Geldgespräch: TikToker Ibrahim Ahmiane – Folge 067

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Die stillen Champions der Börse verstehen

Finanzielle Freiheit ist in sozialen Medien ein Dauerbrenner. Doch zwischen Schlagworten und Substanz liegen oft Welten. Im Gespräch erläutert Ibrahim Amiane, bekannt als „Professor Finanzen“, wie er vom Sammeln seltener Yu-Gi-Oh-Karten zur systematischen Aktienanalyse kam, warum er auf sogenannte Hidden Champions setzt – und weshalb Qualität in einem möglichen Bärenmarkt den Unterschied machen dürfte.

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  • 0:00:00 Reich werden: Mythen und Realität
  • 0:01:57 Vom Sammelkarten-Tausch zum Investieren
  • 0:03:51 Erster Kontakt mit Börse und Vorbildern
  • 0:07:00 Einblick in Banken und wie Geld arbeitet
  • 0:11:10 Start auf TikTok und viraler Durchbruch
  • 0:13:13 Kurzvideos als Einstieg in Finanzwissen
  • 0:16:52 Warum Finanzbildung in Schulen fehlt
  • 0:20:13 Rente verstehen und Vorsorge ernst nehmen
  • 0:22:40 Einzelaktien statt ETFs: Mein Ansatz
  • 0:26:08 Hidden Champions einfach erklärt
  • 0:29:27 Systematische Aktienauswahl im Überblick
  • 0:35:26 Wann ich verkaufe und Risiken bewertet
  • 0:39:42 Cash-Reserve und Notgroschen trennen
  • 0:46:15 Marktzyklen KI-Hype und Risiken

Vom Schulhof zur Kapitalallokation

Der Einstieg in die Finanzwelt begann für Amiane nicht mit einem Börsenbuch, sondern mit einer seltenen Sammelkarte. Als Schüler zog er zufällig den „Weißen Drachen“ – eine der begehrtesten Karten im Deck. Am nächsten Tag wollte jeder tauschen. „Da habe ich gemerkt: Hast du etwas, bist du etwas. Tauschst du das, bekommst du etwas anderes.“ Der Gedanke von Knappheit und Wert war gesetzt.

Der entscheidende Impuls kam später durch einen Vater eines Fußballkollegen. Auf die Frage, was er beruflich mache, antwortete dieser knapp: „Ich lasse mein Geld für mich arbeiten.“ Aktien seien der Weg. Amiane lieh sich daraufhin sein erstes Trading-Buch aus – verstand kaum etwas – und legte es zunächst zur Seite. Erst später kehrte er systematisch zum Thema zurück.

Während seines Studiums der Betriebswirtschaftslehre arbeitete er im Risikomanagement einer großen Bank. Dort sah er, dass selbst einkommensstarke Kunden nicht durch Sparen, sondern durch Beteiligungen an Unternehmen Vermögen aufgebaut hatten. Gleichzeitig erlebte er Defizite in der finanziellen Grundbildung. Für ihn ist das weniger eine Frage von Daytrading als von Basiswissen: Inflation, Zinseszins, Funktionsweise des Rentensystems.

Finanzbildung im Kurzformat – mit Grenzen

2020 begann Amiane, Finanzinhalte auf TikTok zu veröffentlichen. Sein erstes Video erzielte über eine Million Aufrufe. Die Kurzformate sieht er als Einstiegshilfe: „Für kleine Info-Nuggets ist es super.“ ETF-Grundlagen oder Hinweise zu Rentenansprüchen ließen sich anschaulich vermitteln.

Für tiefgehende Analysen reiche das Format jedoch nicht aus. In seiner eigenen Investment-Community würden Unternehmen bis ins Detail analysiert – inklusive Geschäftsmodell, Managementqualität und Discounted-Cashflow-Modell. Kurzvideos könnten Interesse wecken, nicht jedoch die vollständige Analyse ersetzen.

Hidden Champions: Marktführerschaft im Verborgenen

Im Zentrum seines Investmentansatzes stehen sogenannte Hidden Champions. Gemeint sind Unternehmen, die in klar definierten Nischen global führend sind, ohne im öffentlichen Bewusstsein stark präsent zu sein.

Ein prominentes Beispiel ist ASML, Hersteller hochkomplexer Lithografiemaschinen für die Halbleiterindustrie. Ohne diese Technologie gäbe es viele bekannte Tech-Konzerne in ihrer heutigen Form nicht. Auch Unternehmen wie Simrise (Aromen und Duftstoffe) oder Fuchs (Spezialschmierstoffe) nennt er als typische Vertreter: strukturell dominant, hohe Preissetzungsmacht, starke Kundenbindung im B2B-Bereich.

„Hidden heißt nicht klein“, betont Amiane. Entscheidend sei die wirtschaftliche Dominanz bei gleichzeitiger gesellschaftlicher Unsichtbarkeit.

Die Amiane-Methode: Systematik statt Bauchgefühl

Seine Aktienauswahl folgt keinem spontanen Impuls, sondern einer strukturierten Bewertungsmethode. Ausgangspunkt ist ein Trendscreening: Welche langfristigen Herausforderungen prägen die Welt? Alternde Gesellschaften, medizinischer Fortschritt, technologische Entwicklung.

Auf dieser Basis identifiziert er Branchen und analysiert einzelne Unternehmen anhand eines eigenen Kriterienmodells. Die sogenannte Amiane-Methode basiert auf drei Säulen: Hidden-Champions-Forschung (u. a. Hermann Simon), klassische Value-Investing-Prinzipien nach Graham und Buffett sowie moderne Asset-Pricing-Theorien.

Jeder Buchstabe des Namens steht für eine Prüfdimension – etwa Alleinstellungsmerkmal, Marktposition, Innovationsqualität oder Ertragskraft. Am Ende entsteht ein Punktesystem, das die relative Qualität innerhalb der Branche einordnet.

Im Depot hält Amiane rund 35 Positionen. Verkauft wird nur, wenn der ursprüngliche Investmentansatz nicht mehr trägt. Als Beispiel nennt er Tesla: Als sich aus seiner Sicht das unternehmerische Risiko durch strategische Entwicklungen erhöhte, reduzierte er seine Position deutlich.

Risikomanagement und Liquidität

Neben dem investierten Kapital hält Amiane eine Liquiditätsreserve in Höhe von vier Netto-Monatsgehältern. Diese dient als Puffer für unerwartete Ereignisse oder als Reserve für Marktverwerfungen. „Das Geld, das du investierst, vergiss es. Lass es liegen.“

Investmentkapital und Notgroschen seien strikt zu trennen. Wer bei einer Autoreparatur das Depot plündern müsse, habe die Struktur falsch gewählt.

Bärenmärkte und KI-Euphorie

Auf die Frage nach möglichen längeren Schwächephasen an den Märkten verweist Amiane auf historische Zyklen. Nach der Finanzkrise habe eine außergewöhnlich lange Phase steigender Märkte eingesetzt – getragen von niedrigen Zinsen und hoher Liquidität. Dass sich Zyklen wieder drehen, sei keine Frage des Ob, sondern des Wann.

Besonders im Bereich Künstliche Intelligenz sieht er Anzeichen von Übertreibungen. Viele Unternehmen schmückten sich mit dem Schlagwort, ohne substanziellen technologischen Kern. Parallelen zur Dotcom-Blase seien erkennbar. Entscheidend sei daher die Konzentration auf Unternehmen mit struktureller Stärke, belastbaren Bilanzen und nachhaltigen Cashflows.

Investment als persönlicher Weg

Trotz aller Systematik betont Amiane die individuelle Komponente. Nicht jeder müsse Aktieninvestor sein. Entscheidend sei, sich mit der gewählten Kapitalanlage wohlzufühlen. Ob Immobilien, Dividendenwerte oder Einzelaktien – der Ansatz müsse zur eigenen Persönlichkeit passen.

Mit seinem Buch „Werde Aktien-Millionär“ (*) richtet er sich vor allem an Einsteiger. Es verbindet Grundlagenwissen mit biografischen Elementen und führt Leser bis zur eigenen Aktienanalyse.

Am Ende bleibt ein nüchterner Kern: Vermögensaufbau erfordert Disziplin, strukturiertes Vorgehen und die Bereitschaft, Verantwortung für die eigene Kapitalallokation zu übernehmen. Die großen Versprechen mögen laut sein. Die Substanz entsteht meist im Stillen.

Haftungsausschluss

Zu den Risiken und Nebenwirkungen des Handels mit Derivaten und Wertpapieren, den veröffentlichten Informationen sowie besprochenen Möglichkeiten der Geldanlage einschließlich potenzieller Interessenskonflikte verweise ich auf den Haftungsausschluss und die Transparenzrichtlinien, die analog für den Podcast und das Video gelten.

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