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Zinsen, KI und neue Income-Produkte
Steigende Zinsen, der wachsende Strombedarf künstlicher Intelligenz und eine neue Generation von Income-Produkten prägen derzeit die Märkte. Gleichzeitig feiern klassische Tabakwerte ein Comeback, Ölkonzerne schütten Milliarden an ihre Aktionäre aus und deutsche Vermögensverwalter halten so wenig Liquidität wie seit Jahren nicht mehr. Acht Blitzlichter (nicht nur) aus der Welt der einkommensorientierten Geldanlage.
Sponsor des Beitrags
Der Sponsor dieser Folge ist IncomeShares. Das Finanzunternehmen mit Sitz in Irland ist auf die Entwicklung und den Vertrieb innovativer Anlagestrategien spezialisiert. Dabei bündelt es bewährte Optionsstrategien auf Aktien, Indizes und Rohstoffe in kostengünstigen Sammelanlagen. Investoren profitieren von monatlichen Ausschüttungen und niedrigen Gebühren. Die Produkte sind MiFID-II-konform und können von Privatanlegern in Deutschland direkt an der Börse gehandelt werden.
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- 0:00:00 Acht Blitzlichter für Einkommensinvestoren
- 0:01:13 EZB dreht die Zinsschraube wieder nach oben
- 0:03:20 Geldmarkt-ETFs profitieren von höheren Zinsen
- 0:05:05 Dieser Steuervorteil existiert doch nicht
- 0:08:37 KI könnte teurer werden als viele denken
- 0:11:48 Versorger profitieren vom Stromhunger der KI
- 0:12:39 Autocallable-ETFs erobern den Markt
- 0:14:57 So funktionieren die hohen Ausschüttungen
- 0:18:19 Tabakaktien feiern ihr Comeback
- 0:20:56 Trump verspricht 5.000 Dollar Dividende
- 0:23:12 Warum Politiker Wählern Vorteile versprechen
- 0:25:17 „Es gibt Geld“ ist keine neue Wahlkampfidee
- 0:26:09 US-Ölkonzerne setzen stärker auf Aktionäre
- 0:29:06 Anleger halten so wenig Cash wie lange nicht
- 0:31:08 Hohe Aktienquoten können ein Warnsignal sein
- 0:34:14 Diese Aktien schütten jetzt Dividenden aus
- 0:36:50 Autocallables sind kein Renditegeschenk
- 0:39:11 Die Trump-Dividende bleibt im Gedächtnis
Steigende Zinsen und ein Irrtum bei Geldmarkt-ETFs
Die EZB hat den Leitzins erneut um 25 Basispunkte auf 2,5 Prozent angehoben. Auch in den USA sind weitere Zinsschritte nicht ausgeschlossen. Steigende Energiepreise könnten die Inflation noch über Monate beeinflussen, weil höhere Kosten erst mit Verzögerung über Produzenten, Versorger und Einzelhandel weitergegeben werden. Trotz dieses Umfelds bleiben die Ausschüttungen der Unternehmen robust: Im ersten Quartal stiegen die weltweiten Dividenden um zehn Prozent auf 424 Milliarden Dollar.
Für Anleiheinvestoren sind steigende Zinsen zunächst unangenehm, weil sie fallende Kurse bestehender Anleihen bedeuten. Je länger deren Laufzeit beziehungsweise Duration, desto stärker fällt dieser Effekt aus. Eine Ausnahme bildet der Geldmarkt. Dort sind die Laufzeiten so kurz, dass höhere Zinsen rasch in höhere Renditen einfließen. Das erklärt auch die Popularität von Geldmarkt-ETFs seit dem Zinsumschwung 2022.
Ein bekannter Vertreter ist der Xtrackers Euro Overnight Rate Swap ETF, der synthetisch den kurzfristigen Euro-Zins €STR zuzüglich eines kleinen Aufschlags abbildet. Eine Alternative ist der Amundi Smart Overnight Return ETF. Zu diesem Produkt hält sich allerdings eine steuerliche Fehlannahme, die an dieser Stelle ausdrücklich korrigiert werden soll.
Der Amundi-ETF hält in seinem Trägerportfolio überwiegend Aktien und erzeugt die Geldmarktrendite über ein Swapgeschäft. Daraus wird mitunter geschlossen, er müsse als Aktienfonds gelten und Anleger könnten deshalb von der 30-prozentigen Teilfreistellung profitieren. Das ist falsch. Entscheidend ist nicht allein, welche Wertpapiere sich im Trägerportfolio befinden, sondern wie der Fonds steuerlich qualifiziert ist und welche Mindestaktienquote dauerhaft zugesichert wird.
Beim Amundi Smart Overnight Return wird eine Aktienquote von mehr als 50 Prozent nicht garantiert. Der Fonds wird deshalb als Geldmarkt- und nicht als Aktienfonds klassifiziert. Eine Teilfreistellung gibt es folglich nicht. Einen kleinen Renditevorteil gegenüber dem Xtrackers kann das Produkt dennoch aufweisen. Dieser resultiert jedoch aus regulatorischen und Quellensteuereffekten innerhalb des Swapgeschäfts und nicht aus einer Teilfreistellung.
Der Stromhunger der künstlichen Intelligenz
Bei künstlicher Intelligenz lautet eine verbreitete Annahme, dass sie menschliche Arbeit vor allem deshalb ersetzen wird, weil sie erheblich billiger ist. Für standardisierte und ständig wiederkehrende Aufgaben spricht einiges dafür. Bei komplexeren Tätigkeiten ist die Rechnung weniger eindeutig.
Je anspruchsvoller die Aufgabe, desto größer werden Rechenaufwand, notwendige Infrastruktur und Stromverbrauch. Milliarden fließen in neue Rechenzentren. Schätzungen zufolge könnte sich deren Strombedarf bis 2030 mehr als vervierfachen. Ihr Anteil am gesamten Stromverbrauch der USA könnte von derzeit rund 4,4 Prozent auf zwölf bis 20 Prozent steigen.
Damit stellt sich irgendwann auch die Kostenfrage. Dass eine KI eine Tätigkeit technisch übernehmen kann, bedeutet noch nicht zwangsläufig, dass sie unter Einbeziehung sämtlicher Kosten dauerhaft günstiger arbeitet.
Für Anleger ergibt sich daraus eine weitere Perspektive. Klassische Versorger könnten zu Profiteuren des steigenden Strombedarfs werden. Consolidated Edison etwa hat seine Dividende seit 52 Jahren in Folge erhöht und rentiert derzeit mit rund 3,2 Prozent. Southern Company kommt auf etwa 3,4 Prozent, Edison International auf rund 4,6 Prozent. Aus vermeintlich langweiligen Versorgern könnte damit zumindest teilweise eine Wachstumsgeschichte werden.
Autocallables wandern in den ETF-Mantel
Im Bereich der Income-ETFs rollt unterdessen eine neue Produktwelle an. Diesmal geht es nicht um Covered Calls, sondern um Autocallables. Was vor wenigen Jahren vor allem im Private Banking als strukturiertes Produkt angeboten wurde, findet zunehmend seinen Weg in ETFs.
Seit 2025 haben mehrere Anbieter entsprechende Produkte aufgelegt. Calamos machte den Anfang, inzwischen sind unter anderem REX, First Trust, ProShares, Janus Henderson und ARK vertreten. GraniteShares bietet sogar Autocallable-ETFs auf einzelne Aktien wie Nvidia, Tesla, Strategy, Coinbase oder Palantir an.
Vereinfacht basiert ein Autocallable auf drei entscheidenden Schwellen. Oberhalb der Couponbarriere wird an den festgelegten Beobachtungstagen der Coupon gezahlt. Wird die Autocall-Barriere erreicht, endet das Produkt vorzeitig und das Kapital wird zurückgezahlt. Entscheidend für das Verlustrisiko ist die Kapitalbarriere am Laufzeitende.
Ein Beispiel verdeutlicht das Prinzip. Startet ein Index bei 100 Punkten, zahlt das Produkt zwölf Prozent Coupon und liegt die Kapitalbarriere bei 60 Punkten, bleibt ein Rückgang auf 90, 80 oder 65 Punkte zunächst folgenlos. Notiert der Index am Ende jedoch bei 55 Punkten, greift der Schutz nicht mehr. Aus zwölf Prozent Ausschüttung können dann 45 Prozent Kapitalverlust werden.
Die hohen Zahlungen sind damit keine zusätzliche Rendite ohne Gegenleistung. Der Anleger übernimmt wirtschaftlich das Risiko eines starken Kursrückgangs und erhält dafür eine Prämie. Gleichzeitig ist sein Aufwärtspotenzial begrenzt, weil das Produkt bei entsprechend positiver Entwicklung vorzeitig zurückgezahlt werden kann.
Auch Europa ist inzwischen dabei. Seit April wird eine UCITS-Variante des Calamos Autocallable Income ETF über Xetra gehandelt. Sie enthält 52 Autocallables mit gestaffelten wöchentlichen Fälligkeiten. Die Barriere liegt bei minus 40 Prozent, der gewichtete Coupon derzeit bei rund 14 Prozent pro Jahr. Das wirkt komfortabel, solange die Barriere weit entfernt erscheint. Die Rendite bleibt jedoch der Preis für das übernommene Risiko.
Tabak und Öl zahlen weiter
Bei den klassischen Dividendenwerten erleben Tabakaktien derzeit eine bemerkenswerte Neubewertung. Die Unternehmen haben auch in den vergangenen Jahren Geld verdient, inzwischen entwickeln sich jedoch alternative Produkte wie Tabakerhitzer und Nikotinbeutel deutlich besser.
Altria lag zeitweise bei einer Dividendenrendite von knapp zehn Prozent. Nach dem deutlichen Kursanstieg sind es noch rund 6,4 Prozent. Hinzu kommt eine jüngste Dividendenerhöhung um 4,7 Prozent. British American Tobacco kommt auf etwa 5,8 Prozent, Philip Morris auf gut drei Prozent.
Ein Treiber der neuen Erwartungen sind Nikotinbeutel. Die Umsätze einzelner Marken könnten sich von knapp sieben Milliarden auf mehr als 40 Milliarden Dollar bis 2033 entwickeln. Damit werden die Tabakkonzerne an der Börse nicht mehr ausschließlich als Unternehmen einer schrumpfenden Branche bewertet.
Auch bei den großen Ölkonzernen fließen erhebliche Mittel an die Aktionäre, wobei Dividenden nur einen Teil ausmachen. Shell schüttete im zweiten Quartal insgesamt 5,2 Milliarden Dollar aus, davon drei Milliarden über Aktienrückkäufe und 2,2 Milliarden als Dividenden. Die Rückkäufe wurden inzwischen allerdings ausgesetzt. Auch BP hat seine Rückkäufe pausiert, um Schulden zu reduzieren.
Anders sieht es bei Exxon und Chevron aus. Beide halten nicht nur an ihren Dividenden fest, sondern führen auch ihre Aktienrückkäufe fort. Chevron hat mittlerweile im 16. Quartal in Folge Aktien im Umfang von mehr als fünf Milliarden Dollar zurückgekauft. Bei der Kapitalrückführung an die Aktionäre zeigen sich damit deutliche Unterschiede zwischen den britischen und amerikanischen Ölkonzernen.
Hohe Aktienquoten und niedrige Cashreserven
Deutsche Vermögensverwalter haben ihre Aktienquoten zuletzt deutlich erhöht. Eine Auswertung des Instituts für Vermögensaufbau von mehr als 51.000 Kundendepots bei 190 unabhängigen Vermögensverwaltern zeigt für das Ende des ersten Halbjahres 2026 eine Aktienquote von knapp 60 Prozent. Gleichzeitig ist der Liquiditätsanteil auf weniger als neun Prozent gefallen – der niedrigste Stand seit Beginn der Erhebung.
Der Ausbau der Aktienpositionen wurde also vor allem durch den Abbau von Cash finanziert. Eine vergleichbare Konstellation gab es zuletzt Ende 2021. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass eine hohe Aktienquote automatisch einen bevorstehenden Kursrückgang ankündigt.
Interessant ist in diesem Zusammenhang jedoch eine wissenschaftliche Untersuchung amerikanischer Haushalte. Die Ökonomen David Yang und Fang Zhang untersuchten, welchen Anteil ihres liquiden Anlagevermögens Haushalte in Aktien hielten. Das Ergebnis: Je höher diese Aktienquote ausfiel, desto niedriger waren im Durchschnitt die anschließenden Renditen, insbesondere über zehn Jahre.
Ein Extrembeispiel war das Jahr 2000. Auf dem Höhepunkt der Dotcom-Euphorie erreichte die Aktienquote der Haushalte einen damaligen Höchststand, anschließend folgten schwache Jahre. Im März 2009 war die Quote dagegen sehr niedrig; in den folgenden Jahren lagen die Renditen nahe 20 Prozent pro Jahr.
Der Zusammenhang lässt sich zumindest teilweise mit dem Anlegerverhalten erklären. Aktienquoten steigen typischerweise, nachdem Aktien bereits gut gelaufen sind und der Optimismus zunimmt. Steigende Kurse schaffen Zuversicht, zusätzliche Mittel fließen in den Markt und treiben die Kurse weiter. Das funktioniert allerdings nur, solange weiteres Kapital verfügbar ist.
Die aktuellen deutschen Daten sind mit der amerikanischen Untersuchung nicht unmittelbar vergleichbar. Dort wurden private Haushalte über Jahrzehnte betrachtet, hier professionell verwaltete Kundendepots. Eine Aktienquote von knapp 60 Prozent ist deshalb kein Verkaufssignal. Sie fällt aber mit einer rekordnahen Aktienquote, einer rekordniedrigen Cashquote und einer Phase ausgesprochen guter Aktienmärkte zusammen.
Gerade deshalb besteht wenig Anlass, die letzten Liquiditätsreserven nur aufgrund der bisherigen Kursentwicklung ebenfalls in Aktien zu investieren. Wer regelbasiert rebalanciert, löst das Problem ohnehin mechanisch: Nach starken Aktienmärkten fließt ein größerer Teil neuer Erträge in die Cashreserve.
Autocallables zeigen am Ende dasselbe Grundproblem aus einer anderen Perspektive. Zweistellige Coupons und weit entfernte Barrieren können attraktiv aussehen, beseitigen aber das Marktrisiko nicht. Bei seltenen, starken Kursrückgängen wird sichtbar, wofür die laufende Prämie gezahlt wurde. Die Rendite gibt es nicht als Geschenk.
Haftungsausschluss
Zu den Risiken und Nebenwirkungen des Handels mit Derivaten und Wertpapieren, den veröffentlichten Informationen sowie besprochenen Möglichkeiten der Geldanlage einschließlich potenzieller Interessenskonflikte verweise ich auf den Haftungsausschluss und die Transparenzrichtlinien, die analog für den Podcast und das Video gelten.
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