Kapitalimpuls: Ist die Börse eine Lotterie? – Folge 001

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Der unterschätzte Renditefaktor

Zwei Menschen investieren gleich viel Geld, gleich lange und in denselben Aktienmarkt. Der eine kommt kaum voran, der andere vervielfacht sein Vermögen. Der Unterschied liegt weder in Talent noch in Disziplin, sondern im Startzeitpunkt. Genauer: in der Börsenphase, in der das eigene Anlegerleben beginnt.

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  • 0:00:00 Warum das Geburtsjahr die Rendite prägt
  • 0:00:24 Der Startzeitpunkt wird oft unterschätzt
  • 0:01:11 Zwei Anleger starten in verschiedenen Phasen
  • 0:02:31 Gleiche Anlage, sehr unterschiedliche Ergebnisse
  • 0:02:58 Renditen kommen in wenigen starken Phasen
  • 0:03:52 Frühe Erfahrungen prägen das Anlegerverhalten
  • 0:04:48 Warum Generationen unterschiedlich investieren
  • 0:05:10 Drei Lehren für langfristige Anleger
  • 0:05:59 Wege, unabhängiger vom Marktzyklus zu werden
  • 0:06:44 Ausblick und Einladung zum Weiterdenken

Der unterschätzte Faktor: Die ersten Börsenjahre

Über Renditen, Kosten, Risiken und Diversifikation wird viel gesprochen. Kaum thematisiert wird dagegen, wann jemand überhaupt anfängt zu investieren. Dabei ist genau dieser Zeitpunkt alles andere als nebensächlich.

Historische Daten zeigen, dass der persönliche Anlageerfolg stark vom Umfeld der ersten Börsenjahre abhängen kann. Es geht nicht nur um Strategie oder Produktauswahl, sondern um die Marktphase, in die man zufällig hineingerät.

Um das zu verdeutlichen, lohnt ein gedankliches Experiment.

Zwei Anleger, ein Markt – unterschiedliche Ergebnisse

Zwei fiktive Investoren investieren frühzeitig, breit gestreut in den US-Aktienmarkt. Beide verfolgen ein sauberes Buy-and-Hold-Konzept. Dividenden werden konsequent reinvestiert. Der einzige Unterschied: Der eine ist 1950 geboren, der andere 1970.

Der 1950 Geborene startet seine Anlegerlaufbahn in einer Phase, die real – also nach Inflation – über viele Jahre von Stagnation und Bärenmärkten geprägt ist. Die Erfahrung ist frustrierend: viel Geduld, wenig Fortschritt.

Der 1970 Geborene erlebt dagegen einen der dynamischsten Bullenmärkte der Geschichte. Die Kurse steigen über Jahre, Rückschläge werden zügig aufgeholt. Aktien scheinen zuverlässig Vermögen zu mehren.

Beide investieren ab dem 13. Lebensjahr eine breit gestreute Einmalanlage in US-Aktien und halten diese bis zum 30. Geburtstag. Alle Ausschüttungen werden wieder angelegt.

Das Ergebnis ist drastisch unterschiedlich. Der 1950 Geborene erhält sein Vermögen real mit Mühe und Not. Der 1970 Geborene verneunfacht sein Kapital. Nicht wegen besserer Entscheidungen, sondern wegen einer anderen Marktphase.

Langfristig steigt der Markt – aber nicht gleichmäßig

Ein verbreitetes Dogma lautet: Langfristig steigen Aktien immer, also ist das Timing irrelevant. Im statistischen Durchschnitt mag das für sehr lange Zeiträume stimmen. In der Realität jedoch konzentrieren sich große Teile der Rendite auf vergleichsweise kurze, sehr starke Phasen.

Dazwischen liegen oft lange Abschnitte, in denen Märkte seitwärts laufen oder real kaum Ertrag liefern. Für den US-Aktienmarkt entfiel ein Großteil der Gesamtrendite auf wenige Perioden: 1925 bis 1929, 1950 bis 1965, 1985 bis 2000 sowie die Zeit seit 2010. Außerhalb dieser Phasen bewegten sich breite Indizes über längere Strecken real kaum vorwärts.

Für ein einzelnes Anlegerleben ist daher entscheidend, ob die prägenden Jahre in eine starke oder eine schwache Marktphase fallen.

Wie frühe Erfahrungen die Risikowahrnehmung prägen

Die ersten Börsenerfahrungen beeinflussen, wie Risiko wahrgenommen wird. Wer in einer Phase beginnt, in der Aktien überwiegend steigen und Rückschläge zügig aufgeholt werden, entwickelt ein anderes Bild von „normaler“ Börse als jemand, der jahrelange Stagnation erlebt.

Beide haben objektiv denselben Markt vor sich, aber subjektiv eine völlig unterschiedliche Erfahrung gemacht.

Es gibt Hinweise darauf, dass diese frühen Erfahrungen die spätere Bereitschaft beeinflussen, Aktien zu halten. Generationen, die mit starken Märkten sozialisiert wurden, weisen tendenziell höhere Aktienquoten auf als solche, die in schwachen Phasen gestartet sind. Die Studienlage ist noch nicht umfassend, doch ein Zusammenhang wurde herausgearbeitet.

Wer erlebt hat, dass Investieren über Jahre kaum Fortschritt bringt oder sogar Verluste erzeugt, entwickelt leichter Misstrauen. Wer dagegen steigende Kurse als Normalität kennengelernt hat, bleibt eher investiert.

Die derzeit historisch hohe Aktienquote jüngerer Generationen könnte auch eine Folge der langen Hausse seit der Finanzkrise sein.

Was das für dich als Anleger bedeutet

Erstens: Die Aussage „Buy and Hold funktioniert immer“ ist als Lebensrealität zu schlicht. Im langfristigen Durchschnitt kann sie zutreffen, aber nicht zwingend innerhalb eines individuellen Anlegerlebens.

Zweitens: Ein Teil des Anlageerfolgs ist schlicht vom Startzeitpunkt abhängig. Das ist kein angenehmer Gedanke, aber ein realistischer.

Drittens: Du bist diesem Effekt nicht vollständig ausgeliefert. Portfolios lassen sich so strukturieren, dass sie weniger stark von einzelnen Marktphasen abhängen. Etwa durch eine regelbasierte Allokation zwischen verschiedenen Anlageklassen oder durch die Beimischung von Strategien, die nicht eins zu eins am Aktienmarkt hängen.

Ziel ist nicht, den Markt zu schlagen. Ziel ist es, Vermögen aufzubauen und zu erhalten – möglichst unabhängig davon, in welcher Börsenphase dein Anlegerleben zufällig begonnen hat.

Der Startzeitpunkt lässt sich nicht wählen. Die Struktur des Portfolios dagegen schon.Die praktische Umsetzung mit Echtgelddepot und regelmäßigen Live-Calls findest Du im Income Investing Club.

Haftungsausschluss

Zu den Risiken und Nebenwirkungen des Handels mit Derivaten und Wertpapieren, den veröffentlichten Informationen sowie besprochenen Möglichkeiten der Geldanlage einschließlich potenzieller Interessenskonflikte verweise ich auf den Haftungsausschluss und die Transparenzrichtlinien, die analog für den Podcast und das Video gelten.

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