Beitrag im Audioformat
Zwei Strategien und ein gemeinsamer Nenner
Sechs Monate lang blieben die Depots unangetastet. Keine Käufe aufgrund kurzfristiger Schlagzeilen, keine Verkäufe aus Unsicherheit. Im traditionellen Halbjahresrückblick vergleichen wir die Entwicklung unserer Echtgelddepots mit Einzelaktien und ziehen Bilanz über das erste Börsenhalbjahr 2026. Dabei stehen nicht nur Performance und Einzelwerte im Mittelpunkt, sondern auch die Frage, welche Erkenntnisse sich aus einem von geopolitischen Ereignissen und technologischen Veränderungen geprägten Marktumfeld ableiten lassen.
Podcast im Videoformat
Wer kein Video mehr verpassen möchte, abonniert am besten meinen YouTube-Kanal. Dazu genügt es beim erstmaligen Aufruf das eingeblendete Abonnement zu bestätigen oder alternativ auf der Startseite auf „Abonnieren“ beziehungsweise direkt im Video auf das Bloglogo unten rechts zu klicken. Zu den Inhalten und Zeitmarken:
- 0:00 Wir ziehen Bilanz nach sechs Monaten
- 0:49 Geopolitik prägt das Börsenhalbjahr
- 3:18 Warum Nichtstun oft die bessere Strategie ist
- 6:09 Unsere Performance im ersten Halbjahr 2026
- 11:09 So sind unsere Depots heute aufgestellt
- 14:49 Diese Aktien überraschen positiv
- 21:02 Das sind unsere größten Verlierer
- 29:29 Welche Lehren wir daraus ziehen
- 32:39 Warum wir unserer Strategie treu bleiben
- 34:51 Das wichtigste Fazit für langfristige Anleger
Ein Börsenhalbjahr zwischen Unsicherheit und Gelassenheit
Wir beide erlebten das erste Halbjahr als eine Zeit außergewöhnlicher Wankelmütigkeit. Geopolitische Spannungen, Entwicklungen im Nahen Osten, politische Ereignisse und Diskussionen um internationale Handels- und Sicherheitsfragen sorgten immer wieder für kurzfristige Ausschläge an den Börsen.
Ich habe diese Schwankungen vor allem im Optionshandel wahrgenommen. Die Diskussionen rund um die Straße von Hormus, Ölpreis, Gold und Zinsen führten dort zeitweise zu deutlich erhöhter Volatilität. Im Aktiendepot dagegen fällt mein Eindruck überraschend ruhig aus. Wer lediglich zum Halbjahresende auf die Entwicklung blickte, stellte vor allem fest, dass sich das Depot insgesamt positiv entwickelt hatte.
Diese Erfahrung bestätigt erneut meine Grundüberzeugung: Nicht ständiges Eingreifen, sondern konsequentes Abwarten führt häufig zu den besseren Ergebnissen. Clemens zieht ein ähnliches Fazit. Bereits nach dem „Liberation Day“ im Vorjahr habe sich gezeigt, wie robust die Börsen selbst in einem schwierigen Umfeld reagieren können.
Gleichzeitig verweist er auf die tiefgreifenden technologischen Veränderungen rund um den Ausbau der Infrastruktur für Künstliche Intelligenz. Für ihn gehören solche strukturellen Entwicklungen zu den entscheidenden Faktoren, um Unternehmen langfristig beurteilen zu können. Seine grundsätzliche Investmentphilosophie sieht er dadurch jedoch nicht infrage gestellt.
Unterschiedliche Strategien, positive Ergebnisse
Clemens erzielte mit seinem Echtgeldportfolio im ersten Halbjahr 2026 eine Rendite von 12,5 Prozent. Das Depot umfasst rund 84.000 Euro, wobei monatlich 1.000 Euro zusätzlich investiert werden. Ein Großteil des vorhandenen Cashbestands wurde im Laufe des Halbjahres wieder in den Markt investiert.
Ich erreichte im gleichen Zeitraum eine Gesamtrendite von 7,4 Prozent. Mein Depotwert lag Ende Juni bei knapp 39.800 Euro. Seit Beginn des Jahres flossen monatlich zusätzlich 250 Euro in das Depot, insgesamt also 1.500 Euro. Die Ausschüttungen beliefen sich im ersten Halbjahr auf gut 823 Euro.
Die vergleichsweise moderate Ausschüttungsrendite in meinem Depot hängt mit der Entwicklung vieler Werte zusammen. Zahlreiche Unternehmen konnten ihre Kurse über Jahre deutlich steigern, sodass die aktuelle Dividendenrendite auf Basis des Marktpreises heute niedriger ausfällt als noch zum Zeitpunkt des Kaufs.
Depotstruktur bleibt weitgehend unverändert
Obwohl beide Depots unterschiedliche Schwerpunkte setzen, blieb die strategische Ausrichtung im ersten Halbjahr nahezu unverändert.
Clemens reduzierte lediglich die Gewichtung einzelner Sektoren wie Kommunikation, Energie und Versorger. Gleichzeitig investierte er verstärkt in Informationstechnologie. Hintergrund waren aus seiner Sicht attraktivere Bewertungen innerhalb des Technologiesektors. Auffällig bleibt außerdem die starke Gewichtung von Finanzwerten, die sich durch die Kursentwicklung vieler Positionen zusätzlich erhöht hat.
Ich habe vollständig auf Umschichtungen verzichtet. Die größte Einzelposition bleibt die verzinste Cashreserve in US-Dollar. Innerhalb des investierten Vermögens dominieren weiterhin Finanzunternehmen und Infrastrukturwerte. Banken spielen dabei bewusst keine Rolle. Regional liegt der Schwerpunkt auf weltweit tätigen Unternehmen sowie den USA und Großbritannien, während der US-Dollar die wichtigste Depotwährung bleibt.
Die größten Gewinner des Halbjahres
Bei Clemens standen vor allem Unternehmen aus dem Halbleiterumfeld an der Spitze der Wertentwicklung. Den größten Kursgewinn erzielte Applied Materials. Das Unternehmen profitiert aus seiner Sicht unmittelbar vom weltweiten Ausbau von Rechenzentren und der dafür benötigten Fertigungstechnik.
Überraschender verlief die Entwicklung von Texas Instruments. Hersteller analoger Halbleiter galten lange als wenig dynamisch. Das Unternehmen investierte jedoch antizyklisch in Produktionskapazitäten und profitiert inzwischen vom steigenden Bedarf an Komponenten für Energieversorgung und Infrastruktur moderner Rechenzentren.
Ebenfalls stark entwickelte sich Deere. Zwar belasten schwächere Einkommen in der Landwirtschaft den klassischen Landmaschinenmarkt, gleichzeitig gewinnt das Unternehmen durch sein Geschäft mit Baumaschinen und Infrastrukturprojekten an Bedeutung.
In meinem Depot führt dagegen National Retail Properties (NNN) die Gewinnerliste an. Der auf Gewerbeimmobilien spezialisierte REIT profitierte von seiner konservativen Finanzierung und einer stabilen Mieterstruktur. Dahinter folgten der Pipelinebetreiber ONEOK sowie der kanadische Energieversorger Enbridge, die beide von ihrer langfristigen Infrastrukturpositionierung profitieren konnten.
Verlierer liefern wichtige Erkenntnisse
Wo es Gewinner gibt, können schwache Positionen nicht fehlen. Clemens nennt Nike, Partners Group und Zoetis als die drei größten Verlierer seines Portfolios.
Bei Nike belasten weiterhin die schwierige Entwicklung im chinesischen Markt sowie Unsicherheiten rund um den Führungswechsel. Partners Group geriet nach kritischen Stimmen zur Bewertung einzelner Beteiligungen und höheren Rückgabewünschen im Evergreen-Fonds unter Druck. Zoetis wiederum leidet unter einer geringeren Nachfrage nach tiermedizinischen Leistungen in den USA sowie zunehmendem Wettbewerb durch Generika. Trotz dieser Entwicklung hält Clemens an allen drei Unternehmen fest. Statt Positionen aufzulösen, nutzte er die Kursrückgänge mehrfach für Nachkäufe.
Bei mir fielen die Kursverluste deutlich moderater aus. Die Münchener Rück war nach einer zuvor außergewöhnlich starken Entwicklung mit einem Minus von rund elf Prozent der drittschwächste Wert. Hercules Capital verlor ebenfalls leicht, wobei die zweistellige Dividendenrendite den Kursrückgang nahezu vollständig ausglich. Den größten Abschlag verzeichnete Rathbones Group. Auch ich sehe jedoch keinen Anlass, die langfristige Investmentthese infrage zu stellen.
Konsequenz statt Aktionismus
Aus den vergangenen sechs Monaten leiten sowohl Clemens als auch ich keine grundlegenden Änderungen unserer Strategien ab.
Clemens bleibt seinem antizyklischen Investmentansatz treu. Im ersten Halbjahr tätigte er insgesamt 19 Nachkäufe, häufig in mehreren kleinen Schritten statt mit einer einzigen größeren Investition. Als Beispiel nennt er Zoetis, wo er die Position mehrfach ausbaute. Entscheidend sei dabei nicht die kurzfristige Kursentwicklung, sondern die unveränderte Einschätzung der Unternehmensqualität.
Er verweist zudem auf die Diskussion um den Fondsmanager Terry Smith, dessen zuletzt deutlich höhere Umschlagshäufigkeit intensiv kommentiert wurde. Für Clemens liefert dies keinen Anlass, den eigenen Investmentstil zu verändern. Wichtiger als die Entscheidungen prominenter Investoren bleibe die kontinuierliche Auseinandersetzung mit den eigenen Unternehmen und deren fundamentaler Entwicklung.
Auch ich sehe keinen Anpassungsbedarf. Meine konservative Depotstruktur mit etablierten Geschäftsmodellen und kontinuierlichen Ausschüttungen hat sich erneut bewährt. Im zweiten Halbjahr plane ich daher ebenfalls keine größeren Eingriffe. Lediglich die Entwicklung der Cashquote könnte darüber entscheiden, ob zum nächsten Halbjahreswechsel wieder verstärkt investiert wird.
Wir beide sind uns einig, dass feste Regeln dabei helfen, emotionale Fehlentscheidungen zu vermeiden. Für Clemens lautet die zentrale Funktion eines Regelwerks, „mich vor den größten Dummheiten zu schützen“. Dem stimme ich uneingeschränkt zu.
Fazit: Zwei Strategien auf einem Fundament
Der Halbjahresrückblick zeigt zwei unterschiedliche Investmentansätze, die dennoch auf einem gemeinsamen Fundament stehen. Während Clemens stärker auf Dividendenwachstum und regelmäßige antizyklische Nachkäufe setzt, verfolge ich einen stärker einkommensorientierten Ansatz mit wenigen Eingriffen und bewusst aufgebauten Liquiditätsreserven.
Wie gewohnt dokumentiert Clemens die Entwicklung seines Depots ausführlich auf seinem Blog. Mein eigenes Portfolio ist bei eToro öffentlich einsehbar und kann dort bei Interesse 1:1 kopiert werden. Ergänzend steht mein Aktien-Blitz-Depot als selbstaktualisierende Google-Tabelle bereit, die ich monatlich aktualisiere.
Haftungsausschluss
Zu den Risiken und Nebenwirkungen des Handels mit Derivaten und Wertpapieren, den veröffentlichten Informationen sowie besprochenen Möglichkeiten der Geldanlage einschließlich potenzieller Interessenskonflikte verweise ich auf den Haftungsausschluss und die Transparenzrichtlinien, die analog für den Podcast und das Video gelten.
Podcast abonnieren
Wer keine Folge des Nur-Bares-ist-Wahres-Podcasts verpassen möchte, kann diesen direkt über die gängigen Potcatcher per Stichwortsuche oder Podcast-Feed abonnieren. Alternativ dazu informiere ich regelmäßig auf meinen zahlreichen Foren und Gruppen sowie im Blogtelegramm über jede neue Folge.
Anzeige
Income Insights
Abonniere meine kostenlosen Finanz-Tipps und ich schenke Dir drei Reports, um Deine Rendite zu optimieren, Dein Risiko zu reduzieren und 1.000 Ausschüttungen pro Jahr einzunehmen – mit lediglich fünf Minuten Aufwand pro Tag und ohne das Depot starken Schwankungen aussetzen zu müssen:
Beitrag teilen
Hat Dir dieser Beitrag gefallen? Dann teile ihn bitte mit einem Klick auf Facebook oder Twitter, damit auch andere davon profitieren können!
Deine Meinung
Rückmeldungen machen meine Inhalte besser. Was hat Dir gefallen, was könnte verbessert werden? Hinterlasse gerne einen Kommentar unter diesem Beitrag oder schreib mir gleich hier eine Direktnachricht.



