Schatzmeister: Raus aus dem Vermögenshamsterrad – Folge 034

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Zwischen Vermögensaufbau und Lebensqualität

Dem beruflichen Hamsterrad entkommen und dafür im Vermögenshamsterrad landen? Das klingt paradox, kann aber gerade disziplinierten Anlegern passieren. Erst sollen es 100.000 Euro sein, dann 500.000, anschließend die Million – und kaum ist ein Ziel erreicht, erscheint das nächste bereits notwendig. Doch wann ist genug wirklich genug? In der 34. Ausgabe der Schatzmeister sprechen darüber, warum der Übergang vom konsequenten Vermögensaufbau zum bewussten Genießen schwierig sein kann und wie wir selbst damit umgehen. Es geht um Sparraten und Renditen, aber ebenso um Reisen, Familie, Gesundheit und Erinnerungen.

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  • 0:00:00 Wie viel Sparsamkeit ist noch vernünftig?
  • 0:01:25 Was sich bei uns persönlich getan hat
  • 0:07:54 Nike vor der Wende zum Dividendenaristokraten?
  • 0:11:26 P2P verspricht Liquidität auf Knopfdruck
  • 0:14:46 Ein Todesfall verändert den Blick aufs Geld
  • 0:17:15 Diese Investments haben wir verkauft
  • 0:20:34 Warum Lars seine Bitcoins verkauft hat
  • 0:24:13 Warum Luis wieder auf Silber setzt
  • 0:30:13 Wofür bauen wir eigentlich Vermögen auf?
  • 0:38:49 Droht das Vermögenshamsterrad?
  • 0:41:39 Wann verliert die Sparrate an Bedeutung?
  • 0:45:19 Vom Sparen zum bewussten Geldausgeben
  • 0:49:50 Erlebnisse liefern Erinnerungsdividenden
  • 0:52:28 So budgetieren wir Geld zum Genießen
  • 0:57:01 Vermögen wächst, Lebenszeit schrumpft
  • 0:59:11 Vorsorge und Vermögen im Todesfall
  • 1:05:17 Was ist eigentlich aus Anton geworden?

Zwischen Nike, P2P und einem Abschied

Nach mehreren Monaten Pause beginnt unsere Runde mit einem Blick auf die eigenen Depots. Alex berichtet von einem bislang starken Börsenjahr. Sein Portfolio habe bereits ungefähr die Performance des gesamten Vorjahres erreicht. Zugleich richtet sich sein Blick auf Nike. Der Konzern muss nach mehr als 18 Jahren den S&P 100 verlassen, bleibt aber weiterhin im S&P 500 und im Dow Jones. Alex misst diesem Indexausschluss keine übermäßige Bedeutung bei.

Interessanter erscheint ihm die Dividendenentwicklung. Sollte Nike seine Ausschüttung erneut erhöhen, könnte die Aktie den Status eines Dividendenaristokraten erreichen. Damit käme sie für entsprechende Dividenden-ETFs in Betracht. Ob daraus tatsächlich zusätzliche Nachfrage entsteht, bleibt abzuwarten. Alex hält bislang nur eine kleine Position und würde sich bei weiter fallenden Kursen mit einem Ausbau beschäftigen. Die bekannten Probleme – Wettbewerbsdruck, sinkende Margen und hohe Lagerbestände – seien inzwischen ausführlich diskutiert worden.

Lars beobachtet unterdessen eine Entwicklung am P2P-Markt. Lange Laufzeiten und eingeschränkte Liquidität gehörten zu den wesentlichen Kritikpunkten dieser Anlageklasse. Inzwischen bringen mehrere Plattformen Produkte auf den Markt, die sich an jederzeit oder kurzfristig verfügbaren Lösungen orientieren. Damit verändert sich zumindest ein Teil des Angebots.

Die Diskussion über Geld und Lebensqualität erhält kurz darauf einen persönlichen Hintergrund. Der Tod eines langjährigen Blogger-Kollegen führt zu der Frage, wie planbar das eigene Leben überhaupt ist. Gesundheit und Lebensdauer lassen sich nur begrenzt beeinflussen. Selbst wer vieles richtig macht, kann nicht wissen, wie viel Zeit tatsächlich bleibt. Genau diese Unsicherheit gehört zur Abwägung zwischen Investieren und Konsum.

Verkaufen gehört zum Investieren

Bei den konkreten Depotentscheidungen fällt auf, dass in den vergangenen Monaten nicht nur gekauft wurde. Alex hat sich von B&G Foods und Conagra getrennt. Beide Unternehmen verbindet aus seiner Sicht eine problematische Kombination aus hoher Verschuldung und Dividendenkürzungen. Hohe rechnerische Dividendenrenditen seien wenig wert, wenn die Ausschüttung anschließend deutlich reduziert werde.

Hinzu kommt die Verschuldung. Werden Unternehmensteile verkauft, um Schulden abzubauen, fehlen künftig möglicherweise Umsätze und Erträge aus diesen Aktivitäten. Bei höheren Finanzierungskosten kann sich das Problem verschärfen. Alex betrachtet die Verkäufe deshalb als Aufräumaktion. Insgesamt habe er im laufenden Jahr sogar mehr Aktien verkauft als gekauft.

Noch weiter ist Lars gegangen. Er hat seine Bestände an Bitcoin, Ethereum, Solana und weiteren Kryptowährungen bis auf kleine Reste verkauft. Die Positionen lagen erheblich im Gewinn; bei Bitcoin nennt er rund 1.800 Prozent, bei Ethereum etwa 1.100 Prozent. Neben steuerlichen Überlegungen spielte der Aufwand eine Rolle. Staking, Lending und die Verwaltung verschiedener Kryptopositionen verursachten einen „Management Overhead“, den er nicht mehr im Portfolio haben möchte.

Auch die zunehmende Marktmacht großer Bitcoin-Akteure sieht er kritisch. Das frei werdende Kapital soll teilweise in Sammelanlagen und teilweise in ein privates Investment fließen. Stablecoins hält er weiterhin. Einen späteren Wiedereinstieg in Bitcoin schließt er ebenfalls nicht aus. Dass der Verkauf in seiner Community auf Kritik stieß, nimmt er gelassen: Nach vierstelligen prozentualen Gewinnen müsse man einer möglicherweise folgenden Kurssteigerung nicht hinterhertrauern.

Ich selbst habe dagegen Liquidität aufgebaut und begonnen, seinen Edelmetallbestand wieder etwas zu erhöhen, vor allem bei Silber. Nach dem deutlichen Rückgang vom Hoch und einer anschließenden Seitwärtsbewegung sehe ich darin die Möglichkeit, die Position als Gegenpol zu Verschuldung und möglichen Instabilitäten in Währungsräumen auszubauen.

Dabei setze ich unter anderem auf börsengehandelte Produkte mit Auslieferungsanspruch. Sie erlauben es, Silber flexibel im Depot zu halten und unter bestimmten Voraussetzungen nach längerer Haltedauer steuerlich anders zu behandeln als gewöhnliche Wertpapiere. Daneben nutze ich US-Silber-ETFs für Optionsstrategien, um aus dem Bestand laufenden Cashflow zu erzeugen. Bei der Produktauswahl seien unter anderem Kosten, Hinterlegung und Auslieferungsbedingungen zu prüfen. In dem Zusammenhang weisen wir alle ausdrücklich darauf hin, dass unsere Aussagen weder Anlage- noch Steuerberatung ist.

Wofür wird Vermögen aufgebaut?

Nach rund einer halben Stunde wechselt das Gespräch zum eigentlichen Schwerpunktthema: Wozu wird Vermögen überhaupt aufgebaut? Ein bestimmter Depotwert kann ein Ziel sein. Er beantwortet aber noch nicht die Frage nach dem Zweck dahinter.

Für Lars war dieser Zweck ursprünglich die Unabhängigkeit vom Arbeitgeber. Er hatte sich vorgenommen, sie bis zum 40. Lebensjahr zu erreichen, schaffte es aber früher. Danach veränderte sich die Perspektive. Vermögen war nicht mehr ausschließlich Mittel zur eigenen Freiheit.

Ähnlich beschreibt Alex seine Entwicklung. Mit wachsendem Vermögen steigen bei ihm die Budgets und damit die Möglichkeiten, den eigenen Lebensstandard dort zu verbessern, wo er persönlich einen Nutzen sieht. Das zeigt sich etwa beim Reisen. Unterkünfte oder Mietwagen dürfen heute komfortabler sein als früher. Entscheidend ist für ihn nicht das sichtbare Statussymbol, sondern die damit verbundene Lebensqualität.

Mit der Familie hat sich der Zweck des Vermögens nochmals erweitert. Alex möchte seiner Tochter später nicht einfach ein großes Erbe hinterlassen, das jede Notwendigkeit eigener Tätigkeit beseitigt. Das Kapital soll ihr vielmehr ermöglichen, freier zu entscheiden, welchen Tätigkeiten sie nachgeht und wie stark deren unmittelbarer finanzieller Ertrag ihre Entscheidungen bestimmen muss.

Auch bei mir stand zu Beginn die Unabhängigkeit im Vordergrund. Mit Familie verlängert sich der Zeithorizont jedoch über das eigene Leben hinaus. Vermögensplanung betrifft dann nicht mehr ausschließlich die persönliche finanzielle Freiheit, sondern auch die nächste Generation.

Genau daraus entsteht ein weiteres Problem. Wer sich über viele Jahre daran gewöhnt, Vermögen aufzubauen, kann Schwierigkeiten haben, diese Routine später wieder zu verlassen. Aus dem beruflichen Hamsterrad kann ein „Vermögenshamsterrad“ werden. Die Größenordnungen verschieben sich: Was zu Beginn unerreichbar erscheint, wird irgendwann erreicht, anschließend folgt das nächste Ziel.

Wenn die Sparrate ihre Bedeutung verliert

Alex beschreibt einen konkreten Wendepunkt. Seine Familie hat irgendwann aufgehört, regelmäßig zusätzliche Sparraten ins Depot zu überweisen. Der Grund liegt im Verhältnis zwischen Sparbetrag und vorhandenem Vermögen.

Bei einem Depot von 50.000 Euro und einer monatlichen Sparrate von 1.000 Euro kommen jährlich 12.000 Euro hinzu. Der zusätzliche Kapitalaufbau ist gemessen am vorhandenen Vermögen erheblich. Bei einem Depot von einer Million Euro entsprechen dieselben 12.000 Euro dagegen nur noch 1,2 Prozent. Die Bewegung des bestehenden Vermögens kann dann wesentlich größer sein als der Effekt der Sparrate.

Für Alex war das der Punkt, die monatliche Selbstbeschränkung aufzugeben. Statt weiter möglichst viel Geld ins Depot zu leiten, arbeitet die Familie mit Budgets für ihren Lebensstandard. Was gebraucht wird, wird ausgegeben, ohne jede Anschaffung mit dem möglichen entgangenen Anlageertrag zu verrechnen.

Das ist ausdrücklich kein Modell für Anleger am Anfang des Vermögensaufbaus. Dort kann gerade die Sparrate der entscheidende Hebel sein. Lars und ich beschreiben unsere eigene Sparsamkeit in den ersten Jahren rückblickend als wichtigen Vermögensbeschleuniger. Die heutige Situation ist das Resultat langjähriger Routinen und eines bereits erreichten Vermögensstands.

Gleichzeitig haben sich die Prioritäten verändert. Lars spart bei manchen Dingen weiterhin konsequent, bei Reisen dagegen kaum noch. Für eine zweiwöchige Arktisreise gab er nach eigener Aussage rund 15.000 Euro aus – eine Summe, die für ihn früher kaum vorstellbar gewesen wäre. Heute stehen bei solchen Ausgaben Erlebnis und Reise im Vordergrund, nicht die Frage, welcher Betrag alternativ investiert werden könnte.

Ich beschreibe eine ähnliche Trennung. Statussymbole waren für mich schon früher wenig wichtig. Autos betrachte ich vor allem als Transportmittel. Anders sieht es bei Erlebnissen aus: Reisen, Sportveranstaltungen, Konzerte oder gemeinsame Wochenenden mit Freunden und Familie sind Bereiche, in denen ich heute weniger auf den Preis achtet.

In der Runde fällt dafür der Begriff „Erinnerungsdividende“. Auch Gesundheit gehört zu den Bereichen, für die bewusst Geld ausgegeben wird – etwa für Vorsorge oder Ernährung. Das vorhandene Vermögen erleichtert zugleich Entscheidungen, die nicht erst von der nächsten Gehaltszahlung oder einem dafür vorgesehenen Monatsbudget abhängig gemacht werden müssen.

Geld zum Ausgeben reservieren

Die alte Sparroutine kann allerdings so tief sitzen, dass selbst vorhandenes Geld nicht automatisch ausgegeben wird. Ich habe deshalb ein separates Konto beziehungsweise einen Geldmarktfonds eingerichtet, auf den ein bestimmter Anteil fließt. Dieses Geld ist ausdrücklich zum Konsum bestimmt. Es soll verhindern, dass jeder Überschuss reflexartig wieder investiert wird.

Alex nutzt ein ähnliches Verfahren. Er koppelt einen Teil des Konsumbudgets an neue Höchststände seines Vermögens. Steigt dieses beispielsweise von 100.000 auf 110.000 Euro, werden 30 Prozent des Zuwachses – in diesem Beispiel 3.000 Euro – auf ein separates Konto übertragen. Daraus werden Reisen oder andere größere Ausgaben finanziert. Bleibt dort über längere Zeit zu viel Geld liegen, kann ein Teil wieder ins Vermögen zurückfließen.

Lars arbeitet nicht mit einem separaten Konto, sondern mit einer alten Excel-Tabelle. Für konkrete Projekte wird so lange Geld zurückgelegt, bis der benötigte Betrag erreicht ist. Als Beispiel nennt er einen geplanten Parabelflug in Südfrankreich für rund 8.000 Euro. Das Geld dafür soll dann auch tatsächlich ausgegeben werden, statt am Ende doch wieder in einer Anlage zu landen.

Gerade darin liegt für ihn eine Schwierigkeit. Anlagemöglichkeiten gibt es praktisch immer. Im P2P-Bereich laufen regelmäßig Cashback-Aktionen, mit denen sich zusätzliche Renditen erzielen lassen. Irgendwann müsse man aber „die Kirche im Dorf lassen“ und das Geld auch wieder in den Wirtschaftskreislauf bringen.

Der abschließende Gedanke bündelt das Thema: Vermögen kann im Idealfall exponentiell wachsen, während die verbleibende Lebenszeit abnimmt. Investieren bedeutet zunächst, heutigen Konsum gegen künftige Möglichkeiten einzutauschen. Das kann finanzielle Freiheit schaffen und den Zwang verringern, dauerhaft Zeit gegen Geld tauschen zu müssen. Wird dieser Tausch jedoch lebenslang nur in eine Richtung betrieben, können am Ende viele finanzielle Möglichkeiten vorhanden sein, aber zu wenig Zeit, sie zu nutzen.

Deshalb werden manche Vorhaben bewusst konkret geplant. Lars nennt erneut seinen Parabelflug: Mit 42 Jahren könne er ihn machen; ob das mit 75 noch möglich wäre, sei offen. Die Runde plädiert damit nicht gegen Sparen oder Vermögensaufbau. Sie beschreibt vielmehr den Punkt, an dem beides seinen Zweck erfüllen soll.

Zum Schluss führt eine Zuschauerfrage zurück zum Thema Vorsorge. Für Deutsche im Ausland können Nachlass, Vollmachten und Depotstruktur zusätzliche Fragen aufwerfen. Alex beschäftigt sich in Thailand deshalb mit den dortigen und deutschen Regelungen sowie mit den Anforderungen von Banken und Brokern. Entscheidend sei, sich frühzeitig darum zu kümmern und Angehörigen einen Leitfaden zu hinterlassen: Welche Konten und Depots gibt es, wo liegen Unterlagen und wie sind Zugänge geregelt?

Damit schließt sich der Kreis. Vermögen soll Handlungsmöglichkeiten schaffen. Dazu gehört nicht nur, Kapital aufzubauen und zu erhalten, sondern auch zu entscheiden, wann und wofür diese Möglichkeiten genutzt werden.

Haftungsausschluss

Zu den Risiken und Nebenwirkungen des Handels mit Derivaten und Wertpapieren, den veröffentlichten Informationen sowie besprochenen Möglichkeiten der Geldanlage einschließlich potenzieller Interessenskonflikte verweise ich auf den Haftungsausschluss und die Transparenzrichtlinien, die analog für den Podcast und das Video gelten.

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