Börsenticker: Target – Folge 028

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Dividendenkönig nach dem Comeback

55 Jahre in Folge steigende Dividenden, mehr als 2.000 Filialen und über 100 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: Target gehört zu den traditionsreichsten Dividendenwerten der USA. Doch die vergangenen Jahre hatten es in sich. Nach Kursen von über 250 US-Dollar stürzte die Aktie zeitweise unter 90 US-Dollar – und hat sich seitdem kräftig erholt. Ist der Turnaround damit geschafft oder ist bereits wieder zu viel Optimismus eingepreist? Wir schauen im aktuellen Börsenticker auf Geschäftsmodell, Onlinehandel, Margen, Cashflow, Verschuldung und Bewertung. Außerdem klären wir, wie es um die Dividende bestellt ist!

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  • 0:00:00 Zwischen Dividende und Comeback
  • 0:01:59 So funktioniert das Geschäftsmodell
  • 0:05:45 Einkaufserlebnis statt Preiskampf
  • 0:08:43 Eigenmarken und Margen unter Druck
  • 0:10:39 Onlinehandel wird zum Wachstumstreiber
  • 0:12:40 55 Jahre steigende Dividenden
  • 0:14:32 Cashflow und Investitionen bleiben im Blick
  • 0:17:21 Der Aktienkurs fährt Achterbahn
  • 0:20:37 Bilanz und Verschuldung im Check
  • 0:22:25 Die Bewertung wird anspruchsvoll
  • 0:24:16 Chancen für weiteres Wachstum
  • 0:26:05 Wettbewerb und Konjunktur als Risiken
  • 0:28:21 Die Ampel für die Target-Aktie
  • 0:29:51 Kaufen, halten oder abwarten?

Zwischen Supermarkt, Kaufhaus und Onlinehändler

Einen direkten deutschen Gegenpart für Target zu finden, ist schwierig. Das Geschäftsmodell verbindet Elemente von Supermarkt, Kaufhaus und Onlinehandel. Lebensmittel bilden das größte Einzelsegment, hinzu kommen Waren des täglichen Bedarfs, Bekleidung, Haushaltswaren, Dekoration und Saisonartikel. Ein erheblicher Teil des Sortiments entfällt damit auf Produkte, deren Kauf sich verschieben lässt.

Target unterscheidet sich dabei von klassischen Discountern. Während dort standardisierte Filialen, effiziente Raumnutzung und möglichst niedrige Kosten im Vordergrund stehen, setzt Target stärker auf Einkaufserlebnis, Ambiente und ein breites Sortiment. Die Kunden werden intern als „Gäste“ bezeichnet. Sie sollen möglichst viel Zeit im Geschäft verbringen. Shop-in-Shop-Konzepte, etwa mit Starbucks, gehören ebenfalls dazu.

Diese Positionierung hat ihren Preis. Target ist häufig an vergleichsweise teuren Standorten vertreten und operiert wie die gesamte Branche mit dünnen Margen. Steigende Transport- und Personalkosten, Inflation oder Probleme in den Lieferketten schlagen deshalb schnell auf das Ergebnis durch.

Eigenmarken spielen eine wichtige Rolle. Gerade bei Lebensmitteln und Gütern des täglichen Bedarfs achten Verbraucher stärker auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Target hat darauf reagiert und bei rund 10.000 Artikeln die Preise aggressiv angepasst, vor allem bei Produkten mit hohem Warenumschlag. Das soll Volumen bringen, belastet aber im Zweifel die Marge. Diese hat sich trotz heute deutlich höherer Umsätze noch nicht wieder auf frühere Höchststände erholt.

Ein zweites Standbein ist der Onlinehandel. Hier nutzt Target sein dichtes Filialnetz gleichzeitig als dezentrale Logistikinfrastruktur. Kunden können digital bestellen und die Ware im Geschäft abholen, in größeren Städten ist auch eine Lieferung am selben Tag möglich. Dieses Geschäft wächst deutlich schneller als der klassische stationäre Handel. Zuletzt legte das Onlinegeschäft um rund acht Prozent zu, während das Wachstum in den Filialen wesentlich niedriger ausfiel.

Damit bleibt das stationäre Geschäft zwar der Kern des Konzerns. Target hat es jedoch um digitale Vertriebswege ergänzt und an veränderte Konsumgewohnheiten angepasst.

55 Jahre steigende Dividenden

Für Einkommensinvestoren ist vor allem die Ausschüttung bemerkenswert. Seit dem Börsengang 1967 hat Target die Dividende ohne Unterbrechung gezahlt. Die im September 2026 fällige Zahlung ist bereits die 236. Quartalsdividende in Folge. Zugleich dürfte 2026 das 55. Jahr hintereinander werden, in dem die Ausschüttung steigt. Target gehört damit zu den klassischen Dividendenkönigen.

Aktuell beträgt die Quartalsdividende 1,16 US-Dollar. Die Ausschüttungsquote liegt, bezogen auf den Gewinn, grob bei 50 Prozent. Über die vergangenen fünf Jahre wurde die Dividende zudem um gut zehn Prozent erhöht. Durch den starken Kursanstieg ist die Dividendenrendite allerdings inzwischen auf rund drei Prozent gefallen.

Ganz ohne Fragezeichen ist die Ausschüttung dennoch nicht. Noch vor gut einem Jahr erschien selbst eine Dividendenkürzung nicht ausgeschlossen. Der freie Cashflow stand unter Druck, während gleichzeitig hohe Investitionen in die Modernisierung der Filialen anstanden. Target eröffnet zwar weiterhin neue Standorte, ein erheblicher Teil der Investitionen fließt aber in bestehende Geschäfte.

Die inzwischen wieder höheren Umsätze haben dem Unternehmen Luft verschafft. Trotzdem bleibt entscheidend, wie viel Kapital künftig erforderlich ist, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

Target hat zuletzt stark am Sortiment gearbeitet und beispielsweise große Teile des Dekorationsangebots ausgetauscht. Die Maßnahmen zeigen Wirkung. Entscheidend für das Umsatzwachstum war zuletzt weniger ein höherer Einkaufsbetrag je Kunde als vielmehr die gestiegene Kundenfrequenz.

Der Erfolg bleibt allerdings konjunkturabhängig. Mehr als die Hälfte des Umsatzes entfällt auf Waren, die nicht täglich benötigt werden. Trifft Target den Geschmack der Kunden nicht oder wachsen die Lagerbestände zu stark, kann der Cashflow schnell unter Druck geraten. Hinzu kommt, dass das Unternehmen Zahlungsziele gegenüber Lieferanten ausgeweitet hat. Das verbessert den ausgewiesenen Cashflow zunächst, ist aber nicht mit einer operativen Verbesserung gleichzusetzen.

Vom Höhenflug zum Absturz und zurück

Auch der Aktienkurs zeigt, wie zyklisch Target trotz seiner langen Dividendenhistorie sein kann. Auf Sicht von 20 Jahren steht ein Plus von mehr als 240 Prozent, über zehn Jahre sind es rund 130 Prozent. Diese Gewinne verteilen sich allerdings höchst ungleichmäßig.

Zwischen 2006 und 2018 bewegte sich die Aktie lange Zeit grob zwischen 40 und 80 US-Dollar. Ab Ende 2018 begann ein rasanter Anstieg: Von etwa 60 US-Dollar ging es bis 2021 auf rund 260 US-Dollar. Mit der anschließenden Zinswende brach der Kurs wieder ein und fiel zeitweise unter 90 US-Dollar. Seit diesem Tief hat sich die Aktie ungefähr verdoppelt.

Die außergewöhnliche Entwicklung während der Pandemie spielte dabei eine wichtige Rolle. Verbraucher verbrachten mehr Zeit zu Hause, wodurch Produkte rund um Dekoration und Wohnen stärker gefragt waren. Später konnte Target zunächst auch von Preiserhöhungen profitieren. Mit Verzögerung schlug die Inflation jedoch auf die Margen und die Konsumneigung durch.

In den vergangenen Monaten hat Target erneut Geld in die Hand genommen, Preise bei Tausenden Artikeln gesenkt und das Sortiment überarbeitet. Die Kundenfrequenz zog an, und die Börse honorierte den Strategieschwenk. Ob sich diese Entwicklung fortsetzt, muss sich noch zeigen.

Solide Bilanz, aber keine günstige Bewertung

Target weist ein Gesamtkapital von rund 59 Milliarden US-Dollar und ein Eigenkapital von etwas mehr als 16 Milliarden US-Dollar aus. Ein erheblicher Teil des Vermögens steckt in Sachanlagen, insbesondere in Filialen und Gebäuden. Viele Standorte befinden sich im Eigentum des Konzerns.

Die Bruttofinanzverbindlichkeiten liegen bei ungefähr 15 Milliarden US-Dollar, denen rund fünf Milliarden US-Dollar Liquidität gegenüberstehen. Daraus ergeben sich Nettoschulden von etwa zehn Milliarden US-Dollar. Bei einem freien Cashflow von aktuell rund vier Milliarden US-Dollar erscheint die Verschuldung beherrschbar.

Allerdings schwankt der freie Cashflow deutlich. Noch im vergangenen Jahr lag er nur bei etwas mehr als zwei Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig hatte das Management angekündigt, die Investitionsausgaben um rund 50 Prozent zu erhöhen. Unter solchen Bedingungen würde sich das Bild bei der Verschuldung schnell verändern. Die aktuelle Situation ist entspannter, sollte aber weiter beobachtet werden.

Die größere Hürde ist inzwischen die Bewertung. Der frühere Exzess mit einer Bewertung von zeitweise etwa dem Zweifachen des Umsatzes ist zwar vorbei. Für einen Einzelhändler mit niedrigen Margen ist aber bereits ungefähr der einfache Jahresumsatz eine stattliche Bewertung. Beim Cashflow nähert sich der Multiplikator unter Einbeziehung der Schulden der Marke von 20.

Bei einem aktuellen Umsatzwachstum von rund fünf Prozent lässt sich darüber diskutieren. Es erscheint jedoch fraglich, ob dieses Tempo dauerhaft gehalten werden kann. Im aktuellen Kurs steckt damit bereits eine Wachstumsprämie. Zusammen mit einer Dividendenrendite von nur noch rund drei Prozent ergibt sich derzeit keine besondere Dringlichkeit für einen Einstieg.

Die Ampel steht auf Gelb

Auf der Chancenseite steht der laufende Turnaround. Die Renovierung bestehender Filialen, neue Standorte und das weitgehend eigene Immobilienportfolio schaffen eine solide Grundlage. Bis 2035 sind rund 300 zusätzliche Geschäfte geplant. Dazu kommt das überdurchschnittlich wachsende Onlinegeschäft, bei dem Target sein Filialnetz als dezentrale Logistik nutzen kann. Weitere Erlösquellen ergeben sich aus Shop-in-Shop-Konzepten, Kundenkarte und Bonusprogrammen.

Dem stehen erhebliche Wettbewerbsrisiken gegenüber. Mit Walmart und Amazon trifft Target auf zwei der größten Handelskonzerne der Welt. Walmart kann insbesondere über den Preis angreifen, Amazon über den Onlinehandel.

Inflation und Konjunktur bleiben ebenfalls wichtig. Lebensmittel und Güter des täglichen Bedarfs sind vergleichsweise robust. Bei Bekleidung, Dekoration und anderen verzichtbaren Anschaffungen können Verbraucher ihre Ausgaben dagegen schnell reduzieren. Das zeigte sich zuletzt auch innerhalb der einzelnen Segmente: Während Lebensmittel und Waren des täglichen Bedarfs gut liefen, war das Bild bei Bekleidung und Haushaltsartikeln deutlich schwächer.

Bei niedrigen einstelligen Margen können schon kleinere Veränderungen bei Löhnen, Transportkosten, Einkaufspreisen oder Rabatten erhebliche Auswirkungen auf den Gewinn haben. Beim Wachstum ist zudem darauf zu achten, dass nicht nur neue Filialen den Gesamtumsatz erhöhen. Zuletzt stieg der Umsatz insgesamt um etwas mehr als fünf Prozent und auf vergleichbarer Fläche immerhin noch um mehr als drei Prozent. Ein Produktivitätsproblem ist damit derzeit nicht erkennbar.

Nach der deutlichen Verbesserung gegenüber dem Vorjahr steht die Ampel für Target auf Gelb. Die operative Entwicklung hat sich aufgehellt, die aktuelle Bewertung passt jedoch noch nicht recht zum zyklischen Geschäftsmodell. Für bestehende Positionen spricht weiterhin die außergewöhnliche Dividendenhistorie. Für einen Neueinstieg erscheint die Aktie nach der Kursverdopplung dagegen weniger attraktiv. Bei einem niedrigeren Kurs und entsprechend höherer Dividendenrendite könnte Target wieder interessanter werden.

Haftungsausschluss

Zu den Risiken und Nebenwirkungen des Handels mit Derivaten und Wertpapieren, den veröffentlichten Informationen sowie besprochenen Möglichkeiten der Geldanlage einschließlich potenzieller Interessenskonflikte verweise ich auf den Haftungsausschluss und die Transparenzrichtlinien, die analog für den Podcast und das Video gelten.

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