenüblichen Rahmen. Zudem sind Anschlussbeauftragungen wahrscheinlich.

Zum einen sollte der Boomregion tendenziell an einer Ausweitung der Infrastruktur gelegen sein, zum anderen betreibt beziehungsweise besitzt der Keppel Infrastructure Trust hochmoderne Anlagen, die schon jetzt wesentlich zur Versorgungssicherheit auf der Insel beitragen. Ferner liegt eine weitere Zusammenarbeit auch im Eigeninteresse der Regierung, welche über die Temasek indirekt am Trust und den involvierten Keppel-Ablegern beteiligt ist. Das legt nahe, dass das Trustmanagement mit den wichtigsten Repräsentanten des Lee-Clans, zumindest jedoch ihren institutionellen Vertretern, bestens vernetzt ist. Diese Verbindungen sollten auch nach einem Übergang der Regierungsgewalt tragen. Ein solcher ist aktuell nicht absehbar, denn bei aller Kritik an der „unvollständigen Demokratie“ konnte Lee Kuan Yew einen nahezu korruptionsfreien Rechtsstaat konstituieren, der Eigentumsrechte wie Vertragsfreiheit gewährt und mit geringer Regulierungsdichte, niedrigen Steuern sowie soliden Haushalten und Finanzen aufzuwarten weiß – eine in dieser Welt eher seltene Kombination.

Vor diesem Hintergrund ist auch die Kapitalstruktur des Keppel Infrastructure Trust vertretbar. Den fünf Milliarden Singapur-Dollar Vermögenswerten stehen gut 1,7 Milliarden Singapur-Dollar an Eigenkapital gegenüber, die entsprechende Quote beträgt 34 Prozent. Der Kapitaldienst für die vergleichsweise hohe Verschuldung ist jedoch aus den bestehenden Zahlungsströmen problemlos bedienbar. Damit das über die gesamte Finanzierungslaufzeit so bleibt, müssen die bestehenden Verträge freilich zu ähnlichen Konditionen verlängert werden.

Genau dies ist ein wesentlicher Faktor für die im Vergleich zum Gesamtmarkt weit unterdurchschnittliche Kursentwicklung. Das in Summe hohe Konzessionsrisiko gepaart mit der einseitigen Abhängigkeit von einem ungleichen Vertragspartner birgt reichlich Potenzial für Schwarze Schwäne und damit eine bei Anlegern äußerst ungeliebte Melange. Zudem hat es der Trust über viele Jahre nicht (mehr) vermocht, Cashflow-starke Beteiligungen zu akquirieren. Hier ist der Trust in den heimatlichen Gefilden wohl auch an die Grenzen organischen Wachstums gestoßen. Dies dürfte auch ein Grund für die Ausweitung der Geschäftstätigkeit in Richtung Australien sein. Hier stimmt die Entwicklung des letzten Jahres, konkret die Akquisition von Ixom vorsichtig optimistisch.

Zusammenfassung und Stammdaten

Der Keppel Infrastructure Trust bietet Anlegern die vermutlich einzige Möglichkeit, sich über ein börsennotiertes Wertpapier an den Zahlungsströmen ausgewählter Infrastrukturprojekte mit klarem Fokus auf Singapur zu beteiligen. Hinzu gesellen sich nach dem Strategieschwenk des Managements Wachstumschancen, die dem daniederliegenden Kurs Aufwärtsimpulse verleihen könnten. Ergänzend sei angemerkt, dass der Aktienmarkt Singapurs die globale Kursrally der jüngeren Vergangenheit nicht mitgemacht hat. Vom Tief im Zuge der Weltfinanzkrise hat sich der Straits Times Index Stand heute gerade einmal verdoppelt.

„Stable Cash Flows and Organic Growth from Existing Portfolio“ ist schließlich auch das Motto und erklärte Ziel des Managements. Von diesem Ziel abgeleitet sind auch die Akquisitionskriterien, welche sich vor allem an inflationsgeschützen Umsätzen, reifen beziehungsweise defensiven Cashflows, hohen Markteintrittsbarrieren, einer führenden Marktposition sowie Geschäftstätigkeit im Infrastrukturbereich orientieren.

Positiv hervorzuheben ist die Dividendenpolitik der letzten Jahre, die eine etwa hälftige Ausschüttung der freien Liquidität zum Ziel. Dies geschieht übrigens auf freiwilliger Basis, denn im Gegensatz zu REITs sind singapurische Business Trusts nicht zu Ausschüttungen verpflichtet. Im Gegenzug profitieren sie allerdings auch nicht von deren Steuerfreiheit auf Unternehmensebene. Mit 17 Prozent ist die Körperschaftssteuer in Singapur allerdings knapp halb so hoch wie hierzulande.

Handelbar ist der Keppel Infrastructure Trust an der SGX unter dem Kürzel (Stock Code) A7RU beziehungsweise unter der Handelsbezeichnung „Kep Infra Tr“. An der NASDAQ firmiert der Titel unter KPLIF. Die Internationale Wertpapierkennnummer (ISIN) lautet SG1U48933923.

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    5 Antworten auf „Cashtest – Keppel Infrastructure Trust“

    1. Hallo Luis,

      Die Aktie finde ich durchaus interessant und passt zu meinem Depot. Kannst Du mir die Dividendenrendite erläutern? Bei Yahoo Finance komme ich eher auf 3.43% und sehe auch nur zwei Ausschüttungen im Jahr. 0.23 SGD bei einem Kurs von 6.69 SGD.

      Viele Grüße,

      Kiev

    2. Großartig, wie hier immer wieder solche Investment-Perlen ausgegraben werden! Bin bereits im Singapur-ETF von iShares investestiert und werde mir wahrscheinlich den Keppel IT zur Diversifikation mit ins Depot legen. Auch meine anderen tollen Hochdividendenwerte wie ADX, AMLP, AWP, BEP, BKI, CHI, EIT.UN, FGB, IHD, PFF und SDIV hätte ich ohne diesen Blog hier wohl kaum gefunden. Ein echter Mehrwert! Vielen Dank!

    3. Hallo Luis,
      endlich wieder ein Cashtest – meine Lieblingskategorie hier! 🙂 Falls du Wünsche dafür entgegennimmst, ich setze in meiner Hochdividendenstrategie nahezu nur auf Sammelanlagen wie ETFs und CEFs und würde mich über die Vorstellung einer neuen Anlage freuen.

      Viele Grüße
      Andreas

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