Zugabe: Was kann ein Investor von Pokerspielern lernen?

Was kann ein Investor von Pokerspielern lernen?

Poker Spiele und Investment haben sehr viel gemeinsam. Nicht nur geht es bei beiden Tätigkeiten ums Eingemachte, nämlich ums Geld, sondern es helfen auch bestimmte Fähigkeiten dabei, erfolgreich zu sein. Sogar der praktische Ablauf gleicht sich teilweise, darum gibt es für Investoren einiges zu lernen, wenn sie sich mit dem Pokerspielen beschäftigen. Allerdings sollten sie sich dabei an echte Profispieler halten, die schon ihre Millionengewinne eingefahren haben.

Wer zu Hause mit ein paar Freunden um Knöpfe spielt, der hat noch kein echtes Poker erlebt. Das ist eher so ähnlich als würde jemand, der über einen Bach gehüpft ist, behaupten, er könne fliegen. Zum Pokerspielen nach Profi-Art gehört noch viel mehr als ein paar Regeln zu kennen und willige Mitspieler zu finden. Wer einmal um einen richtig hohen Einsatz gespielt hat, der wird sicherlich dabei einigen Schweiß vergossen und sich jeden einzelnen Schritt sehr genau überlegt haben. Schließlich soll die Investition nicht aus eigenem Versagen verlorengehen, sondern sich gründlich mehren. Leider sitzen harte Konkurrenten um den Tisch verteilt, die sich ihr Buy-in ebenfalls gern vergolden lassen möchten. Und auch sie geben sich nicht so leicht geschlagen, selbst wenn das Spiel mal länger dauert und richtig anstrengend wird.

Poker, Das Wort das bedeutet innerlich auf dem Drahtseil zu balancieren

Das eigene Blatt bleibt den anderen verborgen, niemand außer man selbst kennt die eigenen Karten. Deshalb muss der Gewinner nicht einmal wirklich eine hochwertige Hand vor Augen haben, er muss nur gut täuschen können. Wenn es ihm gelingt, die Konkurrenz glauben zu machen, dass er unschlagbar ist, dann geben die anderen vielleicht auf, um zumindest ein bisschen was zu retten. Doch was, wenn einer der Gegner ein derart gutes Blatt besitzt, dass er kaum noch etwas zu fürchten hat? Poker spielen, das bedeutet innerlich zu taumeln, teilweise auf dem Drahtseil zu balancieren, und dabei auszusehen, als habe man den großen Wurf bereits gemacht.

Richtig gut ist derjenige dran, der wirklich eine grandiose Kartenkombination sammeln kann, er hat kaum noch etwas zu befürchten. Um erfolgreich zu pokern, braucht es gar nicht mal so viel: Eigentlich kann sich jeder spielfreudige Mensch problemlos die nötige Grundausrüstung zulegen, die aus dem Regel- und Strategieverständnis besteht. Aber einige Charakterzüge und Fähigkeiten vergrößern die Chancen, ein echter Abräumer zu werden. Es ist jedenfalls kein Zufall, dass einige Profi-Spieler immer wieder mal haushohe Gewinne einstreichen und so die endgültige finanzielle Freiheit erreichen, auch wenn sie im Turnier nicht jedes Mal auf dem ersten Platz landen. Vielleicht gibt es nicht „den perfekten Pokerspieler“, aber ganz bestimmt existieren Menschen, die das Spiel deutlich besser beherrschen als andere.

https://pxhere.com/en/photo/916316

Finanzielle Freiheit ist kein Zufallsprodukt, sondern meistens von langer Hand geplant

Source: Pxhere

Licence: CC0 Public Domain

Die Bedeutung von Outs am Pokertisch

Nun tauchen wir erst einmal tiefer in die Pokermaterie ein, um das bisher lückenhafte Bild zu vervollständigen. Eine große Rolle bei diesem besonderen Kartenspiel spielen die Outs, also diejenigen Karten, die Ihnen dabei helfen, Ihre Hand zu vervollständigen. Am Beispiel eines Flushs können wir das sehr gut verdeutlichen: Der Flush besteht immer aus 5 Karten mit derselben Farbe, der Rang ist dabei beliebig. Bei einem Flush Draw auf der Hand fehlt nur noch eine einzige Karte, um den Flush zu vervollständigen. Weil sich im gesamten Deck 13 Karten derselben Farbe befinden, gibt es hier genau 9 Outs (13 – 4 = 9). Die Chance, zum Showdown ein richtig gutes Blatt zu haben, ist also mit etwa 36% noch relativ groß, doch der Flush Draw allein genügt noch nicht. Ein bisschen erinnert das an ein Investment-Paket, dem noch eine entscheidende Zutat fehlt, um einen Gewinn zu generieren.

Und dann wären da noch die Ratios, die den Pokerspielern dabei helfen, ihre Taktik möglichst exakt zu planen. Die M-Ratio stellt die bekannteste unter ihnen dar, sie dient dazu, zu berechnen, wie viele Runden der jeweilige Teilnehmer noch spielen kann. Dies lässt sich anhand der Größe des jeweiligen Stacks und der Höhe der Blinds / Antes berechnen. Übrigens muss jeder Spieler die Frage seines Konkurrenten nach der Höhe des eigenen Stacks wahrheitsgemäß beantworten, im Zweifelsfall darf sogar der Dealer nachzählen.

Der Q-Ratio bemisst die Relation des eigenen Stacks im Vergleich zum Durchschnitts-Stack des jeweiligen Turniers. Liegt der Q-Ratio unter 1, befindet sich der Spieler in einer schwachen Position. Dieser Q-Wert spielt neben dem M-Ratio eine vergleichsweise kleine Rolle, er dient eher als Ergänzung der Faktenlage. Doch eines ist bezüglich unseres Themas von entscheidender Bedeutung: Wer seine Ratio berechnet, der wägt ab, wie viel Zeit ihm noch für seine Aktionen bleibt. Das heißt in der Praxis, dass dieser kleine, aber feine Dreh vor voreiligen Handlungen schützen kann, wenn beim Rechenexempel herauskommt, dass noch mehr als genug Runden für die ins Auge gefasste Aktion zur Verfügung stehen. Und das kennen wir als Investoren doch nur zu genau!

Das Schicksal liegt nicht in den Händen des Zufalls

Die Frage, wann exakt der richtige Zeitpunkt ist, um zuzuschlagen, steht uns stets vor Augen. Eine derart einfache Rechenformel wie den Ratio haben wir in unserem Fachbereich zwar nicht zur Hand, doch gibt es zahlreiche Faktoren, die deutlich signalisieren, ob wir noch ein bisschen länger mit unserer Transaktion warten sollten / können. Wer regelmäßig seine Charts studiert, die neusten Wirtschaftsnachrichten liest und sich eventuell sogar in Insider-Kreisen umhört, der bleibt von voreiligen Entscheidungen verschont. Frei nach dem Motto: „Wenn alle sich über die Klippe stürzen, dann bleibe ich stehen und warte bis die angekündigte Brücke steht.“ Weder beim Poker noch beim finanziellen Investment sind wir dem Zufall ausgeliefert, ganz im Gegenteil: Der eigene Aktionsraum innerhalb des unbeherrschbaren Gesamtsystems ist derart groß, dass strategisches Denken immer wieder zum Erfolg führt. Garantien dafür gibt es allerdings nicht.

Überhaupt macht es sowohl beim Poker als auch bei finanziellen Investitionen absolut Sinn, einen kühlen Kopf zu bewahren und nicht jeden Hype für voll zu nehmen. Selbst denken, selbst rechnen, selbst planen heißt die Devise, denn am Kartentisch und auf dem Finanzmarkt ist im Grunde jeder auf sich allein gestellt. Natürlich können Sie gern auf einen erfahrenen Mentor hören, doch auch seine Anleitungen sollten Sie hinterfragen und die eigentliche Entscheidung genauso treffen, wie Sie es für richtig halten. Das „Learning by Doing“ schärft allmählich die Intuition und das persönliche Standing verbessert sich mit der Zeit. Doch für diesen Prozess braucht es unternehmerisches Denken und Mut zum Risiko, sonst gibt es keine echte Weiterentwicklung.

Aus diesem Holz sind Erfolgsmenschen geschnitzt!

Womit wir bei den Charaktereigenschaften angekommen sind, die ein Pokerspieler mitbringen muss, um sich in der Sonne des Erfolgs zu räkeln. Ein gutes Gespür für Zahlen und Wahrscheinlichkeiten gehört in jedem Fall dazu, denn sonst sind alle strategischen Planungen leider allzu oft umsonst. Gerade wenn wir an die Outs, Wahrscheinlichkeiten und Ratios denken, wird diese Verbindung absolut klar. Nur zwischen den Zeilen möchten wir erwähnen, dass ein Finanz-Spekulant ohne ein umfangreiches Zahlenverständnis keine echte Chance besitzt, auf seinem Gebiet jemals etwas zu werden. Eine schnelle Auffassungsgabe gehört natürlich mit dazu, denn nur damit gelingt es, adäquat zu reagieren, wenn die Dinge sich überstürzen. Schließlich sitzen auch noch andere Akteure mit am Tisch, die einen größtmöglichen Gewinn für sich erhoffen – und ihre Handlungen sind nicht immer vorhersehbar.

Disziplin und Selbstbeherrschung gehören heutzutage nicht mehr zu den beliebtesten Tugenden, aber sie können beim Pokerspiel von großer Bedeutung sein. Denn nur wer auf einem großen Turnier über unzählige Runden gegen eine Vielzahl von Gegnern bis zum Schluss durchhält, der gewinnt den Löwenanteil des Preispools. Das kann zwischendurch auch mal halbe oder sogar ganze Nächte dauern, auf diverse Befindlichkeiten wird keine Rücksicht genommen. Aufgeben ist jedem jederzeit gestattet, dann freuen sich die Übriggebliebenen. Aber wer will schon den Gegner glücklich machen? Einen langen Atem braucht es auch im Finanzgeschäft, einige Aktionen können sich sogar über Jahre ziehen, bis schließlich doch noch alles gut wird. Die Waffen einfach so zu strecken, nur weil es mal ein bisschen schwieriger wird, sollte nicht zu Ihren normalen Verhaltensweisen gehören, wenn Sie sich auf lange Sicht deutliche Gewinne erhoffen.

https://pixabay.com/de/photos/geld-gewinn-finanzen-gesch%C3%A4ft-2696228/

Für nachhaltige Gewinne lohnt es sich, eisern zu kämpfen

Source: Pixabay

Licence: Pixabay Licence

Ja, manches Pokerturnier findet in herrlichster Umgebung statt zum Beispiel auf Paradise Island, und trotzdem sollte das wichtigste Ziel niemals darin bestehen, möglichst bald wieder am Strand zu liegen. Im Spiel verschwindet der Strand in einer anderen Dimension und taucht möglichst nicht mehr im Gedankengut auf. Erst wenn wirklich alles abgeschlossen ist, wird es Zeit zum Entspannen. Und vielleicht ist zu diesem Zeitpunkt der Geldbeutel derart prall gefüllt, dass die Cocktails nur so sprudeln. Ein waschechter Poker-Profi weiß sehr genau: Es gibt für alles die passende Zeit, zuerst muss die Geldquelle sprudeln, danach erst winkt das zuckersüße Leben.

Lange Rede, kurzer Sinn

Mein Fazit ist ganz schlicht und einfach: Von nichts kommt nichts. Den Buy-in zu zahlen und am Pokertisch Platz zu nehmen, bringt noch keinen Gewinn. Einfach mal auf blauen Dunst in irgendein Geschäft Geld zu investieren, kann vielleicht durch puren Zufall ein paar Euros einbringen. Für nachhaltigen Erfolg braucht es viel mehr Rüstzeug – und vieles davon lässt sich erlernen.