Cashtest – Boston Pizza Royalties Income Fund

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Einstieg und Überblick

Sowohl den Lesern meines kostenlosen Hochdividenden-Reports als auch des Buchs „Bargeld statt Buchgewinn“ sollten die sogenannten Royalty Trusts ein Begriff sein. Bei den Vertretern dieser überwiegend in Kanada und den USA beheimateten Wertpapiergattung handelt es sich wortwörtlich genommen nicht um Unternehmen. Tatsächlich gehen Royalty Trusts keinem operativen Geschäft nach sondern verwerten Nutzungsrechte wie etwa Lizenzen, Patente oder Konzessionen und leiten die vereinnahmten Gebühren an ihre Anteilseigner weiter – ein denkbar einfaches Geschäftsmodell also!

Die überwiegende Mehrheit der Royalty Trusts ist im Rohstoffsektor zu Hause. Ihre Einnahmen stammen in der Regel aus der Verpachtung von Gasquellen, Ölfeldern und Bergwerken. Hierbei handelt es sich um ein sehr zyklisches Geschäftsmodell, da die Nutzungsgebühren durchweg an den Marktpreis der zugrundeliegenden Rohstoffe gekoppelt sind. Und diese schwanken historisch betrachtet nun mal relativ stark. Ganz anderes sieht es hingegen in einem anderen Segment aus, nämlich der Systemgastronomie. Gerade in Kanada firmieren zahlreiche Anbieter traditionell als Royalty Trust. Mit dem Boston Pizza Royalties Income Fund möchte ich nachfolgend einen Titel besprechen, der einerseits durch seinen Namen auffällt und den ich andererseits selbst seit vielen Jahren im Depot halte.

Historie und Kennzahlen

In unseren Breitengraden dürfte so ziemlich jedem Leser die ebenfalls mit einem kuriosen Namen gesegnete Kette Pizza Hut ein Begriff sein. Immerhin zählt das zu Yum! Brands gehörende Unternehmen in Deutschland 72 Filialen, weltweit sind es über 14.000 in mehr als 100 Ländern. Ein ganz ähnliches Konzept wenngleich mit deutlich ausgeprägterem Bar- und Restaurantcharakter verfolgt Boston Pizza in Kanada.

Gegründet wurde das Unternehmen beziehungsweise das ursprüngliche Lokal im Jahr 1964 von Gus Agiorithis in Edmonton, Provinz Alberta. Der griechische Einwanderer war offenbar ein Sportfan und benannte sein Restaurant nach der US-amerikanischen Stadt Boston, von deren Sportteams er glaubte, sie würden sich in Kanada besonderer Beliebtheit erfreuen. Groß gemacht hat die Kette dann jedoch sein Geschäftspartner Jim Treliving, der für seinen Einstieg im Jahr 1968 seine Stelle als „Mountie“, also Polizeioffizier der Royal Mounted Canadian Police, aufgab. Zusammen mit einem weiteren Geschäftspartner, George Melville, der fünf Jahre später dazu stieß trieb er die Expansion voran, im Jahr 1983 erwarben die beiden schließlich die gesamte, mittlerweile 44 Restaurants zählende Kette. Bis heute leitet das Duo die Geschicke des Unternehmens, das Ende 2017 knapp 400 Filialen zählte und das gesamte Land von Neufundland im Osten bis Vancouver Island im Westen abdeckt. Damit ist Boston Pizza Stand heute das größte Gastronomieunternehmen Kanadas.

Zur Finanzierung der weiteren Expansion – seinerzeit zählte die Kette noch 154 Niederlassungen – wurde am 17. Juli 2002 der Boston Pizza Royalties Income Fund in Form eines Trusts ausgegründet und an die größte kanadische Börse, die Toronto Stock Exchange (TSE) gebracht. In der Gesellschaft wurden alle Markenrechte des Unternehmens gebündelt. Diese stellen nach wie vor den wesentlichen Vermögenswert des Trusts dar. Aktuell notiert das Wertpapier bei 17,30 kanadischen Dollar und kommt bei 24,8 Millionen umlaufenden Anteilen auf eine Marktkapitalisierung von etwa 430 Millionen kanadischen Dollar.

Der Trust verfügt über eine primäre Einkommensquelle, auf die bereits der Name hinweist, nämlich Lizenz- beziehungsweise Franchisegebühren, englisch „royalties“. Exakt vier Prozent ihrer sogenannten „franchise sales“ müssen die Franchisenehmer berappen und monatlich an den Trust abführen. Die „franchise sales“ umfassen dabei im Wesentlichen die Bruttoumsätze der Filiale abzüglich der Umsätze mit alkoholischen Getränken sowie bestimmter Steuern. Im Schnitt sind das etwa 75 Prozent vom Ausgangswert. Darüber hinaus fließen dem Trust noch Einnahmen aus Direktbeteiligungen zu.

Im Jahr 2017 betrug der Gesamtumsatz der zuletzt 391 Filialen fast 1,1 Milliarden kanadische Dollar beziehungsweise gut 2,8 Millionen kanadische Dollar pro Filiale. 851 Millionen kanadische Dollar hiervon waren „franchise sales“ und spülten zusammen mit den Erträgen aus den Direktbeteiligungen knapp 46 Millionen kanadische Dollar in die Kassen des Boston Pizza Royalties Income Fund. Übrigens bewirteten die Filialen von Boston Pizza im vergangen Jahr über 50 Millionen Gäste. Statistisch betrachtet suchte damit 2017 jeder der etwa 36 Millionen Kanadier 1,38 mal eine Filiale der Kette auf und gab dabei 22 kanadische Dollar aus.

Cashtest - Logo des Boston Pizza Royalties Income Fund
In Kanada die Nummer 1, Bildquelle: Seite des Unternehmens

Interessant ist auch die Entwicklung des Unternehmens über die letzten 15 Jahre. Seit 2002 ist der flächenbereinigte Umsatz, englisch „same store sales grow“, durchschnittlich um 2,9 Prozent pro Jahr gestiegen. Bemerkenswert ist ferner, dass in den letzten 10 Jahren sowohl der Umsatz als auch mit einer Ausnahme die Anzahl der Filialen erhöht werden konnten. Lediglich im Jahr 2010, im Zuge der Nachwirkungen der Weltfinanzkrise, blieb die Anzahl der Filialen im Vergleich zum Vorjahr „nur“ konstant. Im vergangen Jahr eröffneten acht neue Niederlassungen, was einer Zunahme von etwa 2,1 Prozent entspricht. Zu der kontinuierlich positiven Entwicklung beigetragen haben dürfte das interessante gastronomische Konzept der Kette. Jede Filiale verfügt über drei Bereiche, nämlich einen Abholbereich beziehungsweise Bringdienst, einen klassischen Restaurantbereich sowie eine „sports bar“. Letztere dürfte vermutlich auch der Sportbegeisterung des Gründers geschuldet sein.

Konditionen und Besteuerung

Leider bietet nicht jeder inländische Broker einen Zugang zum kanadischen Wertpapiermarkt. Interessierte Anleger müssen also prüfen, ob ihr Institut an die TSE angebunden ist. Falls ja, dürfte einem Erwerb des Boston Pizza Royalties Income Fund nichts im Wege stehen. Rechtlich gilt er nicht als Fonds beziehungsweise strukturiertes Wertpapier, so dass weder die MiFID-II-Richtlinie noch die seit Januar dieses Jahres geltende neue Investmentfondsbesteuerung greift. Über die bekannten und großen ausländischen Broker sind kanadische Titel ohnehin problemlos handelbar. Kaum zu schlagen sind hierbei die Gebühren von CapTrader (*) oder LYNX Broker (*). Selbst für Order im Gegenwert von wenigen hundert kanadischen Dollar werden bei beiden Instituten gerade einmal 1,10 kanadische Dollar fällig.

Wie immer empfehle ich trotz der für kanadische Verhältnisse vergleichsweise hohen Marktkapitalisierung des Boston Pizza Royalties Income Fund jeden Kauf- als auch Verkaufsauftrag zu limitieren. Weitere laufende Kosten entstehen dem Anleger nicht und auch die operativen Kosten des Trusts halten sich mit knapp drei Prozent der Einnahmen sehr in Grenzen. Sehr entgegenkommen dürfte Einkommensinvestoren auch die Ausschüttungsfrequenz. Wie so viele kanadische Hochdividendenwerte zahlt der Trust eine Monatsdividende – und das mit einer herausragenden Konstanz. Seit der Erstnotiz wurde die Bruttodividende 18-mal erhöht und kein einziges Mal gesenkt, selbst nicht auf dem Höhepunkt der Weltfinanzkrise.

Warum liegt die Betonung auf der Bruttodividende? Weil die Nettodividende nach Steuern tatsächlich einmal, nämlich zum 01. Januar 2011 gesenkt wurde. Ursächlich hierfür waren allerdings keine betriebswirtschaftlichen, sondern allein steuerrechtliche Gründe, die am Zahlungsstrom zehrten. Seit seiner Emission hat der Boston Pizza Royalties Income Fund übrigens über 20 kanadische Dollar an Dividenden ausgeschüttet. Anleger, die von Anfang an dabei waren, haben den Emissionskurs von 10 kanadischen Dollar bereits mehr als doppelt raus – wenn die Steuern nicht wären.

An dieser Stelle muss ich mich wiederholen. Die Ausschüttungen werden je nach Institut unterschiedlich behandelt. Einige Banken, so beispielsweise Internaxx, behalten 15 Prozent Quellensteuer ein, die voll auf die heimische Abgeltungssteuer angerechnet werden kann. Die meisten Broker, so auch CapTrader (*), führen jedoch 25 Prozent Quellensteuer ab. Die letztgenannte Variante ist meines Erachtens auch die korrekte. Der Grund dafür liegt in der rechtlichen Natur kanadischer Trusts. Hierbei handelt es sich um börsennotierte Treuhandvermögen, eben Trusts, und keine „normalen“ Kapitalgesellschaften. Zu erkennen ist das übrigens am Zusatz „.UN“ hinter dem Wertpapierkürzel des jeweiligen Titels. Diese schütten nun aus kanadischer Sicht weder Dividenden noch Zinsen sondern „andere Einkünfte“ aus, sofern das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) mit Deutschland zugrunde gelegt wird. Und diese „anderen Einkünfte“ darf Kanada als Quellenland höher besteuern. Selbstverständlich tut das der Fiskus jenseits des Atlantiks auch und fordert exakt jene 25 Prozent, die derzeit maximal voll auf die deutsche Abgeltungsteuer anrechenbar sind. In diesem Fall können Anleger also eine Nullerklärung abgeben, da sich Quellen- und Abgeltungsteuer im Fall der Ausschüttungen zu null saldieren.

Chancen und Risiken

Zweifelsohne betreibt die etablierte Gastronomiekette ein weitaus weniger schwankungsanfälliges Geschäft als die Mehrzahl der Royalty Trusts. Systemgastronomie erfreut sich allen Unkenrufen zum Trotz ungebrochener Beliebtheit. Zudem hat Boston Pizza bewiesen, auch bei schweren konjunkturellen Einbrüchen profitabel operieren zu können. Dies mag auch daran liegen, dass sich eine Vielzahl von Menschen auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zumindest einen preiswerten Restaurantbesuch gönnt (ein ähnlicher Effekt war in der Vergangenheit übrigens auch bei Kinos zu beobachten). Genau dieses Segment deckt Boston Pizza ab, 22 kanadische Dollar pro Person und Besuch sind für die lokalen Verhältnisse eher mäßig.

Als ein Risiko könnte sich der Trend zu scheinbar oder tatsächlich gesünderem Essen erweisen. Die klassische italienisch-amerikanische Küche zählt nicht gerade dazu. Andererseits eröffnet sie zahlreiche Optionen, das Speisenangebot der Nachfrage anzupassen. Und bereits jetzt hat Boston Pizza leichte Pastagerichte und Salate auf der Speisekarte. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Kette nicht nur als Restaurant, sondern auch als Lieferservice fest im Alltag der Kanadier verankert ist. Die Übertragung von Sportveranstaltungen dürfte die Auslastung der Ladengeschäfte zudem weiter erhöhen. Um der scheinbar übermächtigen Pizza Hut Paroli zu bieten, reicht das allemal – tatsächlich begegnen sich beide Unternehmen in Kanada auf Augenhöhe.

Cashtest - Ofenfrische Pizza von Boston Pizza
Ein Klassiker der italienisch-griechisch-amerikanischen Küche, Bildquelle: Seite des Unternehmens

Ein nicht von der Hand zu weisendes und gegebenenfalls massives Risiko stellt ein möglicher Lebensmittelskandal dar. Hierzu würde es im Prinzip reichen, wenn es ein einziger Franchisenehmer oder Lieferant mit den Hygienevorschriften nicht ganz so eng sieht. Welche Auswirkungen so ein Skandal haben kann, lässt sich an der US-amerikanischen Fast-Food-Kette Chipotle studieren. Im Jahr 2016 vergifteten sich Kunden des milliardenschweren Unternehmens mit Salmonellen, Kolibakterien und Noroviren. Dies wiederum führte zu einem 13-prozentigen Umsatzrückgang, der nahezu den gesamten Gewinn aufzehrte.

Als positiv ist hingegen zu werten, dass die Muttergesellschaft Boston Pizza International mit 11,8 Prozent am Trust beteiligt ist. Auch die Finanzkennzahlen sehen durchweg gut aus. Die Verschuldungsquote beträgt gerade einmal ein Drittel, auf jeden kanadischen Dollar Schulden kommen somit zwei kanadische Dollar Vermögenswerte. Als außerordentlich vorteilhaft erweist sich zudem die Tatsache, dass der Trust automatisch an der Umsatzentwicklung der Gruppe partizipiert und zwar ohne das er selbst auch nur einen kanadischen Dollar investieren muss. Zudem nutzt sich sein Hauptvermögenswert, das Markenrecht, nicht ab. Aus dem Grund schwankt die Auszahlungsquote, englisch „payout ratio“, des Boston Pizza Royalties Income Fund immer um die 100 Prozent. Will heißen: Alle Erträge werden an die Anteilseigner ausgeschüttet und nicht in den Trust reinvestiert – in was auch? Diese summieren sich derzeit auf eine auf das Jahr hochgerechnete Ausschüttungsrendite von knapp sieben Prozent.

Abschließend sollten sich Anleger bewusst sein, dass der Trust geografisch nahezu ausschließlich in Kanada tätig ist und damit auch fast alle Kosten, Umsätze, Gewinne und Dividenden in kanadischen Dollar anfallen. Zwar unterhält die Kette auch einige wenige Dutzend Filialen in den USA und Mexiko, diese fallen allerdings kaum ins Gewicht. Es muss also klar sein, dass es sich zumindest diesbezüglich nicht um eine diversifizierte Anlage handelt.

Zusammenfassung und Stammdaten

Der Boston Pizza Royalties Income Fund ist ein konservativ aufgestellter Einzeltitel mit eher defensiven Finanzkennzahlen und einem relativ konjunkturrobusten Geschäftsmodell. Als deutlich positiv ist der Geschäftsverlauf seit dem Börsengang zu beurteilen. Dies schlägt sich nicht zuletzt in der überdurchschnittlichen Gesamtentwicklung nieder. Die mittlere jährliche Rendite zwischen 2002 und 2017 beläuft sich unter Annahme einer Wiederanlage aller Dividenden auf 13,4 Prozent. Hier haben wir also einen Titel, der die Anteilseigner neben respektablen Ausschüttungen auch mit deutlichen Kursgewinnen erfreut hat, auch wenn die Börsennotiz zuletzt geschwächelt hat.

Eventuell ist das für Anleger, die zum einen in einen Royalty Trust und zum anderen in Kanada investieren beziehungsweise ihr Portfolio um die Komponenten erweitern möchten, eine gute Einstiegsgelegenheit. Handelbar ist der Boston Pizza Royalties Income Fund an der TSE unter dem Kürzel BPF.UN. Ferner verfügt der Titel über eine Zweitnotiz an der US-amerikanischen NASDAQ, wo er unter dem Kürzel BPZZF geführt wird. Ich empfehle wie in allen anderen bisherigen Fällen auch den Handel an der Heimatbörse.

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14 Antworten auf „Cashtest – Boston Pizza Royalties Income Fund“

  1. Hallo Luis,
    vielen Dank für diesen anregenden Artikel. Da ich auch weiterhin kein Konto bei Captrader und Co habe, würde ich mich freuen, wenn einer deiner Leser etwas zur Handhabung der Besteuerung schreibt, wenn das Papier bei einer deutschen Bank im Depot liegt. Ich habe bei kanadischen Papieren schon einiges erlebt diesbezüglich. Insbesondere bei den „Sonstigen Einkünften“ bekommen es die deutschen Baknen nicht hin und es bleibt am Ende nur die Rückforderung über die kanadische Steuerbehörde, obwohl für Sonstige Einkünfte, die Dividenden gleichgestellt sind, für in D Ansässige auch nur die voll anrechenbare 15%ige Quellensteuer gilt.
    Seit 2007 ist der Artikel 10 des DBA anzuwenden, so es sich um einen SIFT handelt, wie es in dem von dir verlinkten Schreiben der OFD Frankfurt steht. Ob es sich bei dem Pizza Fund um einen SIFT handelt, weiß ich allerdings nicht genau.
    Zitat aus dem DBA Artikel 10 Ziff 3:
    „(3) Der in diesem Artikel verwendete
    Ausdruck „Dividenden“ bedeutet
    a) Dividenden auf Aktien einschließlich
    Einkünfte aus Aktien, Genussrechten
    oder Genussscheinen, Kuxen, Grün-
    deranteilen oder anderen Rechten
    – ausgenommen Forderungen – mit
    Gewinnbeteiligung und
    b) sonstige Einkünfte, die nach dem Recht
    des Staates, in dem die ausschüttende
    Gesellschaft ansässig ist, den Einkünf-
    ten aus Aktien steuerlich gleichgestellt
    sind, und für die Zwecke der Besteue-
    rung in der Bundesrepublik Deutsch-
    land Einkünfte eines stillen Gesellschaf-
    ters aus seiner Beteiligung als stiller
    Gesellschafter, Einkünfte aus einem
    partiarischen Darlehen oder aus Ge-
    winnobligationen und ähnliche gewinn-
    abhängige Entgelte sowie Ausschüt-
    tungen auf Anteilscheine an einem
    Investmentvermögen.“

    Viele Grüße Holger

    1. Hallo Holger,
      zu der Besteuerung kanadischer Trusts bei deutschen Depotbanken kann ich leider keine beziehungsweise vermutlich veraltete Informationen beisteuern. Tatsächlich hat sich das seinerzeit je nach Institut unterschieden, was in der Tat ärgerlich war und Deiner Beschreibung nach auch nach wie vor so ist.

      Der Artikel 10 des DBA ist keinesfalls zwingend bei „sonstigen Einkünften“ anzuwenden, sondern bei Erträgen, die „den Einkünften aus Aktien steuerlich gleichgestellt sind“. Das ist bei den bestehenden Trusts nach wie vor nicht der Fall, da bestimmte Einkunftskomponenten weiterhin steuerbefreit sind. Zudem beziehen sich die „sonstigen Einkünfte“ auf Erträge aus nicht börsennotierten Unternehmensbeteiligungen (stiller Gesellschafter). Von daher können meines Erachtens nach wie vor bei Trusts maximal 25 Prozent Quellensteuer gegengerechnet werden, am rechtlichen Status hat sich ja nichts geändert. Und übrigens: Gemäß DBA liegt das Interpretationsrecht hierfür bei Kanada, nicht bei Deutschland.

      Beste Grüße
      Luis

  2. Hallo Luis,
    vielen Dank für Deine Denkanstöße und Tipps.
    Welche Marktdaten hast Du bei IB bzw. Captrader für Deinen weltweiten Handel abonniert ? Danke jetzt schon.

    Beste Grüße Thomas

    1. Sehr gerne! Leider stehe ich was Deine Frage angeht auf dem Schlauch. Was für Marktdaten meinst Du? Bei CapTrader habe ich nichts abonniert, den Broker nutze ich lediglich zum Wertpapierhandel.

      Beste Grüße
      Luis

    1. Hallo,
      wie kommt denn die Zahl zustande? Aktuell notiert Boston Pizza bei etwa 15,60 kanadischen Dollar, die Dividende beläuft sich auf das Jahr hochgerechnet auf 1,38 kanadische Dollar. Das macht knappe neun Prozent Dividendenrendite. Oder habe ich etwas übersehen?

      Beste Grüße
      Luis

      1. Uuups, sorry. Falsch ausgedrückt.
        Ich meine die Quellensteuer, die Captrader von der Dividende automatscih abzieht, belief sich zumindest im November und bei mir auf 15% statt 25%.
        Errechnet:
        Steuerlast/Dividende*100

        Rechenfehler?

        Somit sehe ich das anders als du das oben im Text beschrieben hast. Was CapTrader angeht.

        1. Interessant, ich habe selbst keine kanadischen Income Trusts bei CapTrader liegen. Da ich jedoch weiß, dass das Thema ja nach Broker unterschiedlich gehandehabt wird habe ich im Zuge der Recherche sogar schriftlich beim Service nachgefragt. Dieser teilte mir mit, bei CapTrader beziehungsweise Interactive Brokers würden 25 Prozent Quellensteuern abgezogen werden. Wenn es lediglich 15 Prozent sind, gewährt das den Anlegern zumindest bis zur Steuererklärung einen kleinen Liquiditätsvorteil. In jedem Fall danke ich für den Hinweis!

  3. Hallo Freunde,

    ich habe mir kürzlich dieses Papier bei der ING DiBa via der TSE gekauft.

    Nun stellt sich heraus, dass die ING sowohl 25% Quellensteuer, als auch 25% Abgeltungssteuer von jeder Dividende abzieht, also die Dividende doppelt besteuert.

    Auf meiner Nachfrage hin teilte mir die ING mit:

    „Es gibt für Kanada – wie auch bei den USA – verschiedene Gesellschaftsformen für welche ein erhöhter Quellensteuersatz abgerechnet wird. Davon ist dann leider nichts anrechenbar und auch nichts rückforderbar. Wir wünschen Ihnen einen schönen Tag.“

    So wie ich den Blogpost verstanden habe, ist 25% Quellensteuer richtig, die doppelte Besteuerung durch die Abgeltungssteuer aber falsch. Was sind eure Erfahrungen hiermit? Für mich ist die Sache auch noch nicht erledigt, ich werde weiter mit der ING reden. Vielleicht hat jemand einen Link auf den ich hierzu verweisen kann?

    Viele Grüße
    Rodney

    1. Hallo Rodney,
      die (vorläufig) doppelte Besteuerung ist rechtlich in Deutschland nicht falsch. Es gibt eine alte Stellungnahme des Bundesfinanzministeriums, demnach die Besteuerung bei kanadischen Income Trusts genauso erfolgen soll, wie es die ING in Deinem Fall praktiziert hat: Also trotz des Quellensteuerabzugs von 25 Prozent (was nach DBA zulässig ist) werden weitere 25 Prozent Abgeltungssteuer auf den Ausschüttungsbetrag einbehalten.

      Diese kannst Du Dir dann im Rahmen des Einkommensteuererklärung zurückholen, was ich persönlich müßig finde, zumal ich als Anleger auch noch einen Liquiditätsnachteil habe. Aus dem Grund lohnt sich die Verwahrung kanadischer Income Trusts im Inland nicht. Ich selbst halte auch aus diesem Grund die entsprechenden Papiere ausschließlich in einem Auslandsdepot und versteuere die Erträge wie in dem Artikel angegeben.

      Sofern Du Income Trusts halten möchtest würde ich Dir gleiches empfehlen. Die ING hat sich in dem Fall korrekt verhalten.

      Beste Grüße
      Luis

  4. Hallo Luis,

    vielen Dank für die schnelle Antwort, sehr interessant.
    Gut, dann befolge ich Deinen Rat und transferiere die Papiere wahrscheinlich in ein Auslandsdepot, auch wenn es etwas Mehrarbeit in der Steuererklärung ist.

    Viele Grüße
    Rodney

    1. Sehr interessant, ich hatte mich auch schon gewundert, warum die Consorsbank (ebenfalls) doppelt besteuert und – im Unterschied zu anderen ausländischen Hochdividendenwerten – nicht einmal die „Anrechenbarkeit“ der einbehaltenen Abgeltungssteuer auf die Quellensteuer auf den Abrechnungen angibt.

      Handelt es sich bei der Stellungnahme des BAMF um diese hier, lieber Luis (unter Ziffer 7)?

      https://datenbank.nwb.de/Dokument/Anzeigen/339030/

      Falls ja, wie erfolgt die in der Stellungnahme vorgesehene Geltendmachung der Anrechnung? Über die Einkommensteuer?

      Besten Dank und viele Grüße
      Tobias

      1. Hallo Tobias,
        genau auf dieser Stellungnahme basiert diese höchst ungewöhnliche Ausnahme in der Besteuerung kanadischer Trusts im Vergleich zu sonstigen ausländischen Wertpapieren. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass dies mit der Absicht geschah, mögliche Interessenten abzuschrecken beziehungsweise Halter entsprechender Papiere zum Verkauf zu bewegen. Denn kanadische Trust sind wie im Beitrag dargestellt eine der ganz wenigen Instrumente, an deren Erträgen der deutsche Fiskus nicht oder kaum partizipiert. Dagegen kann er auch nichts machen, außer das DBA zu modifizieren, was einseitig nicht funktioniert.

        Beste Grüße
        Luis

    2. Hallo Rodney,
      in diesem Fall wäre es sogar keine Mehrarbeit, denn um vom deutschen Fiskus die zuviel einbehaltenen Abgeltungssteuer erstattet zu bekommen, müsstest Du ohnehin jedes Jahr eine Steuererklärung abgeben – außer natürlich, Du möchtest auf die Rückerstattung verzichten.

      Beste Grüße
      Luis

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