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Niedrige Bewertung und politische Risiken
Fast acht Prozent Dividendenrendite, ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von gut fünf und Milliardengewinne: Der brasilianische Ölkonzern Petrobras weist Kennzahlen auf, die insbesondere für Einkommensinvestoren interessant sind. Allerdings hängt die Entwicklung des Unternehmens nicht allein vom Ölpreis ab. Auch die brasilianische Regierung nimmt erheblichen Einfluss auf die Geschäftspolitik. Im aktuellen Börsenticker betrachte ich gemeinsam mit Allan Galecki die Chancen und Risiken der Aktie.
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- 0:00:00 Petrobras: Hohe Dividende, niedrige Bewertung
- 0:01:18 Ölkonzern unter staatlicher Kontrolle
- 0:03:21 Petrobras-Aktien und ihre Besonderheiten
- 0:05:25 Riesige Ölvorkommen und niedrige Förderkosten
- 0:09:18 Neue Wachstumschancen für Petrobras
- 0:10:39 Wie die Politik das Geschäft beeinflusst
- 0:12:40 Hohe Dividenden mit starken Schwankungen
- 0:15:39 Aktienkurs zwischen Absturz und Erholung
- 0:19:10 Was für weitere Kursgewinne spricht
- 0:21:12 Ist Petrobras noch günstig bewertet?
- 0:23:37 Politische Risiken und Zukunftsaussichten
- 0:24:30 Für welche Anleger eignet sich Petrobras?
Ein Ölkonzern unter staatlicher Kontrolle
Petrobras wurde 1953 gegründet und gehört heute zu den größten integrierten Energiekonzernen der Welt. Rund vier Jahrzehnte besaß das Unternehmen ein Monopol auf dem brasilianischen Ölmarkt. Erst gegen Ende der 1990er-Jahre wurde der Markt schrittweise geöffnet. Der Staat behielt jedoch über seine Stimmrechte die Kontrolle.
An der Börse werden Stamm- und Vorzugsaktien gehandelt. Für internationale Anleger sind insbesondere die amerikanischen Hinterlegungsscheine (ADR) interessant. Das Kürzel PBR steht für die stimmberechtigten Stammaktien, PBR.A für die Vorzugsaktien. Jeder Hinterlegungsschein repräsentiert zwei brasilianische Originalaktien.
Zum Zeitpunkt der Betrachtung notierte PBR bei rund 21,50 US-Dollar. Daraus ergab sich eine Marktkapitalisierung von ungefähr 140 Milliarden US-Dollar. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis lag bei 5,3, die erwartete Dividendenrendite bei 7,7 Prozent.
Die niedrige Bewertung hängt wesentlich mit dem staatlichen Einfluss zusammen. Investitionsentscheidungen folgen bei Petrobras nicht ausschließlich wirtschaftlichen Erwägungen. Die jeweilige Regierung kann eigene Prioritäten setzen und damit auch die Interessen der Aktionäre beeinflussen.
Große Ölvorkommen und niedrige Förderkosten
Petrobras produziert täglich mehr Erdöl als der französische Energiekonzern TotalEnergies. Der Schwerpunkt liegt vor der brasilianischen Atlantikküste, wo sich gewaltige Öl- und Gasvorkommen unter dem Meeresboden befinden.
Eine besondere Rolle spielen die sogenannten Vorsalzfelder. Diese Lagerstätten liegen unter mächtigen Salzschichten und waren lange Zeit technisch nur schwer zugänglich. Petrobras hat sich auf die Erschließung solcher Tiefseevorkommen spezialisiert und verfügt inzwischen über erhebliche Erfahrung auf diesem Gebiet.
Die reinen Förderkosten liegen teilweise unter sechs US-Dollar je Barrel. Einschließlich weiterer operativer Kosten, Abgaben und Abschreibungen ergeben sich Gesamtkosten von etwa 30 bis 40 US-Dollar. Damit besitzt Petrobras einen beträchtlichen finanziellen Puffer gegenüber fallenden Ölpreisen.
Die nachgewiesenen Reserven reichen rechnerisch für etwa zwölf bis dreizehn Jahre. Diese Zahl ist allerdings keine feste Restlaufzeit. Durch zusätzliche Erschließungen und Neubewertungen werden die Reserven regelmäßig ergänzt. Große Teile der potenziellen Fördergebiete sind bislang noch nicht vollständig erschlossen.
Auch geografisch könnte sich das Unternehmen künftig breiter aufstellen. Petrobras prüft Möglichkeiten, seine Erfahrungen bei der Offshoreförderung vor der afrikanischen Küste einzusetzen.
Hinzu kommt eine veränderte internationale Nachfrage. Asiatische Länder, die bislang stark von Öllieferungen aus dem Nahen Osten abhängig waren, interessieren sich verstärkt für brasilianische Bezugsquellen. Allan Galecki erwartet, dass solche Lieferbeziehungen auch bei einem späteren Rückgang der Ölpreise Bestand haben könnten.
Die wirtschaftliche Ausgangslage unterscheidet sich damit erheblich von jener vor rund zehn Jahren. Damals belasteten hohe Schulden, kostspielige Projekte, politische Skandale und fallende Ölpreise den Konzern. Inzwischen hat Petrobras seine finanzielle Situation deutlich verbessert.
Die Politik bestimmt die Investitionsrichtung
Wie Petrobras seine Gewinne verwendet, hängt auch von der politischen Führung Brasiliens ab. Unter Präsident Lula wurden Investitionen in Bereiche wie Biokraftstoffe, Düngemittel und erneuerbare Energien vorangetrieben.
Eine politisch anders ausgerichtete Regierung könnte dagegen wieder stärker auf das traditionelle Öl- und Gasgeschäft setzen. Zum Zeitpunkt des Gesprächs stand die Stichwahl um das brasilianische Präsidentenamt noch bevor. Allan Galecki sah in einem möglichen Sieg des Bolsonaro-Lagers die Aussicht auf größere unternehmerische Freiheiten und eine stärkere Orientierung an den Interessen der Aktionäre.
Ob entsprechende Investitionsentscheidungen tatsächlich zurückgenommen würden, blieb offen. Allerdings könnte eine stärkere Konzentration auf die bestehenden Fördergebiete und die geplante Expansion nach Afrika die Ertragskraft des traditionellen Geschäfts weiter stärken.
Der politische Einfluss erklärt einen wesentlichen Teil des Bewertungsabschlags gegenüber anderen internationalen Ölkonzernen. Für Anleger bleibt damit neben dem Ölpreis eine zweite Größe entscheidend, die sich kaum verlässlich prognostizieren lässt.
Besonders deutlich wird das bei der Dividendenpolitik.
Petrobras gehört ausdrücklich nicht zu den Unternehmen, die ihre Ausschüttungen über Jahrzehnte konstant halten oder regelmäßig erhöhen. Bis 2011 entwickelte sich die Dividende zunächst positiv. Anschließend folgte eine lange Phase mit sehr geringen Ausschüttungen.
Ab 2021 änderte sich das Bild grundlegend. Die Zahlungen stiegen kräftig und erreichten 2022 einschließlich Sonderdividenden rund 6,08 US-Dollar je ADR. Danach gingen sie wieder deutlich zurück.
Die Dividende orientiert sich wesentlich an den erwirtschafteten Ergebnissen. Zusätzliche Bonuszahlungen können die regulären Ausschüttungen erheblich erhöhen. Entsprechend stark schwankt auch die Ausschüttungsquote, die zeitweise unter 20 Prozent, in anderen Jahren dagegen über 80 Prozent lag.
Galecki hält bei anhaltend hohen Ölpreisen künftig deutlich höhere Ausschüttungen für möglich. Seine Überlegung beruht darauf, dass die zuletzt gemeldeten Ergebnisse die aktuellen Ölpreise erst teilweise widerspiegelten. Hinzu kommt die Möglichkeit weiterer Sonderdividenden.
Für Anleger bedeutet das allerdings, dass eine hohe aktuelle Dividendenrendite keineswegs mit einem dauerhaft verlässlichen Zahlungsstrom gleichzusetzen ist.
Aktienkurs und Bewertung bieten weiteres Potenzial
Auch der Aktienkurs weist eine bewegte Geschichte auf. Vor der Finanzkrise 2008 wurden die Petrobras-ADR zeitweise mit mehr als 50 US-Dollar gehandelt. Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang und einer kurzen Erholung folgte ein langjähriger Abwärtstrend.
2016 fiel der Kurs auf weniger als vier US-Dollar. Neben den politischen Problemen und der hohen Verschuldung spielte der massive Ölpreisverfall zwischen 2014 und 2016 eine wesentliche Rolle. Später belastete der Corona-Crash die Aktie erneut.
Seit 2020 zeigt sich unter erheblichen Schwankungen wieder eine aufwärtsgerichtete Entwicklung. Dennoch liegt die Notierung weiterhin deutlich unter den früheren Höchstständen.
Galecki sieht unter bestimmten Voraussetzungen weiteres Kurspotenzial. Dazu zählen anhaltend hohe Ölpreise, zusätzliche internationale Nachfrage und eine wirtschaftsfreundlichere politische Ausrichtung Brasiliens. Letztere könnte nach seiner Einschätzung auch ausländisches Kapital anziehen und den brasilianischen Real stärken.
Eine Aufwertung der Landeswährung wäre für internationale Anleger ein zusätzlicher Faktor. Umgekehrt bleibt die Aktie anfällig für Veränderungen der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Die fundamentalen Kennzahlen erscheinen zunächst günstig. Neben dem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 5,3 lagen das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei ungefähr eins und das Kurs-Buchwert-Verhältnis bei etwa 1,4.
Besonders bemerkenswert ist der freie Cashflow. Im zuletzt betrachteten Quartal erwirtschaftete Petrobras bereinigt um Veränderungen des Working Capital knapp zehn Milliarden US-Dollar. Auf ein Gesamtjahr hochgerechnet entspräche das rund 40 Milliarden US-Dollar.
Eine solche Hochrechnung setzt allerdings voraus, dass die günstigen wirtschaftlichen Bedingungen fortbestehen. Insbesondere der Ölpreis ist dafür entscheidend.
Auch die Verschuldung erscheint bei genauerer Betrachtung weniger problematisch, als manche Datenbankkennzahlen vermuten lassen. Ein erheblicher Teil der ausgewiesenen Verbindlichkeiten entfällt auf Leasingverpflichtungen für gemietete Förderanlagen.
Die eigentlichen Finanzschulden, überwiegend Anleihen, beliefen sich auf rund 25 Milliarden US-Dollar. Nach Abzug liquider Mittel von etwa zehn Milliarden US-Dollar verblieben ungefähr 15 Milliarden US-Dollar Nettoschulden.
Gemessen an der aktuellen Ertragskraft ist das eine überschaubare Belastung. Galecki sieht deshalb finanziell ausreichend Spielraum für höhere Dividenden.
Für welche Anleger eignet sich Petrobras?
Bei der abschließenden Bewertung fällt Galeckis Urteil positiv aus. Er sieht Petrobras angesichts der günstigen Bewertung, der verbesserten Bilanz und der möglichen Entwicklung des Ölmarktes als aussichtsreichen Titel.
Ein wichtiger Unsicherheitsfaktor bleibt die brasilianische Präsidentschaftswahl. Ein für die Aktionäre ungünstiger Wahlausgang könnte kurzfristig deutliche Kursverluste auslösen. Galecki hält die internationale Energieversorgung allerdings derzeit für den stärkeren Einflussfaktor.
Für ein klassisches Dividendenportfolio mit dem Ziel möglichst konstanter Ausschüttungen fällt meine Bewertung zurückhaltender aus. Die Dividendenhistorie von Petrobras zeigt erhebliche Schwankungen. Wer auf gut planbare Kapitaleinkünfte angewiesen ist, findet bei anderen Ölkonzernen wie Chevron eine verlässlichere Ausschüttungspolitik.
Anders stellt sich die Situation für Anleger dar, die bereits über ein breit aufgestelltes Einkommensportfolio verfügen und einen spekulativeren Anteil ergänzen möchten. Hier kann Petrobras aufgrund der niedrigen Bewertung, der hohen Ertragskraft und möglicher zusätzlicher Dividenden interessant sein.
Neben der operativen Entwicklung bieten auch die internationale Nachfrage nach brasilianischem Öl und eine mögliche Aufwertung des Real Chancen. Voraussetzung bleibt allerdings, dass sich die Erwartungen an Ölpreis, Politik und Investitionsentscheidungen zumindest teilweise erfüllen.
Petrobras verbindet damit eine ungewöhnlich günstige Bewertung mit erheblichen wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten. Die Aktie kann hohe laufende Erträge und zusätzliche Kursgewinne ermöglichen. Die dafür notwendige Bereitschaft, schwankende Ausschüttungen und Kurse zu akzeptieren, unterscheidet sie jedoch von klassischen Dividendenwerten.
Haftungsausschluss
Zu den Risiken und Nebenwirkungen des Handels mit Derivaten und Wertpapieren, den veröffentlichten Informationen sowie besprochenen Möglichkeiten der Geldanlage einschließlich potenzieller Interessenskonflikte verweise ich auf den Haftungsausschluss und die Transparenzrichtlinien, die analog für den Podcast und das Video gelten.
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