Börsenticker: Carnival Corporation – Folge 023

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Kreuzfahrtboom zwischen Rekorden und Schuldenlast

Die Kreuzfahrtbranche hat sich nach dem pandemiebedingten Einbruch schneller erholt, als viele erwartet hatten. Carnival Corporation meldet wieder Rekordbuchungen, steigende Umsätze und hat sogar die Dividende zurückgebracht. Gleichzeitig bleibt das Unternehmen hoch verschuldet. Genau darin liegt der zentrale Spannungsbogen der Aktie: Auf der einen Seite steht ein wachsender Markt mit loyaler Kundschaft, auf der anderen eine Bilanzstruktur, die wenig Raum für größere Rückschläge lässt. Alle Details gibt es im aktuellen Börsenticker!

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  • 0:00:00 Carnival zwischen Boom und Risiko
  • 0:01:38 Warum Kreuzfahrten viele begeistern
  • 0:03:14 Carnival dominiert den Kreuzfahrtmarkt
  • 0:04:09 Technik und Wirtschaft auf See
  • 0:05:27 Warum Kreuzfahrten weiter boomen
  • 0:07:31 Treue Kunden und starke Marken
  • 0:09:17 Warum die Aktie schwach bleibt
  • 0:10:16 So verdient Carnival sein Geld
  • 0:11:35 Ölpreise werden zum Problem
  • 0:14:07 Rekordumsätze nach der Krise
  • 0:16:48 Die Schulden bleiben eine Gefahr
  • 0:20:36 Der Absturz der Aktie seit 2020
  • 0:24:05 Warum alte Höchstkurse täuschen
  • 0:26:20 Die Dividende kehrt 2026 zurück
  • 0:29:04 Aktionäre erhalten Bordguthaben
  • 0:30:28 Die Risiken bleiben weiterhin hoch
  • 0:34:11 Für wen die Aktie interessant sein könnte

Ein Marktführer mit besonderem Geschäftsmodell

Carnival gehört zu den dominierenden Unternehmen der Branche. Mehr als die Hälfte aller Kreuzfahrtpassagiere reist letztlich mit einer Marke des Konzerns. Zum Portfolio gehören unter anderem Aida, Costa, Princess Cruises oder Cunard. Damit deckt das Unternehmen unterschiedliche Zielgruppen ab – vom Familiensegment bis hin zum Luxusbereich.

Dabei sind Kreuzfahrten seit jeher weit mehr als nur eine Form des Transports. Die Reise selbst ist das Produkt. Viele Kunden schätzen, mehrere Orte ohne ständige Hotelwechsel besuchen zu können. Hinzu kommt eine vergleichsweise hohe Markenbindung. Wer mit einer bestimmten Reederei gute Erfahrungen gemacht hat, bucht häufig erneut dort, weil Abläufe, Restaurants oder Unterhaltungskonzepte vertraut sind.

Gleichzeitig bleibt das Geschäft kapitalintensiv. Kreuzfahrtschiffe sind milliardenschwere Investitionen mit hohen laufenden Kosten. Zwar können gut ausgelastete Schiffe hohe Margen erzeugen, weil ein Großteil der Kosten bereits im Vorfeld anfällt. Doch diese Rechnung funktioniert nur, solange Nachfrage und Kostenstruktur stabil bleiben.

Besonders wichtig ist dabei der Ölpreis. Treibstoff gehört zu den größten Kostenfaktoren der Branche. Carnival hatte sich für Teile des Jahres zwar gegen steigende Preise abgesichert, dennoch könnten dauerhaft hohe Energiepreise die Profitabilität deutlich belasten.

Rekordzahlen nach dem Shutdown

Operativ läuft das Geschäft derzeit stark. Carnival meldete zuletzt Rekordumsätze und eine hohe Auslastung der Schiffe. Die Buchungslage reicht nach Angaben des Unternehmens bereits weit in die kommenden Jahre hinein. Auch der operative Gewinn und der freie Cashflow haben sich deutlich verbessert.

Trotzdem bleibt die Erinnerung an den Einbruch während der Shutdowns ab 2020 präsent. Der Konzern musste in dieser Zeit enorme Schulden aufnehmen und gleichzeitig neue Aktien ausgeben, um die Krise zu überleben. Die Zahl der ausstehenden Aktien hat sich innerhalb eines Jahrzehnts ungefähr verdoppelt, ein großer Teil davon während der Lockdown-Phase.

Aus diesem Grund sind historische Kursvergleiche auch nur eingeschränkt zielführend. Die Aktie notiert zwar noch deutlich unter früheren Höchstständen. Das Unternehmen selbst ist aufgrund der zusätzlichen Schulden aber nicht mehr mit der Situation vor 2020 vergleichbar.

Besonders deutlich wird das beim Blick auf den sogenannten Enterprise Value, also den Gesamtunternehmenswert inklusive Schulden. Während der Aktienkurs weit unter den früheren Rekordständen liegt, bewegt sich der Unternehmenswert inzwischen wieder auf einem ähnlichen Niveau wie vor der Krise.

Die Bilanz bleibt der kritische Punkt

Der zentrale Streitpunkt der Analyse ist die Verschuldung. Carnival hat zwar bereits mehr als zehn Milliarden Dollar an shutdown-bedingten Schulden zurückgeführt. Dennoch bleibt die Nettoverschuldung hoch.

Aus dem Grund bieten selbst die Rekordergebnisse aktuell nur einen begrenzten Sicherheitspuffer. Der freie Cashflow liegt zwar ebenfalls auf Rekordniveau, stehe aber einer weiterhin erheblichen Schuldenlast gegenüber. Solange Nachfrage, Auslastung und Preise hoch bleiben, funktioniert dieses Modell. Kommt es dagegen zu einem externen Schock, könne sich die Lage schnell wieder verschärfen.

Hinzu kommt die zyklische Natur des Geschäfts. Kreuzfahrten gehören nicht zu den notwendigen Konsumausgaben. Schwächere Konsumstimmung oder steigende Kosten können sich entsprechend rasch bemerkbar machen. Als Beispiel sei auf Warnsignale aus der Reisebranche verwiesen, etwa vorsichtigere Buchungstrends bei Fluggesellschaften.

Gleichzeitig muss Carnival kontinuierlich in die Flotte investieren. Neben regulären Modernisierungen kommen strengere Umwelt- und Emissionsvorgaben hinzu. Neue Schiffe müssen andere technische Standards erfüllen als frühere Generationen. Dadurch entsteht ein dauerhafter Investitionsbedarf.

Rückkehr der Dividende – Signal oder Symbolik?

Ein wichtiger Meilenstein ist die Wiedereinführung der Dividende. Nach mehreren Jahren ohne Ausschüttung zahlt Carnival inzwischen wieder eine Quartalsdividende. Die Rendite bleibt zwar überschaubar, dennoch wird dieser Schritt als Signal verstanden: Das Management will zeigen, dass sich die Lage stabilisiert hat.

Parallel dazu kündigte der Konzern umfangreiche Aktienrückkäufe an. Insgesamt sollen in den kommenden Jahren Milliardenbeträge an Aktionäre zurückfließen.

Hier gehen die Einschätzungen auseinander. Während die Rückkehr zur Ausschüttungspolitik grundsätzlich positiv bewertet wird, bleibt die Frage offen, ob angesichts der hohen Verschuldung nicht ein aggressiverer Schuldenabbau sinnvoller gewesen wäre.

Interessant ist zudem eine Besonderheit für Aktionäre: Wer mindestens 100 Aktien hält und selbst mit Carnival reist, kann ein Bordguthaben erhalten. Dieses lässt sich während der Reise für Restaurants, Wellness oder andere Angebote nutzen. Für Kunden, die regelmäßig Kreuzfahrten buchen, erhöht sich damit faktisch die Gesamtrendite des Investments.

Zwischen Turnaround und Risikoposition

Letztlich fällt unsere Bewertung differenziert aus. Zweifel am Fortbestand des Unternehmens bestehen nicht. Die Nachfrage nach Kreuzfahrten bleibt hoch und Carnival verfügt über starke Marken sowie eine treue Kundschaft.

Die entscheidende Frage betrifft vielmehr die Risikostruktur der Aktie. Die hohe Verschuldung, die Abhängigkeit von Ölpreisen und die zyklische Natur des Geschäfts sorgen dafür, dass die Aktie weiterhin anfällig bleibt.

Aus konservativer Dividendensicht wird Carnival deshalb kritisch gesehen. Für ein klassisches defensives Einkommensportfolio erscheint der Titel aufgrund der Bilanzstruktur derzeit nur bedingt geeignet.

Als spekulative Turnaround- oder Wachstumsposition wird die Aktie dagegen offener bewertet – allerdings unter der Voraussetzung, dass der eingeschlagene Weg mit weiterem Schuldenabbau und stabilen Cashflows fortgesetzt werden kann.

Haftungsausschluss

Zu den Risiken und Nebenwirkungen des Handels mit Derivaten und Wertpapieren, den veröffentlichten Informationen sowie besprochenen Möglichkeiten der Geldanlage einschließlich potenzieller Interessenskonflikte verweise ich auf den Haftungsausschluss und die Transparenzrichtlinien, die analog für den Podcast und das Video gelten.

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