Kurzrezension – Dexit: Warum der Ausstieg Deutschlands aus dem Euro zwar schwierig, aber dennoch machbar und notwendig ist

Titelbild von Dexit

Von Bruno Bandulet, 189 Seiten, 19,99 Euro, Kopp Verlag 2018.

Am 23. April 1998 erklärte Helmut Kohl in einer Rede vor dem Bundestag zur Einführung des Euro: „Von der heutigen Entscheidung […] hängt es wesentlich ab, ob künftige Generationen in Frieden und Freiheit, in sozialer Stabilität und auch in Wohlstand leben können.“ In den letzten Jahren hat sich mehr und mehr abgezeichnet, wie Recht er damit haben sollte.

Heute steht das Eurosystem vor dem Scheideweg: Schrecken ohne Ende oder ein Ende mit Schrecken? Weder noch, der kontrollierte Ausstieg aus der verkorksten Währungsunion wäre machbar, die Kosten für den deutschen Staatshaushalt könnten sich im Rahmen halten und für die ehemaligen Weichwährungsländer wäre der Dexit ohnehin ein Befreiungsschlag, so der Autor des gleichnamigen Buchs. Mit Bruno Bandulet schreibt hier ein ausgewiesener Kenner der Materie. Der Politologe, Historiker und Volkswirt gehört zu den frühesten und profiliertesten Kritikern der Einheitswährung. Deren Werdegang zeichnet er in den wesentlichen Zügen nach, die sich mit der zeitlichen Distanz wie ein Politkrimi lesen.

Angefangen vom „Super-Versailles“, dem übereilten und unnötigen Tausch der D-Mark gegen die Wiedervereinigung über den Finanzsektor, der sich an der politischen Zinskonvergenz risikolos mästen konnte bis hin zu den mannigfaltigen Rechtsbrüche und der quasireligiösen Überhöhung des Euro spannt Bandulet einen dreißig Jahre umfassenden Bogen. Dabei sichert er seine Erkenntnisse auf zum Teil erst in jüngerer Zeit verfügbare Primärquellen.

Heute stehen Bundesbank und Sparer mit Milliardenverlusten dar, gigantischen ungedeckten Krediten (Stichwort: TARGET2), einer Immobilienblase sowie einer aufgrund des billigen Geldes exportlastigen und damit rezessionsanfälligen Unternehmenslandschaft. Für das durchdeklinierte Austrittsszenario hat sich Bandulet historischer Vorbilder bedient. Wohl um die äußerst geringe Wahrscheinlichkeit des Dexit wissend, empfiehlt er zumindest die Einführung und Zulassung von Parallelwährungen, wie sie zuletzt in Italien angedacht wurden.

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5 Antworten auf „Kurzrezension – Dexit: Warum der Ausstieg Deutschlands aus dem Euro zwar schwierig, aber dennoch machbar und notwendig ist“

  1. 1. Kopp-Verlag, lächerlicher geht’s leider kaum
    2. Wortwahl und Ausdruck aus einem sehr weit nach rechts verschobenem Metier
    3. Als Exportnation über so etwas wie den Austritt aus einem Gemeinschaftsverbund nach zu denken ist schlicht weg dumm, nun ja, sehr dumm.
    Empfehlen möchte ich: lesen Sie doch Sachen die nicht aus dem Kopp-Verlag stammen. Allein der Wikipediaeintrag sagt schon alles “ Der Verlag vertreibt eigene und fremdverlegte Bücher und andere Medien zu gesellschaftlichen und politischen Themen und führt u. a. rechtsesoterische, grenz- und pseudowissenschaftliche, verschwörungstheoretische sowie rechtspopulistische und rechtsextreme Titel.“
    Gruß von außerhalb ihrer rechten Infoblasen.

  2. Vielen Dank für diesen erhellenden Kommentar. Das meine ich wirklich ernst, sagt er doch viel über den Sender und gar nichts über den Empfänger aus. Und das finde ich höchst interessant.

    Im Windschatten der Anonymität des Internets arbeiten Sie sich wikipediagestählt und gratismutig mit geschlossenem Visier an allem Möglichen ab, nur nicht am eigentlichen Thema. Am Ende haben Sie dann noch die Chuzpe, mich zu beleidigen – und das auch noch in fehlerhaftem Deutsch. Nun ja, ich fasse das mal als Ritterschlag im Sinne Harald Martensteins auf, demnach jeder Autor als langweilig gilt, der noch nie in die rechtsradikale Ecke gestellt wurde.

    Offensichtlich glauben Sie an ein Ende der (Währungs-)Geschichte, welche jedwede Diskussion hierüber überflüssig beziehungsweise „nun ja, sehr dumm“ macht. Ich nicht. Wissen Sie eigentlich, wie viele Gemeinschaftswährungen es gab und wie viele gescheitert sind? Und warum? Der teuerste Satz an den Finanzmärkten lautet nicht umsonst: Dieses Mal ist alles anders! Gerade aufgrund der Alltagsrelevanz halte ich die Beschäftigung mit dem Eurosystem für so wichtig.

    Mir ist schon klar, dass der Kopp-Verlag überdurchschnittlich viele esoterische, verschwörungstheoretische, parawissenschaftliche und sonstige „zwielichtige“ Themen bespielt. Aber die interessieren mich doch gar nicht. Mich interessiert hier ausschließlich der Inhalt von „Dexit“. In Summe halte ich den Titel für lesenswert, übrigens gerade aufgrund der Fülle historischer Materialien, sowie Dr. Bandulet für einen ausgewiesenen Kenner der Materie und darüber hinaus einen integren Charakterkopf. Wer den Verlag nicht unterstützen möchte, kann sich den Titel für kleines Geld in einem der vielen Onlineantiquariate bestellen und unterstützt damit eben einen Kleinhändler. Wo also ist das Problem?

    Wie Ihnen vermutlich entgangen ist, habe ich auf meinem Blog viele Bücher aus zahlreichen Verlagen rezensiert. Da stellt sich mir jetzt natürlich die Frage, welchen Maßstab an das Gesamtprogramm eines Verlags ich Ihrer Meinung nach legen sollte, um einen Einzeltitel als besprechungswürdig oder besprechungsunwürdig einstufen zu können? Wie hoch darf der Anteil maximal „umstrittener“ Programmteile sein und wer definiert diese? Gilt der Maßstab auch für Autoren?

    Mein Standpunkt: Es gibt weder gute noch schlechte Verlage noch gute und schlechte Autoren, sondern nur lesenswerte oder nicht lesenswerte Bücher. Diese werde ich auch künftig nicht einer Vorselektion durch das Sieb des politischen Zeitgeistes unterziehen, sondern ausschließlich ergebnisoffen anhand der (finanzwirtschaftlichen) Inhalte auswählen. Sollten diese zum Erkenntnisgewinn beitragen, werde ich den Titel auf dem Blog vorstellen!

    Ein letzter Hinweis: Wer mit einem Finger auf andere zeigt richtet gleichzeitig drei Finger auf sich. Wer von uns beiden lebt eigentlich in der engmaschigeren Filterblase?

    Freundliche Grüße
    Luis Pazos

  3. Rezension von Alex: Ich schließe mich meinem Vorredner an: Aus der Anonymität heraus einen ganzen Verlag samt seinen Autoren zu diffamieren ist natürlich SEHR mutig. Hört sich fast wie ein Antifa-Troll an. Fakt ist: Widerlegen Sie die QUELLEN in dem Buch, aber dazu sind Sie anscheinend nicht in der Lage, weil
    1) evtl. das Buch gar nicht gelesen
    2) intellektuell dazu nicht fähig

  4. Luis Pazos, ich bin sehr dankbar (auch) für diese Rezension. Man kann das Thema Währungen wie folgt zusammen:
    1) Die Geschichte reicht etwa 5000 Jahre zurück. Welche Währungen, die es heute noch gibt (sofern mal Gold als Währung betrachtet) gibt es heute noch.
    2) Wohin Papiergeld-Währungen (fiat money) tendieren, wusste schon Voltaire vor über 200 Jahren: zum inneren Wert.

    Glückliches Investieren!

    1. Das ist in der Tat eine ebenso kompakte wie zutreffende Zusammenfassung der Geldordnungen der letzten 5.000 Jahre. Oder um mit Voltaires Landsmann Montesquieu zu sprechen: Glücklich das Volk, dessen (Währungs-)Geschichte sich langweilig liest.

      Beste Grüße
      Luis Pazos

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