Faktencheck – Lohnt sich Crowdinvesting?

Außerbörsliches Beteiligungskapital

Neben börsennotierten Hochdividendenwerten im Allgemeinen und REITs im Speziellen habe ich in der Vergangenheit gelegentlich auch ausschüttungsstarke Alternativen vorgestellt und bisweilen sogar davor gewarnt. Wer im außerbörslichen Umfeld nach Unternehmens- und Immobilienbeteiligungen Ausschau hält, wird früher oder später auf das in den letzten Jahren immer populärer gewordene Crowdfunding oder Crowdinvesting stoßen.

Obwohl ich mit ReaCapital und Kapilendo bereits zwei Anbieter einem Geldgespräch unterzogen habe, ist Crowdfunding nicht mein Steckenpferd. Dafür das von Raphael Stange und Paul Scheffler. Die beiden betreiben seit September 2018 gemeinsam den Finanzblog „kreativ-investieren“ mit dem Ziel, ihren Lesern die Welt der Finanzen näher zu bringen. So hat es mich denn auch gefreut, dass sie sich bereit erklärt haben, das Thema Crowdinvesting grundlegend zu erörtern. Ihr Beitrag ist gleichzeitig der erste Gastartikel auf Nur Bares ist Wahres! – Vorhang auf für die Premiere:

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Was ist Sharing Economy?

In den letzten Jahren wurde der Begriff der Sharing Economy in den Medien sehr häufig thematisiert. Der Grundgedanke ist dabei oftmals, dass ungenutzte Ressourcen sinnvoll mit unseren Mitmenschen geteilt werden können. Eine der wohl bekanntesten Formen der Sharing Economy sind beispielsweise Mitfahrzentralen. Meistens läuft es dabei so ab, dass Person A eine bestimmte Strecke mit seinem Auto zurücklegen möchte, zum Beispiel von Berlin nach Stuttgart. Während bei solchen Fahrten der Fahrer meistens alleine die Reise antritt, bleiben die restlichen Sitzplätze im Auto unbelegt.

Das ist nicht nur aus ökologischer Sicht etwas zweifelhaft, sondern auch aus ökonomischer! Wenn es sich also nicht um eine spontane Fahrt handelt, dann wäre es für Person A eine Überlegung wert, die geplante Fahrt in einem entsprechenden Forum oder auf einer Plattform zu registrieren, sodass Person B sich der Tour anschließen kann. Neben vielen weiteren positiven Aspekten einer solchen Vorgehensweise, wäre der größte Vorteil für Person A dabei, dass Person B sich an den Kosten für die Fahrt beteiligt. Person B hingegen kann von den überschüssigen Ressourcen von Person A profitieren und kostengünstig seine Reise antreten.

Was verbindet Share Economy und Crowdfunding?

Mittlerweile gibt es im Alltag viele Beispiele, die sich in den Bereich der Share Economy einordnen lassen. Wenn wir nun unseren Fokus vom Konsum abwenden und uns mit dem Thema Investitionen beschäftigen, dann werden wir schnell feststellen, dass es auch in diesem Bereich Beispiele für die Sharing Economy gibt. Im Zusammenhang mit Investments wäre die „überschüssige Ressource“, die mit den Mitmenschen geteilt werden kann, dann ein Investitionsprojekt, an dem wir uns beteiligen können. Das mag im ersten Moment etwas abstrakt klingen, lässt sich aber leicht anhand eines Beispiels erklären.

Nehmen wir an, dass ein zahlungskräftiger Investor ein Pflegeheim als Kapitalanlage errichten möchte. Das notwendige Kapital dafür könnte er möglicherweise zwar selbst beschaffen, aber dennoch könnte es für diesen Investor Sinn machen, es anderen Menschen zu ermöglichen, an seinem Bauprojekt teilzuhaben. Aus Sicht des Hauptinvestors könnte ein einziges – und dazu womöglich sehr kapitalintensives – Investitionsprojekt zu einem hohen „Klumpenrisiko“ führen. Das heißt, wenn dem Investor 5 Millionen Euro zur Verfügung stünden und der geplante Bau des Pflegeheimes würde geschätzte 5 Millionen Euro kosten, dann wäre sein gesamtes Kapital in diesem einen Investment gebunden. Das kann natürlich gut gehen, scheint aber im Sinne der Risikostreuung nicht optimal zu sein. Stattdessen könnte der Investor darüber nachdenken, nur einen Teil seines Kapitals in das besagte Pflegeheim zu investieren und mit dem restlichen Geld eine andere Investition zu tätigen.

Wie werden Investitionsprojekte finanziert?

Wenn wir bei dem gerade beschriebenen Beispiel bleiben, dann stellt sich die Frage, wie der Großinvestor die entstandene Kapitallücke schließen möchte. Die Antwort darauf könnte (neben vielen weiteren Möglichkeiten) „Crowdinvesting“ beziehungsweise „Crowdfunding“ lauten. Das Wort „Crowd“ kommt aus dem Englischen und bedeutet nichts anderes als „Menge“ oder „Masse“. Bei bestimmten (oftmals relativ riskanten) Projekten, kommt es in letzter Zeit immer häufiger vor, dass die Verantwortlichen sich für die Finanzierungsform des Cowdinvesting oder Crowdfunding entscheiden. Im Klartext bedeutet das, dass die benötigte Kapitalmenge in viele kleine Portionen zerlegt wird und nach potenziellen Investoren gesucht wird.

Aus der Perspektive von uns Privatanlegern bietet sich dann die Möglichkeit, mit relativ kleinen Beträgen an größeren Investitionsprojekten teilnehmen zu können. In den letzten Jahren sind Crowdfunding-Projekte immer beliebter geworden und es kann in die verschiedensten Dinge investiert werden. Als Paradebeispiel für ein gelungenes Crowfunding-Projekt wird dabei häufig der Stromberg-Film angeführt. Mehr als 3.000 Kleinanleger haben die Summe von einer Million Euro aufgebracht, um das Filmprojekt umsetzen zu können. Nach der erfolgreichen Finanzierung entwickelte sich der Film auch zu einem kommerziellen Erfolg und die Produktionsfirma Brainpool schüttete einen Teil des Gewinns an die Anleger aus. In drei Jahren wurden dabei knapp 17 Prozent Gesamtrendite erzielt.

Was wird mittels Crowdfunding finanziert?

Nun mag ein Filmprojekt kein alltägliches Investment sein. Vielmehr handelte es sich bei vielen Kleinanlegern hier um eine Herzensangelegenheit. Dennoch kann das Grundprinzip auch auf andere Anlageformen übertragen werden. Am besten eignen sich dafür sehr kapitalintensive Vorhaben, wie zum Beispiel Investitionen in große Immobilienprojekte oder in junge Unternehmen. Die zunehmende Beliebtheit des Crowdinvesting ist dabei für jedermann sichtbar.

Zuletzt schossen entsprechende Plattformen, die Projektinitiatoren und Kleinanleger zusammenbringen sollen, wie Pilze aus dem Boden. Am beliebtesten sind dabei tatsächlich Immobilieninvestitionen. Auf den Plattformen von Exporo (*), Zinsbaustein (*), Bergfürst und Co., können interessierte Privatpersonen mit verhältnismäßig kleinen Beträgen in konkrete Immobilienprojekte investieren. Dabei kann es sich um die verschiedensten Projekte handeln, wie zum Beispiel die Polizeiwache von Hattingen oder ein Einkaufszentrum in Darmstadt. Häufig wird dem Anleger schon vorab ein bestimmter Zinssatz für seine Investition versprochen (meistens zwischen 4 und 7 Prozent). Wenn alles gut geht, kann ein solches Geschäft also durchaus lukrativ sein.

Ähnlich ist es übrigens bei Plattformen, die Investitionen in Start-Ups ermöglichen. Spätestens seit dem Erfolg von Sendungen wie „Die Höhle der Löwen“ oder „Das Ding des Jahres“ üben junge und aufstrebende Unternehmen eine nahezu magische Anziehungskraft auf Investoren aus. Die passenden Plattformen dafür heißen beispielsweise Companisto und Seedmatch (*). Die Funktionsweise ist der von Immobilienprojekten sehr ähnlich. Mit einem relativ kleinen Beitrag (bei Seedmatch 250 Euro) kann sich der interessierte Anleger an einem Start-Up beteiligen und dafür eine satte Rendite erwarten.

Warum ist eine differenzierte Betrachtung ratsam?

Die Vorteile des Crowdinvesting liegen also auf der Hand. Der Projektinitiator kann sein Risiko streuen und seinen Eigenkapitalbedarf reduzieren und gleichzeitig kann der Privatanleger mit verhältnismäßig wenig Geld in spannende Projekte mit guter Rendite investieren. Doch ist alles tatsächlich so positiv, wie es im ersten Moment scheint? Auf diese Frage gibt es aus unserer Sicht keine 100 Prozent korrekte Antwort. Es muss jedoch jedem Kleinanleger klar sein, dass die Höhe der Rendite in der Regel mit dem Risiko einer Investition korreliert.

Wenn wir also in sehr sichere Anlagen investieren (zum Beispiel deutsche Staatsanleihen) dann werden die Zinsen entsprechend gering sein. Das gilt insbesondere in der aktuell vorherrschenden Niedrigzinspolitik der meisten Zentralbanken. Wer also einerseits bei einem Tagesgeldkonto mit Zinsen von weniger als 1 Prozent pro Jahr rechnen muss, der sollte doch ein wenig differenzierter über Investitionen mit einer versprochenen Rendite nachdenken, die den Leitzins um ein Vielfaches übersteigt. Wir sagen nicht, dass es nicht funktioniert, aber die Anleger sollten sich bewusst sein, dass es gewisse Risiken gibt.

Wie wirkt sich die Niedrigzinspolitik aus?

Ein großes Risiko sehen wir beispielsweise in der soeben erwähnten Niedrigzinspolitik der Zentralbanken. Die Zinsen werden momentan von den Zentralbanken künstlich niedrig gehalten, um das Geld (Kredite) zu verbilligen und Unternehmen auf diesem Wege dazu zu motivieren mehr Investitionen zu tätigen. Diese Maßnahme soll die Wirtschaft in Schwung halten und dabei helfen die Folgen der letzten Finanzkrise zu überwinden. Für uns persönlich stellt sich dann die Frage, warum Projektinitiatoren nicht von diesen günstigen Krediten profitieren möchten und stattdessen lieber verhältnismäßig teures Kapital von Privatanlegern einsammeln? Nun ja, es liegt auf der Hand, dass die Projektverantwortlichen keine Altruisten sind. Die Antwort kann daher nur lauten, dass die meisten Crowdfunding Projekte wohl nicht auf dem normalen Weg von einer Bank finanziert werden würden. Das Risiko wäre aus Sicht der Bank einfach zu hoch. Dies könnte unter Umständen als Indiz dafür gesehen werden, dass die versprochenen Renditen keineswegs so sicher sind, wie sie zunächst erscheinen mögen.

Welche weiteren Risiken gibt es?

Speziell bei Immobilienprojekten gilt es zudem zu beachten, dass (ebenfalls als Folge der Niedrigzinspolitik) die Immobilienpreise in den letzten Jahren extrem stark angestiegen sind. Es darf bezweifelt werden, dass sich dieser Trend unendlich lange fortsetzen wird. Gegebenenfalls könnten die Immobilienpreise zwischenzeitlich sogar etwas nachgeben, wenn der Markt zu sehr überhitzt. Ein weiteres Risiko ist, dass Crowdfunding Projekte oftmals mit Nachrangdarlehen durchgeführt werden. Das heißt, dass die Forderungen des kleinen Privatanlegers erst bedient werden, wenn die „wichtigeren“ Gläubiger bereits ihr Geld erhalten haben. Ob dann überhaupt noch etwas Geld übrig bleibt, das an die Anleger ausgeschüttet werden kann, bleibt zumindest zweifelhaft. Ähnlich wie bei Peer-to-Peer-Krediten besteht außerdem ein mögliches Plattformrisiko. Es ist also nicht immer klar, was mit den einzelnen Investitionen passieren würde, wenn eine Plattform – aus welchem Grund auch immer – ihren Betrieb einstellen würde. Die staatliche Einlagensicherung, die das Kapital der Bundesbürger bis zu einer bestimmten Summe absichert dürfte ebenfalls in vielen Fällen nicht zur Anwendung kommen. Zu guter Letzt darf auch nicht vergessen werden, dass im Falle eines positiven Ausgangs der Investition natürlich Steuern anfallen. Meistens sind das die Kapitalertragssteuern, die mit circa 25 Prozent zu Buche schlagen.

Für wen lohnt sich Crowdinvesting?

Zusammenfassend bleibt festzuhalten, dass Crowdinvestitionen ein überaus spannendes Thema sind. Die Ideen und Ansätze der Sharing Economy etablieren sich in immer mehr Bereichen unseres Alltags. Dementsprechend können Crowdfunding-Projekte auch eine attraktive Möglichkeit darstellen, um in Anlageklassen zu investieren, die eigentlich nicht mit dem eigenen Budget vereinbar wären. Außerdem winken im Erfolgsfall überdurchschnittlich hohe Renditen (siehe Stromberg-Film). Interessierten Anlegern empfehlen wir doch eine etwas differenziertere Sichtweise auf die angebotenen Projekte. Es muss klar sein, dass ein solches Investment mit gewissen Risiken verbunden ist, die bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen können. Der Wunsch nach maximaler Rendite sollte also nicht dazu führen, dass die Rationalität und das logische Denkvermögen ausgeschaltet werden.

Wo gibt es mehr von uns zu lesen?

Wir sind beide bei einem großen, börsennotierten Unternehmen tätig und beschäftigen uns in unserer Freizeit gerne mit Finanzthemen. Wir finden es schade, dass die meisten Deutschen dem Thema Investitionen sehr skeptisch gegenüber stehen und sich meist auf eher konservative Anlageformen beschränken. In der aktuellen Niedrigzinsperiode, in der wir uns nun schon seit Jahren befinden, wird der Durchschnittsbürger daher bestenfalls sein Kapital erhalten. Wird die Inflationsrate mit berücksichtigt, findet in vielen Fällen sogar ein schleichender Verlust der realen Kaufkraft statt. Die Konsequenz daraus ist, dass die meisten Menschen sich entweder mit den Minizinsen arrangieren oder nahezu ihr gesamtes Einkommen verkonsumieren.

So oder so ergibt sich aus dieser Entwicklung ein erhöhtes Risiko von Altersarmut. Unsere Mission ist es daher ganz normalen „Durchschnittsbürgern“, die sich vielleicht bisher nicht so intensiv mit dem Thema Finanzen auseinandergesetzt haben, verschiedene Anlageformen vorzustellen. Ziel ist es dabei, die notwendigen Grundlagen so einfach wie möglich zu erklären und die Leser so zu motivieren, sich selbst um ihre Finanzen zu kümmern und mehr Eigenverantwortung zu übernehmen. Wir behandeln dabei unter anderem die Themen: Aktien, ETFs, Peer-2-Peer-Kredite, Immobilien und Crowdinvesting. Weitere Informationen gibt es auf unserem Blog, in unserem Newsletter sowie auf allen gängigen Social-Media-Kanälen.

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Fragen und Anmerkungen

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7 Antworten auf „Faktencheck – Lohnt sich Crowdinvesting?“

  1. Hi, eine kleine Anmerkung und Ergänzung – diese Einführung hat in den Beispielen nur einen Fokus auf deutsche Anbieter/Plattformen und lässt auch das Investment in Eigenkapital über Plattformen (wie Companisto oder den UK Pendants) aus.

    Zum Zinsniveau: die baltischen Plattformen bieten im neben dem P2P auch im Investbereich höhere Zinsen, bei gleichem oder sogar geringeren Risko.

    Und zum Filmbeispiel – bei 17% in drei Jahren, statt p.a., von einer überdurchschnittlichen Rendite zu sprechen, erscheint mir auch fraglich.

  2. Hallo Wolfgang,

    danke für deine Anmerkungen!

    Da hast natürlich Recht, dass wir uns hier ausschließlich auf den deutschen Raum beschränkt haben. Für Folgeartikel wäre es da in der Tat angebracht, einen etwas internationaleren Fokus anzuwenden. In diesem Artikel hier ging es vorrangig um das Grundprinzip von solchen Plattformen.

    Ob 17% in 3 Jahren eine überdurchschnittliche Rendite sind, das muss letztendlich jeder Anleger für sich entscheiden. Im Vergleich mit konservativeren Anlageformen (z.B. Tagesgeld), ist es aus meiner Sicht schon ziemlich viel 🙂

    Viele Grüße,
    Paul

  3. Hey Leute,

    ich finde euren Beitrag echt toll. Ich wollte mich sowieso schon seit längerer Zeit mit dem Thema Crowdinvestung beschäftigen.

    Ich wünsche einen schönen Sonntag!

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