Börsenticker: Inditex – Folge 027

Podcast jetzt anhören

Starke Zahlen und hohe Bewertung

Im galizischen Arteixo, nur wenige Kilometer von A Coruña entfernt, sitzt einer der größten Modekonzerne der Welt. Inditex, Muttergesellschaft von Zara und weiteren Marken, ist aus bescheidenen Anfängen zu einem europäischen Börsenschwergewicht der Bekleidungsindustrie gewachsen. Operativ überzeugt das Unternehmen mit hohen Margen, einer ungewöhnlich starken Bilanz und weiterem Wachstum. Für Anleger stellt sich allerdings die Frage, wie viel davon im Aktienkurs bereits eingepreist ist. Das klären wir in diesem Börsenticker!

Podcast im Videoformat


Wer kein Video mehr verpassen möchte, abonniert am besten meinen YouTube-Kanal. Dazu genügt es beim erstmaligen Aufruf das eingeblendete Abonnement zu bestätigen oder alternativ auf der Startseite auf „Abonnieren“ beziehungsweise direkt im Video auf das Bloglogo unten rechts zu klicken. Zu den Inhalten und Zeitmarken:

  • 0:00:00 Vom Bademantel zum Modeimperium
  • 0:03:43 Inditex wird zum globalen Konzern
  • 0:06:18 Fast Fashion als Erfolgsmodell
  • 0:08:50 Kurze Lieferwege sichern den Vorsprung
  • 0:11:13 Weniger Filialen bringen mehr Umsatz
  • 0:13:23 Eine außergewöhnlich starke Bilanz
  • 0:15:35 Dividende mit variablem Bonus
  • 0:18:07 Acht Jahre Stillstand, dann die Rally
  • 0:20:57 Inditex schlägt viele Konkurrenten
  • 0:23:38 Chancen und Grenzen des Wachstums
  • 0:26:56 Diese Risiken sollten Anleger kennen
  • 0:29:35 Ist die Inditex-Aktie ein Kauf?
  • 0:32:59 Hinweis zur spanischen Quellensteuer

Vom Bademantel zum Modeimperium

Die Geschichte von Inditex begann 1963 mit gesteppten Bademänteln. Amancio Ortega Gaona gründete damals Confecciones GOA, zwölf Jahre später eröffnete er in A Coruña die erste Zara-Filiale. 1988 folgte in Porto das erste Geschäft außerhalb Spaniens. Was als lokaler Textilbetrieb begonnen hatte, war innerhalb weniger Jahrzehnte zu einem internationalen Modeunternehmen geworden.

1985 wurden die verschiedenen Aktivitäten unter dem Dach der Holding Inditex gebündelt, 2001 ging das Unternehmen an die Börse. Ortega wurde durch den Aufstieg des Konzerns zu einem der reichsten Menschen der Welt. Inditex selbst ist heute das größte spanische Unternehmen nach Marktkapitalisierung und gehört auch im europäischen Vergleich zu den Schwergewichten.

Bemerkenswert ist vor allem die Entwicklung in einem stark zersplitterten Markt. Während der europäische Bekleidungsmarkt ungefähr mit der Wirtschaftsleistung wächst, legt Inditex deutlich schneller zu und gewinnt Marktanteile.

Das Geschäftsmodell wird häufig unter dem Begriff Fast Fashion zusammengefasst. Entscheidend ist dabei die Geschwindigkeit. Während zwischen Entwurf und Verkauf eines Kleidungsstücks bei klassischen Modeunternehmen Monate liegen können, benötigt Inditex teilweise nur wenige Wochen. Das Unternehmen kann damit vergleichsweise schnell auf neue Modetrends und veränderte Vorlieben reagieren.

Hinzu kommt die Verbindung von stationärem Handel und E-Commerce. Inditex wächst in beiden Kanälen, während bei anderen Einzelhändlern das Onlinegeschäft häufig auf Kosten der Filialen zulegt.

Geschwindigkeit als Wettbewerbsvorteil

Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Lieferkette. Inditex lässt einen beträchtlichen Teil seiner Ware vergleichsweise nah an den Absatzmärkten fertigen, unter anderem in Spanien, der Türkei und Nordafrika. Die Produktionskosten müssen dadurch nicht immer die niedrigsten sein. Dafür bleiben die Transportwege kurz und das Unternehmen kann schneller reagieren.

Diese Struktur schlägt sich in ungewöhnlich hohen Margen nieder. Die Bruttomarge liegt bei rund 60 Prozent, die operative Marge bei etwa 20 Prozent. Gerade angesichts der überwiegend preisgünstigeren Positionierung ist das bemerkenswert. Zum Vergleich: Selbst Nike erreichte in seinen besten Jahren operative Margen von etwas mehr als zehn Prozent.

Inditex ist zudem stark vertikal integriert. Produktentwicklung, Logistik, Verteilung, IT und Teile der Produktion befinden sich unter dem Dach des Konzerns. Das erhöht zwar die organisatorische Komplexität, verringert zugleich aber die Abhängigkeit von externen Partnern.

Auch das Filialnetz wird laufend angepasst. Die Zahl der Geschäfte ist gegenüber früheren Jahren gesunken, gleichzeitig erwirtschaften die verbleibenden Standorte mehr Umsatz. Weniger rentable Filialen wurden geschlossen, während in produktivere Standorte investiert wurde.

Eine ungewöhnlich starke Bilanz

Die Bilanz lässt sich vergleichsweise knapp zusammenfassen: Inditex verfügt über rund zehn Milliarden Euro Nettoliquidität, hat keine Finanzschulden und weist keinen Goodwill aus. Für einen Konzern aus dem Einzelhandel und insbesondere aus der Modebranche ist das eine außergewöhnlich solide Ausgangslage.

Das Markenportfolio ist überwiegend aus eigener Kraft gewachsen. Große, bilanzbelastende Übernahmen hat Inditex vermieden. Auch die Leasingverbindlichkeiten aus dem Filialgeschäft bewegen sich in einem überschaubaren Rahmen.

Eine Besonderheit zeigt sich beim Working Capital. Aufgrund seiner starken Stellung gegenüber Lieferanten kann Inditex vergleichsweise lange Zahlungsziele durchsetzen. Die Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen liegen deutlich über Forderungen und Vorräten; diese Differenz hat sich im Laufe der Zeit vergrößert. Das unterstützt den Cashflow, stellt angesichts der übrigen Bilanzstruktur bislang aber kein gravierendes Problem dar.

Umsatz, operatives Ergebnis und Nettogewinn legten zuletzt jeweils im einstelligen Prozentbereich zu.

Für klassische Dividendenjäger ist die Aktie dennoch nur bedingt attraktiv. Die reguläre Dividendenrendite liegt bei gut zwei Prozent. Inditex zahlt halbjährlich und ergänzt die Basisdividende regelmäßig um eine erfolgsabhängige Sonderdividende. Seit 2022 wurde diese zusätzliche Ausschüttung durchgehend gezahlt, teilweise fiel sie sogar höher aus als die reguläre Dividende.

Die Basisdividende soll bei 1,20 Euro liegen, hinzu kommt die gewinnabhängige Komponente. Als Ausschüttungsquote strebt der Konzern rund 60 Prozent an. Die Sonderdividende lässt sich allerdings nicht verlässlich einplanen. Zudem bleibt Mode ein konjunktursensibles Geschäft: Bei finanziellen Einschränkungen können Verbraucher den Kauf neuer Kleidung vergleichsweise leicht verschieben.

Starkes Unternehmen, anspruchsvoller Aktienkurs

Langfristig hat sich die Aktie außerordentlich gut entwickelt. Über rund 20 Jahre summiert sich das Kursplus auf annähernd 800 Prozent, hinzu kommen die Dividenden. Diese Entwicklung verlief allerdings keineswegs gleichmäßig. Zwischen 2015 und 2023 durchlief die Aktie eine lange Phase der Stagnation und bewegte sich über Jahre ungefähr um 25 Euro.

Danach änderte sich das Bild deutlich. Seit den Kursen von weniger als 20 Euro im Jahr 2020 stieg die Aktie auf mehr als 55 Euro. Entsprechend anspruchsvoll ist inzwischen die Bewertung. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt deutlich über 20, das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei etwa vier.

Unterbewertet ist Inditex damit nicht. Die hohe Bewertung lässt sich teilweise mit der starken Bilanz und dem überdurchschnittlichen Wachstum erklären. Im Vergleich mit börsennotierten Wettbewerbern wie H&M fällt auf, dass Inditex weiterhin Marktanteile gewinnt, während andere Anbieter eher stagnieren. Auch Uniqlo wächst kräftig, verfolgt allerdings ein anderes Konzept.

Die entscheidende Frage ist daher weniger die Qualität des Unternehmens als der Preis, zu dem Anleger bereit sind einzusteigen. Die lange Schwächephase der Vergangenheit zeigt, dass auch bei einem operativ starken Unternehmen günstigere Einstiegsgelegenheiten entstehen können.

Geografisch bleibt Europa die wichtigste Basis. Inditex expandiert zugleich in Asien und anderen Regionen. Für einen spanischen Konzern spielt auch Lateinamerika eine besondere Rolle. Sprache und kulturelle Nähe erleichtern dort den Zugang zu Märkten mit wachsender Mittelschicht.

Mode bleibt ein wechselhaftes Geschäft

Die gute Ausgangslage beseitigt die branchentypischen Risiken nicht. Kleidung ist kein lebensnotwendiges Gut. In einer schweren Rezession können Verbraucher ihre Ausgaben reduzieren. Inditex hat allerdings bereits die schwere spanische Wirtschafts- und Immobilienkrise vergleichsweise gut überstanden.

Ein zweites Risiko liegt im Wesen der Mode selbst. Geschmack, Trends und Vorlieben verändern sich, ebenso die Markenpräferenzen verschiedener Generationen. Was über Jahre erfolgreich war, muss es nicht dauerhaft bleiben. Zara ist zwar das Zugpferd des Konzerns, Inditex verfügt aber über mehrere Marken und ist damit breiter aufgestellt.

Ein praktisches Warnsignal wären dauerhaft schwächer besuchte Geschäfte. Bislang spricht die Entwicklung jedoch nicht dafür. Die Konkurrenz tut sich teilweise schwerer, unter anderem wegen höherer Transportkosten. Anbieter mit starkem US-Geschäft sind zusätzlich von der Zollproblematik betroffen. Inditex besitzt aufgrund seiner hohen Margen einen gewissen Spielraum, um steigende Kosten aufzufangen.

Auch Fast Fashion selbst steht unter regulatorischem Druck. Politische Eingriffe könnten das Geschäftsmodell belasten. Wie weit entsprechende Maßnahmen tatsächlich reichen können, bleibt offen. Günstige Kleidung trifft weiterhin auf eine große Nachfrage, und der Markt ist entsprechend umfangreich.

Die Bewertung bleibt der entscheidende Haken

Damit fällt die Bewertung der Aktie differenziert aus. Die Unternehmensqualität ist hoch: Inditex ist vertikal integriert, schnell in der Lieferkette, wächst stärker als viele Wettbewerber und verfügt über eine ausgesprochen solide Bilanz. Gegen einen Einstieg zum aktuellen Kurs spricht vor allem die Bewertung.

Schon eine Wachstumsdelle oder sinkende Margen könnten bei einem hoch bewerteten Unternehmen den Aktienkurs belasten. Steigende Materialkosten sind dabei ebenfalls zu beobachten. Insbesondere Kunstfasern können sich infolge höherer Rohstoffpreise verteuern. Ob Inditex solche Kosten vollständig an die Kunden weitergeben kann, muss sich zeigen.

Für einen reinen Dividendeninvestor kommen weitere Einschränkungen hinzu. Sowohl die anfängliche Dividendenrendite als auch die Schwankungen der Ausschüttung passen nur bedingt zu einem klassischen Einkommenswert. Bei Unternehmensqualität sowie Bilanz und Ertragslage fällt die Beurteilung dagegen deutlich besser aus. Insgesamt ergibt sich damit ein gutes Unternehmen, dessen Aktie derzeit allerdings bereits viel operative Stärke widerspiegelt.

Hinzu kommt für deutsche Anleger die spanische Quellensteuer. Ein Teil der Belastung muss gegebenenfalls zurückgefordert werden, was mit bürokratischem Aufwand verbunden ist und den Dividendenaspekt zusätzlich relativiert.

Ein langfristiger Unsicherheitsfaktor ist schließlich der Generationswechsel. Gründer Amancio Ortega ist inzwischen 90 Jahre alt. Obwohl er sich aus dem operativen Geschäft zurückgezogen hat, bleibt er als Großaktionär eng mit Inditex verbunden. Welche Folgen ein späterer Übergang auf die nächste Generation haben könnte, lässt sich heute nicht beurteilen.

Haftungsausschluss

Zu den Risiken und Nebenwirkungen des Handels mit Derivaten und Wertpapieren, den veröffentlichten Informationen sowie besprochenen Möglichkeiten der Geldanlage einschließlich potenzieller Interessenskonflikte verweise ich auf den Haftungsausschluss und die Transparenzrichtlinien, die analog für den Podcast und das Video gelten.

Podcast abonnieren

Wer keine Folge des Einkommensinvestoren-Podcasts verpassen möchte, kann diesen direkt über die gängigen Potcatcher per Stichwortsuche oder Podcast-Feed abonnieren. Alternativ dazu informieren wir regelmäßig auf unseren zahlreichen Kanälen zu jeder neuen Folge, so beispielsweise im Blogtelegramm oder im YouTube-Kanal unter „D wie Dividende“.

Anzeige

captrader_728x90px_pazos_erste%20wahl.png

Income Insights

Abonniere meine kostenlosen Finanz-Tipps und ich schenke Dir drei Reports, um Deine Rendite zu optimieren, Dein Risiko zu reduzieren und 1.000 Ausschüttungen pro Jahr einzunehmen – mit lediglich fünf Minuten Aufwand pro Tag und ohne das Depot starken Schwankungen aussetzen zu müssen:

Beitrag teilen

Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Dann teile ihn bitte mit einem Klick auf Facebook oder Twitter, damit auch andere davon profitieren können!

Logo von Facebook   Logo von X

Deine Meinung

Rückmeldungen machen meine Inhalte besser. Was hat Dir gefallen, was könnte verbessert werden? Hinterlasse gerne einen Kommentar unter diesem Beitrag oder schreib mir gleich hier eine Direktnachricht.

    Schreibe einen Kommentar

    Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

    © 2017 bis 2026 Luis Pazos | Alle Rechte vorbehalten | Impressum |Datenschutz