Deep Dive: Autocallables verstehen – Folge 079

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Eine wenig bekannten Anlageklasse

Autocallables gehören zu den Anlageprodukten, die vielen Privatanlegern bislang kaum begegnet sind. Dabei ermöglichen sie derzeit Ausschüttungen im zweistelligen Prozentbereich – häufig zwischen 12 und 15 Prozent pro Jahr. Die hohen Erträge entstehen jedoch nicht durch Dividenden, Anleihen oder Covered-Call-Strategien, sondern durch eine spezielle Struktur, die Elemente verschiedener Finanzinstrumente miteinander verbindet. Genau dieser Funktionsweise gehe ich im aktuellen Einkommensinvestoren-Deep-Dive auf den Grund!

Diese Podcastfolge wird von CapTrader (*) gesponsort. Der Broker begleitet mich seit vielen Jahren bei meinen eigenen Investments. Besonders schätze ich den Zugang zu internationalen Wertpapieren, die Möglichkeit zum Optionshandel sowie die günstigen Gebühren und den persönlichen Service.

Für Leser, Zuschauer und Hörer meiner Inhalte haben wir ein besonderes Angebot vereinbart: Bei einer Depoteröffnung über meine Partnerseite (*) erhältst Du zusätzlich ein persönliches 30-minütiges Gespräch mit mir. Dabei können wir Deine Fragen rund um Dividenden, Optionen, Anleihen oder andere Themen des Income Investing besprechen.

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  • 0:00:00 Das Versprechen hoher Ausschüttungen
  • 0:00:55 So funktionieren Einkommensstrategien
  • 0:03:34 Was ein Autocallable wirklich ist
  • 0:06:05 Woher die hohen Coupons kommen
  • 0:08:27 Wann Autocallables besonders gut laufen
  • 0:09:15 Das Risiko wird oft unterschätzt
  • 0:010:47 Was im Börsencrash passiert
  • 0:013:12 Wenn sich der Markt wieder erholt
  • 0:015:33 Warum ETFs anders reagieren
  • 0:017:12 Die Wette auf die rechtzeitige Erholung
  • 0:018:48 Warum Privatanleger außen vor bleiben
  • 0:021:58 Der Calamos Autocallable Income ETF
  • 0:023:44 Die Chancen und Risiken des ETFs
  • 0:027:09 Für welche Anleger das Konzept passt
  • 0:028:41 So können EU-Anleger den ETF kaufen
  • 0:029:46 Mein Fazit zu Autocallables
  • 0:030:46 Das Wichtigste auf einen Blick

Wie ein Autocallable funktioniert

Auf den ersten Blick wirken Autocallables wie eine Mischung aus Zertifikat, Anleihe und Optionsstrategie. Tatsächlich enthalten sie von allem etwas. Im Kern handelt es sich um strukturierte Produkte, deren Wertentwicklung von einem zugrunde liegenden Aktienindex abhängt.

Typischerweise bestehen sie aus drei zentralen Komponenten.

Zum einen gibt es einen festen Coupon. Solange bestimmte Bedingungen erfüllt bleiben, erhalten Anleger regelmäßige Zahlungen. Zum anderen existiert eine Risikobarriere, die häufig bei 40 Prozent unter dem Ausgangsniveau liegt. Solange der zugrunde liegende Markt diese Schwelle nicht unterschreitet, bleibt der Coupon erhalten.

Die dritte Komponente ist der sogenannte Autocall. Er sorgt dafür, dass das Produkt automatisch zurückgezahlt wird, sobald der zugrunde liegende Index an einem festgelegten Beobachtungstag wieder auf oder über seinem Startwert notiert. Daher stammt auch die Bezeichnung „Autocallable“ – automatisch kündbar beziehungsweise automatisch rückzahlbar.

Die Laufzeiten liegen meist zwischen drei und sieben Jahren, häufig bei fünf Jahren. Beobachtungstage für Coupons finden meist monatlich oder vierteljährlich statt. Auch die Prüfung eines möglichen Autocalls erfolgt regelmäßig, teilweise nach einer anfänglichen Sperrfrist von sechs bis zwölf Monaten.

Woher die hohen Ausschüttungen kommen

Die zentrale Frage lautet: Warum sind Ausschüttungen von 12 bis 15 Prozent überhaupt möglich?

Der Grund liegt darin, dass Anleger auf einen Teil möglicher zukünftiger Aktiengewinne verzichten. Vereinfacht gesagt wird potenzielles Kurswachstum gegen laufende Erträge getauscht.

Das erinnert oberflächlich an Covered Calls. Der Mechanismus ist jedoch ein anderer. Bei Covered Calls wird das Aufwärtspotenzial direkt begrenzt. Beim Autocallable entsteht die Begrenzung indirekt. Entwickelt sich der Markt positiv, steigt die Wahrscheinlichkeit einer vorzeitigen Rückzahlung. Das Kapital fließt zurück und der Anleger nimmt an einer weiteren Rally nicht mehr teil.

Für die emittierende Bank ist das attraktiv. Wenn die Kurse steigen, sinkt ihr Absicherungsbedarf. In einer solchen Situation besteht ein Interesse daran, das Produkt möglichst früh zurückzuzahlen, statt über Jahre hinweg hohe Coupons leisten zu müssen. Deshalb liegt die Autocall-Schwelle häufig bereits beim ursprünglichen Startwert.

Besonders gut funktionieren solche Konstruktionen in seitwärts laufenden Märkten sowie bei moderaten Auf- oder Abwärtsbewegungen. Auch deutlich fallende Märkte müssen nicht zwangsläufig problematisch sein. Entscheidend ist allein, ob die festgelegte Verlustschwelle unterschritten wird.

Das Risiko beginnt beim echten Crash

Der entscheidende Punkt bei Autocallables liegt nicht in normalen Marktschwankungen, sondern in seltenen Extremereignissen.

Solange die Märkte um 10, 20 oder sogar 30 Prozent fallen, bleibt die Barriere häufig intakt. Die Coupons werden weiter gezahlt. Die Struktur funktioniert wie vorgesehen.

Anders sieht es bei einem echten Börsencrash aus.

Wird die Barriere unterschritten, ändern sich die Spielregeln. Die Coupons entfallen und der Marktwert des Produkts bricht ein. Der Anleger nimmt nun deutlich stärker an den Verlusten des zugrunde liegenden Marktes teil.

Nehmen wir als Beispiel einen Startwert von 100, eine Barriere bei 60 und einen Markteinbruch auf 50 Punkte. In diesem Fall ist die Barriere verletzt. Der Ertragsstrom versiegt und der Markt bewertet das Produkt sofort neu. Der Preis fällt deutlich, weil nun die Möglichkeit besteht, dass am Laufzeitende nur ein Teil des ursprünglich eingesetzten Kapitals zurückgezahlt wird.

Der Verlust entsteht dabei nicht erst am Ende der Laufzeit. Die Neubewertung erfolgt unmittelbar über die tägliche Marktpreisermittlung.

Warum die Erholung entscheidend ist

Nach einem starken Kurseinbruch hängt das Ergebnis maßgeblich davon ab, ob sich der Markt rechtzeitig erholt.

Steigt der Index bis zum Laufzeitende wieder über die Barriere, kann das eingesetzte Kapital vollständig zurückgezahlt werden. Die zwischenzeitlichen Verluste verschwinden dann wieder aus der Endabrechnung. Wird sogar das Ausgangsniveau erreicht oder überschritten, kann zusätzlich ein Autocall ausgelöst werden, der das Produkt vorzeitig beendet.

Bleibt die Erholung hingegen aus und notiert der Markt am Laufzeitende weiterhin unterhalb der Barriere, wird der Verlust dauerhaft realisiert. In diesem Fall erhält der Anleger nur den entsprechenden Gegenwert des zugrunde liegenden Index zurück.

Hier zeigt sich ein wesentlicher Unterschied zu einem klassischen Aktien-ETF.

Ein breit gestreuter Aktien-ETF besitzt die zugrunde liegenden Unternehmen direkt. Er profitiert automatisch von einer späteren Markterholung. Ein Autocallable ist dagegen ein Vertrag mit festen Bedingungen und begrenzter Laufzeit. Nach einem schweren Einbruch kann die Position über Jahre in einer ungünstigen Struktur feststecken.

Der Anleger befindet sich dann faktisch in einer Wette auf eine ausreichende Erholung vor Laufzeitende.

Historisch betrachtet wären Barrieren von 40 Prozent beispielsweise während des Shutdown-Crashs 2020 nicht verletzt worden. Während der Dotcom-Krise oder der Finanzkrise nach der Lehman-Insolvenz sah die Situation dagegen anders aus.

Warum Privatanleger Autocallables nicht direkt kaufen können

Autocallables sind in der Regel keine börsengehandelten Wertpapiere. Es handelt sich vielmehr um individuell ausgehandelte OTC-Derivate zwischen Banken und institutionellen Investoren. OTC steht für „Over the Counter“, also außerbörslichen Handel.

Privatanleger können solche Verträge normalerweise nicht direkt erwerben. Sie besitzen keinen klassischen Börsenkurs. Ihr Wert wird anhand von Bewertungsmodellen der beteiligten Parteien ermittelt.

Dadurch entsteht eine deutlich geringere Transparenz als beispielsweise bei einem ETF auf den S&P 500.

Ein Instrument für ein bestimmtes Ziel

Ob die Investition in ein solches Produkt zweckmäßig ist, hängt weniger von der Konstruktion selbst als vom jeweiligen Anlageziel ab.

Für Anleger in der Vermögensaufbauphase erscheinen klassische Aktien-ETFs häufig als naheliegendere Lösung. Wer dagegen bereits Vermögen aufgebaut hat und laufende Erträge in den Vordergrund stellt, kann in Autocallables oder entsprechenden Fondsstrukturen eine mögliche Ergänzung sehen.

Entscheidend bleibt die korrekte Einstellung zur Ausschüttungsrendite. Die hohen Erträge entstehen nicht risikolos. Sie sind die Gegenleistung dafür, bestimmte Markt- und Vertragsrisiken zu übernehmen.

Autocallables sind keine Gelddruckmaschinen, sondern eine Form des Risikotransfers. Anleger tauschen einen Teil des möglichen Aufwärtspotenzials gegen laufende Zahlungen. Ob das im Einzelfall attraktiv ist, hängt letztlich von den persönlichen Anlagezielen und der Bereitschaft ab, die zugrunde liegenden Risiken zu tragen.

Hochdividendenwert des Monats

Der Calamos Autocallable Income ETF (NYSE: CAIE) bündelt nicht nur ein einzelnes Autocallable, sondern ein Portfolio aus zahlreichen unterschiedlichen Positionen. Nach Angaben des Anbieters umfasst das Portfolio derzeit 52 Autocallables. Wöchentlich wird ein neues Produkt hinzugefügt. Dadurch entstehen unterschiedliche Einstiegszeitpunkte, Laufzeiten und Vertragspartner.

Die Ausschüttungsrendite lag zuletzt bei rund 12,3 Prozent pro Jahr. Zu den Vorteilen zählen die hohen laufenden Ausschüttungen, der monatliche Zahlungsstrom sowie ein Risikoprofil, das sich von klassischen Dividendenstrategien unterscheidet. Dem stehen die begrenzte Beteiligung an starken Börsenanstiegen, die vergleichsweise komplexe Struktur und ein bestehendes Kontrahentenrisiko gegnüber.

Präsentiert wird der Hochdividendenwert des Monats vom monatlich ausschüttenden FU Fonds Bonds Monthly Income der Vermögensverwaltung Heemann.

Haftungsausschluss

Weitere Informationen zu den Risiken des Wertpapier- und Derivatehandels sowie zu möglichen Interessenskonflikten findest Du in meinem Haftungsausschluss und den Transparenzrichtlinien. Die dortigen Hinweise gelten entsprechend auch für den Podcast und das Video.

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