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Der KI-Boom und die Risiken für Anleger
Die Aktienmärkte steigen, während sich die Warnsignale häufen. Hohe Staatsschulden, teure Immobilien, milliardenschwere KI-Investitionen und geopolitische Unsicherheiten nähren die Sorge vor einem neuen Börsencrash. Im Cash Call diskutieren Dominik und ich, welche Parallelen zu früheren Spekulationsphasen bestehen, wo die größten Risiken liegen und weshalb selbst offensichtliche Übertreibungen nicht zwangsläufig einen unmittelbar bevorstehenden Kurssturz ankündigen.
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- 0:00:00 Börsencrash: Welche Warnsignale gibt es?
- 0:04:14 Eisenbahn und Internet als historische Vorbilder
- 0:08:03 Wie die USA ihre Staatsschulden finanzieren
- 0:12:27 Hohe Schulden bedeuten nicht automatisch hohe Zinsen
- 0:16:41 Wie die US-Politik die Finanzmärkte beeinflusst
- 0:20:54 Vermögen, Kredite und wirtschaftliche Ungleichheit
- 0:24:46 Amerikas Immobilienmarkt unter Druck
- 0:28:13 Warum Immobilienbesitzer ihren Reichtum überschätzen
- 0:33:18 Warum Vermögensaufbau immer schwieriger wird
- 0:38:18 Wie unterschiedliche Generationen Vermögen aufbauen
- 0:42:05 Nvidia und Cisco: Wiederholt sich die Geschichte?
- 0:46:13 Warum Marktführer ihre Vormachtstellung verlieren
- 0:49:02 Wie Energieversorger vom KI-Boom profitieren
- 0:52:11 Wann aus Begeisterung eine Spekulationsblase wird
- 0:55:18 KI-Rechenzentren als neue Anlageklasse
- 1:00:02 Wie KI-Investitionen die Bilanzen beeinflussen
- 1:04:34 Chinas KI-Konkurrenz fordert die USA heraus
- 1:08:12 Wie produktiv ist künstliche Intelligenz wirklich?
- 1:12:38 Wie KI die Arbeitswelt verändert
- 1:16:01 Selbstfahrende Autos und neue Geschäftsmodelle
- 1:20:17 KI-Texte und die Grenzen der Erkennbarkeit
- 1:24:11 Sind hohe KI-Bewertungen gerechtfertigt?
- 1:28:09 Weitere Risiken für die Weltwirtschaft
- 1:32:16 Was Anleger aus früheren Börsencrashs lernen
- 1:36:10 Taiwan als Risiko für die Chipindustrie
Zwischen Dotcom-Blase und amerikanischen Staatsschulden
Der gegenwärtige Boom der künstlichen Intelligenz erinnert in mancher Hinsicht an die Internetrevolution der späten 1990er-Jahre. Damals wie heute investieren Unternehmen gewaltige Summen in neue Infrastruktur, obwohl deren spätere Erträge noch nicht vollständig absehbar sind. Gleichzeitig entsteht für die Beteiligten ein erheblicher Wettbewerbsdruck: Wer nicht investiert, riskiert, technologisch den Anschluss zu verlieren.
Historische Parallelen finden sich bereits beim Eisenbahnbau des 19. Jahrhunderts. Die neue Verkehrstechnologie veränderte Wirtschaft und Gesellschaft grundlegend. Dennoch verschwanden zahlreiche Eisenbahngesellschaften wieder vom Markt. Die Infrastruktur blieb bestehen und konnte von anderen Unternehmen genutzt werden. Ähnliches geschah nach dem Platzen der Dotcom-Blase. Das Internet setzte sich durch, obwohl viele seiner frühen Börsenstars scheiterten.
Daraus folgt allerdings keine unmittelbare Crashprognose. Auch 1998 und 1999 waren zahlreiche Übertreibungen erkennbar. Trotzdem stiegen die Kurse zunächst weiter. Wer damals zu früh verkaufte, verpasste erhebliche Gewinne.
Ein zweiter Risikokomplex betrifft die amerikanischen Staatsfinanzen. Die USA müssen einen gewaltigen Schuldenberg verwalten, während steigende langfristige Zinsen die Finanzierung verteuern. Finanzminister Scott Bessent steht damit vor einer schwierigen Aufgabe. Eine Möglichkeit wäre, die langfristigen Renditen durch Eingriffe am Anleihemarkt zu beeinflussen. Solche Maßnahmen können allerdings Gegenreaktionen hervorrufen, wenn Investoren gerade wegen der Intervention höhere Risikoprämien verlangen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es den USA bereits, ihre Schuldenquote erheblich zu reduzieren. Eine wichtige Rolle spielte dabei die finanzielle Repression, bei der die Gläubiger durch staatlich beeinflusste Zinsen und Inflation einen Teil der Last trugen. Auch eine Neubewertung der amerikanischen Goldreserven wird gelegentlich als theoretische Möglichkeit diskutiert.
Die verbreitete Gleichsetzung hoher Staatsschulden mit zwangsläufig steigenden Anleiherenditen greift jedoch zu kurz. Die Bonität eines Staates hängt von zahlreichen Faktoren ab. In den Clinton-Jahren erzielten die USA zeitweise Haushaltsüberschüsse, ohne dass die langfristigen Zinsen deshalb besonders niedrig gewesen wären.
Hinzu kommt die politische Dimension. Vor den amerikanischen Zwischenwahlen besteht ein erheblicher Anreiz, die wirtschaftliche Stimmung zu verbessern. Gerade die Finanzierungskosten für Immobilien spielen dabei eine wichtige Rolle.
Immobilienpreise, Inflation und die Vermögensfrage
Am amerikanischen Immobilienmarkt treffen hohe Bewertungen auf gestiegene Hypothekenzinsen. In manchen Regionen bleiben Häuser inzwischen monatelang unverkauft. Verkäufer müssen ihre Preisforderungen reduzieren, während Käufer angesichts der Finanzierungskosten zurückhaltend bleiben.
Anders als Aktien besitzen Immobilien keinen laufend sichtbaren Börsenkurs. Eigentümer orientieren sich häufig am ursprünglichen Kaufpreis oder an früher erzielten Höchstpreisen. Hinzu kommt der Besitztumseffekt: Was einem selbst gehört, wird tendenziell höher bewertet als ein vergleichbares fremdes Objekt.
Auch die langfristige Rendite von Immobilien wird häufig überschätzt. Wer ein Haus vor Jahrzehnten günstig erworben hat und heute mit erheblichem nominalem Gewinn verkauft, berücksichtigt dabei nicht immer Inflation, Instandhaltung und weitere Kosten. Nach deren Abzug kann die tatsächliche Rendite wesentlich bescheidener ausfallen.
Die Immobilienentwicklung unterscheidet sich allerdings erheblich nach Region. Während die Preise in amerikanischen Großstädten teilweise regelrecht explodierten, verlief der Anstieg andernorts wesentlich moderater.
Die steigenden Vermögenspreise haben auch gesellschaftliche Folgen. Eine im Gespräch erwähnte Untersuchung legt nahe, dass jüngere Menschen heute erheblich länger benötigen, um einen vergleichbaren Vermögensbestand aufzubauen als frühere Generationen. Nicht unbedingt, weil ihre Einkommen relativ stärker zurückgefallen wären, sondern weil Immobilien und andere Vermögenswerte schneller im Preis gestiegen sind.
Daraus entstehen unterschiedliche Erfahrungen zwischen den Generationen. Wer in den wirtschaftlich günstigen 1990er-Jahren mit dem Vermögensaufbau begann, hatte andere Voraussetzungen als jemand, der heute erstmals eine Immobilie erwerben oder ein Aktiendepot aufbauen möchte. Frühere Erfolgsrezepte lassen sich deshalb nicht ohne Weiteres übertragen.
Für mich besteht ein wesentlicher Vorzug des Income Investing darin, laufende Erträge nutzen zu können, ohne den zugrunde liegenden Vermögensbestand planmäßig aufzehren zu müssen. Dividenden, Zinsen und andere Ausschüttungen dienen dem Lebensunterhalt, während das Kapital möglichst erhalten bleibt.
Nvidia, Cisco und die Finanzierung des KI-Booms
Besonders deutlich werden die historischen Parallelen beim Vergleich von Nvidia und Cisco. Cisco gehörte während des Internetbooms zu den wertvollsten Unternehmen der Welt. Das Unternehmen erzielte reale Gewinne und lieferte wichtige Infrastruktur für die Digitalisierung. Trotzdem verlor seine Aktie nach dem Platzen der Dotcom-Blase zeitweise rund 80 Prozent ihres Wertes.
Auch Nvidia verdient heute außerordentlich viel Geld. Doch hohe Gewinne allein schützen nicht vor fallenden Aktienkursen. Außergewöhnliche Margen locken Wettbewerber an. Hinzu kommt die Gefahr, dass Anleger künftige Erfolge bereits weitgehend in den heutigen Bewertungen vorwegnehmen.
Die Geschichte früherer Marktführer zeigt, wie schnell sich Wettbewerbsvorteile verändern können. Nokia dominierte einst den Mobiltelefonmarkt, verlor aber beim Übergang zum Smartphone seine führende Stellung. Technologische Pioniere müssen nicht zwangsläufig die langfristigen Gewinner einer Branche sein.
Beim KI-Boom kommt eine weitere Besonderheit hinzu: Die Infrastruktur wird zunehmend über umfangreiche Finanzierungsprogramme aufgebaut. Nvidia und andere Beteiligte haben ein Interesse daran, dass Betreiber von Rechenzentren ausreichend Kapital erhalten, um weitere Chips zu kaufen.
Die Rechenzentren selbst könnten sich als eigenständige Anlageklasse etablieren. Selbst wenn einzelne Betreiber scheitern, bleibt die technische Infrastruktur grundsätzlich vorhanden. Allerdings stellt sich die Frage, wie dauerhaft deren wirtschaftlicher Wert ist. Hochleistungschips altern technologisch schnell. Bei ihrer bilanziellen Abschreibung kommt es deshalb darauf an, ob die angesetzte Nutzungsdauer die tatsächliche wirtschaftliche Entwertung angemessen widerspiegelt.
Eine interessante Position nehmen Energieversorger ein. Rechenzentren benötigen enorme Strommengen, weshalb Kraftwerksbetreiber zusätzliche Kapazitäten planen. Unternehmen wie Southern Company, an der ich beteiligt bin, können langfristige Lieferverträge mit großen Abnehmern abschließen, bevor sie neue Infrastruktur errichten. Damit unterscheidet sich ihr Geschäftsmodell von Betreibern, die zunächst Milliarden investieren und erst später auf ausreichende Nachfrage hoffen.
Gleichzeitig breitet sich die KI-Fantasie auf immer mehr Branchen aus. Auch das erinnert an die späten 1990er-Jahre, als bereits ein Internetbezug im Firmennamen erhebliche Kursgewinne auslösen konnte. Eine vergleichbare allgemeine Spekulationseuphorie lässt sich gegenwärtig allerdings noch nicht in gleichem Umfang beobachten.
Chinesische Konkurrenz und die Folgen für die Arbeitswelt
Ein weiteres Risiko für die Geschäftsmodelle amerikanischer KI-Unternehmen könnte aus China kommen. Als Vergleich dient der Diamantenmarkt. Künstlich hergestellte Diamanten haben die Preise erheblich unter Druck gesetzt und die wirtschaftliche Stellung etablierter Anbieter geschwächt.
Bei KI-Modellen könnte sich eine ähnliche Entwicklung abzeichnen. Wenn chinesische Anbieter vergleichbare Leistungen zu einem Bruchteil der Kosten bereitstellen, geraten die Ertragserwartungen von OpenAI, Anthropic und anderen Unternehmen unter Druck. Nicht jeder Anwender benötigt schließlich das leistungsfähigste Modell. Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Kosten und tatsächlichem Nutzen.
Über die wirtschaftliche Bedeutung der KI gehen die Einschätzungen auseinander. Während sich in manchen Branchen bislang kaum Veränderungen zeigen, hat die Technologie die Softwareentwicklung bereits erheblich verändert. KI-Systeme übernehmen Aufgaben, für die Unternehmen bisher Nachwuchsentwickler beschäftigten. Anders als frühere Automatisierungswellen betrifft diese Entwicklung zunehmend auch anspruchsvolle Bürotätigkeiten.
Autonom fahrende Taxis zeigen, dass die Verbindung von KI und Robotik bereits praktische Anwendungen besitzt. Langfristig könnten weitere Tätigkeiten automatisiert werden. Ob daraus tatsächlich ein allgemeines Ende der Erwerbsarbeit folgt, bleibt offen. Ähnliche Befürchtungen begleiteten schon frühere technische Umbrüche, ohne dass die menschliche Arbeit insgesamt verschwand.
Kritisch betrachtet wird auch die europäische KI-Regulierung. Als historisches Beispiel dient der britische Red Flag Act, der die frühe Automobilentwicklung durch restriktive Vorschriften behinderte. Der Vergleich verdeutlicht die Befürchtung, dass übermäßige Regulierung technologische Fortschritte ausbremsen könnte.
Mögliche Börsengänge großer KI-Unternehmen werden ebenfalls diskutiert. Ein einzelner Börsengang von Anthropic oder OpenAI wäre jedoch noch kein zuverlässiges Signal für das Ende des Booms. Aussagekräftiger wäre eine breite Spekulationswelle, bei der zahlreiche Unternehmen ohne tragfähiges Geschäftsmodell allein vom KI-Etikett profitieren wollen.
Schwarze Schwäne und die Vorbereitung auf einen Börsencrash
Neben der KI-Euphorie bleiben weitere Risiken bestehen. Steigende Ölpreise infolge von Angebotsverknappungen können insbesondere Länder belasten, die ihre Energieimporte in US-Dollar finanzieren müssen. Auch Störungen wichtiger Handelswege wie der Straße von Hormus könnten über höhere Energie- und Düngemittelpreise zusätzliche Inflation auslösen.
Hinzu kommen Schwierigkeiten im amerikanischen Markt für private Kredite. Bei einzelnen Fonds sind Rückgaben begrenzt, während börsennotierte Kreditgesellschaften, sogenannte Business Development Companies (BDCs), zeitweise erhebliche Kursverluste verzeichneten. In dem Zuge verweise ich darauf, dass solche Entwicklungen auch Chancen eröffnen können, sofern die betroffenen Unternehmen ausreichend diversifiziert und solide finanziert sind.
Ein weiteres geopolitisches Risiko betrifft Taiwan. Dort werden bei TSMC wesentliche Teile der modernen Halbleiterproduktion abgewickelt. Eine militärische Eskalation könnte die Lieferketten der gesamten KI-Industrie erheblich beeinträchtigen.
Ob eines dieser Ereignisse tatsächlich den nächsten Börsencrash auslöst, lässt sich nicht vorhersagen. Ein schwarzer Schwan zeichnet sich gerade dadurch aus, dass sein Eintritt nicht zuverlässig erwartet wird.
Für langfristige Anleger ist deshalb weniger die genaue Prognose entscheidend als die Vorbereitung auf schwierige Marktphasen. Die Börsengeschichte kennt ausgedehnte Zeiträume mit stagnierenden oder fallenden Aktienkursen: die Jahre nach 1929, die Phase von Mitte der 1960er- bis Anfang der 1980er-Jahre und das verlorene Jahrzehnt nach der Jahrtausendwende.
Wer über Jahrzehnte investiert, sollte mindestens eine solche Phase einkalkulieren. Dabei hilft eine breite Streuung, denn rückblickend werden häufig nur die erfolgreichen Unternehmen betrachtet. Die zahlreichen gescheiterten Konkurrenten geraten dagegen in Vergessenheit.
Persönlich setzte ich deshalb auf eine Kombination aus laufenden Erträgen, Liquiditätsreserven und Absicherungen. Freie Mittel ermöglichen es, bei fallenden Kursen nachzukaufen. Zugleich besitzt diese Handlungsfreiheit einen psychologischen Wert, der sich nicht unmittelbar in der Gesamtrendite ausdrückt.
Auch langlaufende Staatsanleihen kommen als möglicher Gegenpol zu einem aktienlastigen Portfolio infrage. In einer rezessionsbedingten Börsenkrise können sinkende Zinsen und die Nachfrage institutioneller Investoren ihre Kurse stützen. Eine Garantie ist das allerdings nicht.
Der nächste Börsencrash wird kommen, sein Zeitpunkt bleibt unbekannt. Ebenso wenig lässt sich ausschließen, dass die Kurse zuvor noch erheblich steigen. Ein langfristiges Anlagekonzept muss deshalb nicht den nächsten Wendepunkt treffen. Es muss auch dann funktionieren, wenn die Entwicklung anders verläuft als erwartet.
Haftungsausschluss
Zu den Risiken und Nebenwirkungen des Handels mit Derivaten und Wertpapieren, den veröffentlichten Informationen sowie besprochenen Möglichkeiten der Geldanlage einschließlich potenzieller Interessenskonflikte verweise ich auf den Haftungsausschluss und die Transparenzrichtlinien, die analog für den Podcast und das Video gelten.
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