Deep Dive: Die Maß war nie billiger! – Folge 083

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Wettbewerb statt Währungsmonopol

Eine Maß Bier kostet auf dem Oktoberfest 2026 zwischen 14,80 und 15,90 Euro. Vor gut 50 Jahren waren es umgerechnet etwa 1,40 Euro. In Euro ist Bier damit erheblich teurer geworden. In Gold gerechnet ergibt sich allerdings ein anderes Bild. Der Vergleich führt zu einer grundsätzlichen Frage: Werden die Dinge immer teuer oder wird das Geld, mit dem wir sie bezahlen, immer weniger wert? Von dort führt der Weg dieses Deep Dives ins Jahr 1971, zum Ende der Goldbindung des Dollars und schließlich zu Friedrich August von Hayek. Der Nobelpreisträger forderte 1976 nichts weniger als Wettbewerb zwischen verschiedenen Formen von Geld.

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  • 0:00:00 Warum Anleger für den eigenen Ausfall planen
  • 0:00:00 Bier, Gold und die Frage nach gutem Geld
  • 0:01:38 Was die Maß in Euro und Gold kostet
  • 0:04:33 Was 1971 mit unserem Geld geschah
  • 0:08:32 Warum Inflation nicht alle gleich trifft
  • 0:12:46 Hayek stellt das Geldmonopol infrage
  • 0:16:01 Warum Politik stabiles Geld erschwert
  • 0:20:07 Hayeks Idee vom Wettbewerb der Währungen
  • 0:23:33 Warum die Idee heute leichter umsetzbar wäre
  • 0:25:31 Wo Hayeks Währungswettbewerb an Grenzen stößt
  • 0:29:33 Warum Konkurrenz unser Geld verbessern könnte
  • 0:31:15 Hochdividendenwert des Monats
  • 0:32:30 Molson Coors mit über 5 % Dividendenrendite
  • 0:35:30 Wie solide ist die Bilanz von Molson Coors?
  • 0:37:07 Schrumpfender Biermarkt als Risiko
  • 0:39:07 Mein Fazit zu Molson Coors

Bier, Gold und die Kaufkraft des Geldes

Die sogenannte Gold-Wiesnmaß-Ratio setzt den Preis einer Feinunze Gold ins Verhältnis zum Preis einer Maß Bier auf dem Oktoberfest. 2026 lassen sich für eine Feinunze Gold ungefähr 240 Maß kaufen. Vor gut 50 Jahren waren es lediglich rund 48. Umgekehrt kostete eine Maß damals etwa 0,65 Gramm Gold, heute sind es nur noch rund 0,13 Gramm.

In Euro ist Bier also massiv teurer geworden, in Gold deutlich günstiger. Allerdings schwankt auch dieses Verhältnis erheblich. Um 1980 bekam man für eine Feinunze Gold bereits mehr als 200 Maß, anschließend brach die Ratio deutlich ein. Gold ist deshalb keineswegs zu jedem Zeitpunkt eine stabile Werterhaltungseinheit. Wer zu einem ungünstigen Zeitpunkt gekauft hat, konnte über viele Jahre Kaufkraft gegenüber bestimmten Gütern verlieren.

Über sehr lange Zeiträume zeigt der Vergleich dennoch, dass sich die Maßeinheit Gold anders verhält als Euro oder zuvor D-Mark. Damit führt die Betrachtung zu einem Jahr, das in Diskussionen über unser Geldsystem immer wieder auftaucht: 1971.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beruhte das internationale Währungssystem von Bretton Woods vereinfacht gesagt auf dem Dollar. Die wichtigen Währungen besaßen feste Wechselkurse zum Dollar, dieser wiederum war gegenüber ausländischen Zentralbanken zu 35 Dollar je Feinunze in Gold konvertierbar. Es handelte sich nicht um einen klassischen Goldstandard, aber Gold setzte dem internationalen Dollarsystem eine äußere Grenze.

Die Vereinigten Staaten brachten jedoch immer mehr Dollar in Umlauf, unter anderem aufgrund steigender Staats- und Auslandsausgaben sowie zur Finanzierung des Vietnamkriegs. Gleichzeitig reichten die amerikanischen Goldbestände irgendwann nicht mehr aus, um sämtliche im Ausland zirkulierenden Dollar zum festgelegten Kurs einzulösen.

Am 15. August 1971 schloss US-Präsident Richard Nixon das Goldfenster. Ausländische Zentralbanken konnten ihre Dollar nicht mehr zum festgelegten Kurs gegen amerikanisches Gold tauschen. 1973 gingen die wichtigsten Währungen zu flexiblen Wechselkursen über.

Damit war eine institutionelle Begrenzung des Geldsystems weggefallen. Das bedeutet nicht, dass 1971 die Inflation „erfunden“ wurde. Geldentwertung ist wesentlich älter, auch die Hyperinflation ist keine deutsche Erfindung von 1923. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, wodurch die Produktion von Geld seitdem begrenzt wird.

Warum Inflation nicht alle gleich trifft

Inflation wird meist über Verbraucherpreisindex, Kerninflation oder Inflationsraten von zwei, drei oder fünf Prozent diskutiert. Ihre Wirkung hängt jedoch wesentlich davon ab, in welcher wirtschaftlichen Ausgangslage sich jemand befindet.

Nehmen wir jemanden, der kaum Vermögen besitzt, sich aber 10.000 Euro als Reserve für Reparaturen, eine neue Waschmaschine, einen Gebrauchtwagen oder schlechte Zeiten angespart hat. Steigen die Preise deutlich, stehen auf dem Konto weiterhin 10.000 Euro. Sie repräsentieren aber weniger Kaufkraft.

Anders sieht es bei jemandem aus, der Immobilien, Unternehmensbeteiligungen oder andere beleihbare Vermögenswerte besitzt. Er kann sein Eigentum als Sicherheit hinterlegen, Kredit aufnehmen und damit weitere reale Vermögenswerte erwerben. Steigen anschließend Preise und Einkommen, während die Schulden nominal unverändert bleiben, sinkt deren reale Last.

Eigentum bietet damit nicht nur einen möglichen Schutz vor Geldentwertung. Es kann zugleich den Zugang zu Fremdkapital eröffnen. Wer keine beleihbaren Vermögenswerte besitzt, kann diesen Hebel nicht in gleicher Weise nutzen. Das funktioniert selbstverständlich nicht automatisch: Der Vermögende muss die Entwicklung rechtzeitig erkennen, Kredit zu vernünftigen Konditionen erhalten und darf sich mit seiner Investition nicht verspekulieren.

Dennoch sind die Ausgangsbedingungen fundamental verschieden. Inflation trifft nicht alle gleich. Wer überwiegend Liquidität und Geldvermögen besitzt, steht anders da als jemand mit Sachwerten. Wer Zugang zu Kredit hat, verfügt über andere Möglichkeiten als jemand ohne entsprechende Sicherheiten.

In diesem Sinne ist Inflation im wörtlichen Sinn „a-sozial“: Ihre Wirkung richtet sich nicht nach der sozialen oder wirtschaftlichen Ausgangslage. Sie verändert Vermögenspositionen und die reale Last von Schulden und kann bestehende Unterschiede zwischen Vermögenden und weniger Vermögenden verstärken.

Damit stellt sich eine weitere Frage: Wer soll eigentlich darüber bestimmen, welches Geld produziert und verwendet wird?

Hayeks Angriff auf das Geldmonopol

1976, zwei Jahre nach der Verleihung des Wirtschaftsnobelpreises, veröffentlichte Friedrich August von Hayek zunächst den Aufsatz „Choice in Currency: A Way to Stop Inflation“ und anschließend seine ausführlichere Schrift „The Denationalisation of Money“.

Hayek beschäftigte sich mit der Frage, warum Geldsysteme immer wieder inflationär werden. Er bestritt nicht, dass eine expansive Geldpolitik kurzfristig zusätzliche Nachfrage schaffen, Investitionen anstoßen und Arbeitsplätze entstehen lassen kann. Sein Einwand richtete sich gegen die Vorstellung, damit dauerhaft Wohlstand und Vollbeschäftigung erzeugen zu können.

Zusätzliches Geld verteilt sich nicht gleichmäßig über die Volkswirtschaft. Es verändert relative Preise, lenkt Kapital in bestimmte Branchen und ermöglicht Investitionen und Geschäftsmodelle, die unter anderen monetären Bedingungen womöglich nicht entstanden wären. Sind solche Strukturen erst einmal vorhanden, lässt sich die monetäre Expansion nicht ohne Folgen beenden.

Wird sie zurückgefahren, verschwindet ein Teil der zuvor gestützten Nachfrage. Investitionen rechnen sich nicht mehr, Unternehmen geraten unter Druck und Arbeitsplätze können verloren gehen. Politisch entsteht dadurch ein schwieriger Mechanismus: Die Folgen der vorherigen Expansion werden erst sichtbar, wenn die Unterstützung endet. Damit kann gerade der kurzfristige Erfolg einer Intervention die Begründung für ihre dauerhafte Fortsetzung liefern.

Hayek stellte deshalb eine grundsätzlichere Frage: Kann man darauf vertrauen, dass eine politische Institution langfristig stabiles Geld produziert?

Selbst eine formal unabhängige Zentralbank steht unter politischem Druck. Hayek variierte dazu Keynes‘ bekannten Satz „In the long run we are all dead“: Für Politiker gelte sinngemäß „In the long run we are all out of office“. Kurzfristige Vorteile können politisch attraktiver sein als langfristige Stabilität, während die Kosten einer später notwendigen Inflationsbekämpfung womöglich andere tragen.

Seine Schlussfolgerung lautete daher nicht, man brauche lediglich bessere Politiker oder bessere Zentralbanker. Er stellte das Monopol selbst infrage.

Währungen sollen miteinander konkurrieren

Hayeks Vorschlag war weniger exotisch, als er zunächst klingt. Der Staat sollte weiterhin Geld herausgeben dürfen. Hayek verlangte auch keine Rückkehr zum Goldstandard und behauptete nicht, selbst zu wissen, welches das beste Geld sei.

Seine Frage war einfacher: Warum sollen Menschen nicht selbst entscheiden dürfen, welches Geld sie verwenden?

Vertragspartner könnten sich beispielsweise auf Dollar, Schweizer Franken, Gold oder eine andere Währung einigen. Der Staat könnte weiterhin festlegen, womit bestehende Geldschulden erfüllt und Steuern bezahlt werden. Etwas anderes ist jedoch die Frage, ob er vorschreiben muss, in welcher Währung ein Vertrag ursprünglich abgeschlossen wird.

Damit entstünde Währungswettbewerb. Ein Honorar könnte beispielsweise in Schweizer Franken vereinbart oder ein langfristiger Vertrag in Gold denominiert werden, während Steuern weiterhin in Euro zu zahlen wären. Bürger könnten versuchen, in dem Geld zu arbeiten und zu sparen, dem sie stärker vertrauen, und die staatliche Währung nur halten, soweit sie diese tatsächlich benötigen.

Der staatliche Geldproduzent bekäme Konkurrenz. Verliert seine Währung schneller an Kaufkraft als konkurrierende Währungen, könnten Bürger ausweichen. Gerade diese Möglichkeit sollte disziplinierend wirken.

Welche Währung am Ende gewinnt, muss dabei niemand im Voraus wissen. Für Hayek ist Wettbewerb ein Entdeckungsverfahren. Wir wissen heute nicht, welche Technologien künftig entstehen, welche Institutionen Vertrauen gewinnen und welche Eigenschaften Menschen in 30 oder 50 Jahren von gutem Geld erwarten werden.

Deshalb war Hayek auch gegenüber einer europäischen Einheitswährung skeptisch. Seine Vorstellung bestand nicht darin, die europäischen Währungen abzuschaffen und durch eine gemeinsame Währung zu ersetzen. Sie sollten frei miteinander konkurrieren: freier Währungsverkehr statt Währungsunion.

Ein praktischer Einwand gegen dieses Modell ist heute schwächer als 1976. Unterschiedliche Währungen verursachten damals erhebliche Transaktionskosten. Wechselkurse mussten festgestellt, Zahlungen verrechnet und verschiedene Währungen angenommen und abgerechnet werden. Digitale Systeme könnten einen erheblichen Teil davon inzwischen automatisiert im Hintergrund erledigen.

Die Achillesferse des Währungswettbewerbs

Damit ist Hayeks Vorschlag allerdings nicht frei von Problemen. Geld unterlag historisch immer wieder institutionellen Schranken. Der Goldstandard war eine solche Schranke, ebenso Haushaltsregeln oder begrenzte internationale Liquidität. Sie sollten politischen Akteuren bestimmte Möglichkeiten der Geldmengenausweitung nehmen.

Die Geschichte zeigt aber auch, dass solche Schranken nicht dauerhaft gehalten haben. Wurde der politische Druck groß genug, wurden Regeln verändert, ausgesetzt oder abgeschafft. Der Erste Weltkrieg ist dafür ein klassisches Beispiel: Der Goldstandard sollte die Geldproduktion begrenzen. Mit dem enorm steigenden Finanzbedarf der Staaten wurde die Goldkonvertibilität ausgesetzt.

Darin liegt auch eine Achillesferse von Hayeks Währungswettbewerb. Angenommen, das System funktioniert und die staatliche Währung verliert gegenüber konkurrierenden Geldern Marktanteile. Bürger sparen zunehmend in anderen Währungen, Unternehmen schließen langfristige Verträge darin ab und Banken bieten möglicherweise eigene Währungen an.

Nach Hayeks Vorstellung müsste der Staat darauf reagieren, indem er besseres Geld produziert. Er hätte jedoch noch eine zweite Möglichkeit: Er könnte die Spielregeln ändern. Denkbar wären Kapitalverkehrskontrollen, steuerliche Nachteile für konkurrierende Währungen, Regulierungen privater Emittenten oder die Verpflichtung, bestimmte Geschäfte in der staatlichen Währung abzurechnen.

Je besser der Währungswettbewerb funktioniert, desto größer könnte somit der politische Anreiz werden, ihn wieder einzuschränken. Der Staat ist schließlich nicht nur ein Anbieter unter mehreren. Er ist gleichzeitig Gesetzgeber, Steuerempfänger, Regulierer und Schiedsrichter.

Damit führt Hayeks Vorschlag zurück zu seinem ursprünglichen Problem: Wie lässt sich politische Macht dauerhaft binden? Gold hat dies nicht geschafft, Fiskalregeln ebenfalls nicht immer, und auch internationale Verträge können gebrochen werden. Warum sollte eine Garantie freien Währungswettbewerbs dauerhaft stärker sein?

Hayeks Gedankenexperiment bleibt dennoch bemerkenswert. Seine wesentliche Leistung liegt möglicherweise weniger darin, eine perfekte Geldordnung entworfen zu haben, als in der Frage, warum gutes Geld durch immer neue Regeln für einen Monopolisten entstehen soll, statt andere Formen von Geld mit ihm konkurrieren zu lassen.

Bitcoin, Stablecoins, Gold oder andere denkbare Formen von Geld zeigen zumindest, dass Geld nicht zwingend alternativlos sein muss. Welche Form am Ende die beste ist, lässt sich heute nicht wissen. Genau darin liegt Hayeks Argument für Wettbewerb.

Die Maß auf dem Oktoberfest kostet inzwischen bis zu 15,90 Euro. In Euro gerechnet ist sie historisch teuer, in Gold gerechnet historisch billig. Auch 50 Jahre später bleibt damit die Frage offen, ob gutes Geld vor allem bessere Regeln braucht – oder Konkurrenz.

Hochdividendenwert des Monats

Auch der Hochdividendenwert des Monats belibt beim Bier: Molson Coors Beverage Company (NYSE: TAP) gehört mit Marken wie Coors, Miller, Molson und Carling zu den großen Brauereikonzernen der Welt. Für die Aktie sprechen gut fünf Prozent Dividendenrendite, eine derzeit komfortable Deckung der Ausschüttung durch den freien Cashflow und eine beherrschbare Verschuldung. Dagegen stehen rückläufige Absatzmengen, sinkende Gewinne und ein strukturell schwacher Biermarkt in den westlichen Industrieländern. Die entscheidende Frage lautet, ob Molson Coors seine starken Marken und den Cashflow stabil genug halten kann, um die Dividende trotz schrumpfenden Kerngeschäfts weiter zu steigern.

Präsentiert wird der Hochdividendenwert des Monats vom monatlich ausschüttenden FU Fonds Bonds Monthly Income der Vermögensverwaltung Heemann.

Haftungsausschluss

Weitere Informationen zu den Risiken des Wertpapier- und Derivatehandels sowie zu möglichen Interessenskonflikten findest Du in meinem Haftungsausschluss und den Transparenzrichtlinien. Die dortigen Hinweise gelten entsprechend auch für den Podcast und das Video.

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